Mitteilungen aus der Kammer

  • Ärztliche Weiterbildung in Sachsen-Anhalt +

    Monatlich möchten wir an dieser Stelle die Ärztinnen und Ärzte benennen, die erfolgreich ihre Facharztprüfung an der Ärztekammer Sachsen-Anhalt abgelegt haben Telefonische Sprechzeiten der Abteilung Weiterbildung: Mo. bis Do. 10 Weiterlesen...
  • 120. Deutscher Ärztetag in Freiburg vom 23. bis 26. Mai 2017 +

    Eröffnungsveranstaltung Der Ärztetag wurde gemeinsam mit 1000 Delegierten und Gästen im Konzerthaus Freiburg eröffnet. In den Worten der Redner, wie dem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, spiegelte sich der anstehende Bundeswahlkampf deutlich Weiterlesen...
  • Klinisches Krebsregister Sachsen-Anhalt +

    Qualitätskonferenzen – ein Instrument der onkologischen Versorgung Durch das Krebsfrüherkennungs- und Registergesetz (KFRG) vom 03.04.2013 wurde die Grundlage für den bundesweiten Ausbau Klinischer Krebsregister geschaffen. Das Klinische Krebsregister sorgt für eine Weiterlesen...
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Im Rahmen einer Fachtagung stellten das Ministerium für Arbeit und Soziales und die Techniker Krankenkasse in Kooperation mit der Ärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung am 25.02.2015 den aktualisierten Leitfaden „Stoppt Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ der Öffentlichkeit vor. Rund 150 Teilnehmer aus Medizin, Landes- und Kommunalpolitik und Medien folgten der Einladung zur Veranstaltung. In der 122-seitigen Broschüre finden sich neben Grundlagen zur Erkennung von Gewalt oder Vernachlässigung, Dokumentationsangeboten und Handlungsempfehlungen auch Hinweise zur ärztlichen Schweigepflicht. Der Leitfaden soll Ärzten helfen, frühzeitig Zeichen von Vernachlässigung oder Misshandlung zu erkennen und im Verdachtsfall sicher, angemessen und im Sinne der Kinder und Familien zu intervenieren.

In ihren Grußworten sowie Statements gingen die Referenten aus verschiedenen Blickwinkeln unter anderem auf die rechtlichen Grundlagen zum Kinderschutz ein. Zudem erläuterten sie Möglichkeiten des Eingreifens im Falle eines Verdachts auf Kindesmisshandlung oder -missbrauch und gaben Einblicke anhand von konkreten Fallbeispielen aus der medizinischen Praxis.

Anja Naumann
Anja Naumann

So erklärte die Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, Frau Anja Naumann, dass Ärzte vor der schwierigen Aufgabe stehen, seelische Verletzungen zu erkennen, die im Gegensatz zu körperlichen nicht sichtbar sind. Daher hält sie es für sinnvoll und angeraten, dass sich jeder Mediziner mit dieser Thematik beschäftigt und Verbündete sucht, die ihn bei einem gegebenenfalls notwendigen Eingreifen unterstützen können.

Der Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse in Sachsen-Anhalt, Herr Jens Hennicke, führte fort, dass es eine große Diskrepanz zwischen der Gesetzeslage, die ein gewaltfreies Aufwachsen von Kindern garantiert, und der Lebenswirklichkeit gibt. Nicht selten müssten Jungen und Mädchen körperliche und sexuelle Gewalt sowie seelische Verletzungen in Form von beleidigenden Beschimpfungen, Demütigungen, Missachtung und Vernachlässigung erdulden.

Ass. jur. Kathleen Hoffmann
Ass. jur. Kathleen Hoffmann

Die Leiterin der Rechtsabteilung der Ärztekammer, Frau Ass. jur. Kathleen Hoffmann, machte deutlich, dass die Beratung von Medizinern bei Fragen des Umgangs mit einem Verdacht auf Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung eines Kindes zu den Aufgaben der Selbstverwaltungskörperschaft der Ärztinnen und Ärzte des Landes Sachsen-Anhalt gehört. Sie ging dezidiert auf die Rechtsgrundlagen und Regelungen zur Schweigepflicht im Zusammenhang mit dem Bundeskinderschutzgesetz ein.

Frau Ilona Oesterhaus, die Leiterin des Zentrums „Frühe Hilfen“ am Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt stellte klar, dass Kinderschutz eine gesamtgesellschaftliche und professionsübergreifende Aufgabe ist. Dazu sind Netzwerke unterschiedlichster Partner notwendig. Wir müssen präventiv agieren, wenn schon während der Schwangerschaft ein schwieriges soziales Umfeld spätere Probleme erahnen lässt.

Prof. Dr. med. Hans-Henning Flechtner
Prof. Dr. med.
Hans-Henning Flechtner

Herr Prof. Dr. med. Hans-Henning Flechtner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg berichtete aus seiner Erfahrung, dass Gewalt gegen Kinder und Jugendliche für diese ganz unterschiedliche Folgen haben kann und beispielsweise eine gesteigerte Aggressivität hervorrufen, aber auch ursächlich für nach außen nicht erkennbare Ängste und Suizidgefährdung sein kann.

Der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin Halle und Magdeburg, Herr Professor Dr. med. Rüdiger Lessig, wies darauf hin, dass ihm kein einziger Fall in Deutschland bekannt sei, bei dem ein Mediziner aufgrund der Durchbrechung der Schweigepflicht in Zusammenhang mit einem Verdacht auf Kindesmissbrauch oder -vernachlässigung juristisch belangt worden ist.

Alle Vorträge der Veranstaltung sowie den Leitfaden können Sie im neuen Mitgliederportal abrufen.

Zudem kann der Leitfaden telefonisch unter 0391/6 05 46 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! abgefordert werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit des Downloads auf der Webseite der Ärztekammer Sachsen-Anhalt unter: www.t1p.de/kinderschutz

Jens Hennicke
Jens Hennicke
Ilona Oesterhaus
Ilona Oesterhaus
Prof. Dr. med. Rüdiger Lessig
Prof. Dr. med. Rüdiger Lessig