Vorstellung der Chronik „25 Jahre Ärztekammer Sachsen-Anhalt“ und Sommerfest „Grillen bei Doctor Eisenbarth“

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt (ÄKSA) konnte sich auch in diesem Jahr wieder über zahlreiche Gäste aus Politik und Ärzteschaft beim Sommerfest „Grillen bei Doctor Eisenbarth“ am 02. September freuen, das zum 2. Mal im Haus der Heilberufe stattfand.

In diesem Jahr stand das Sommerfest ganz im Zeichen des 25-jährigen Bestehens von Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA).

Buchvorstellung „25 Jahre Ärztekammer Sachsen-Anhalt“

Im Vorfeld des Sommerfestes fand die Vorstellung der Chronik „25 Jahre Ärztekammer Sachsen-Anhalt“ statt, zu der die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz, die anwesenden Gästen, u.a. die Autoren der Chronik und Kollegen der ersten Stunde, herzlich begrüßte.  Die Präsidentin betonte in ihrer Rede, dass vor nunmehr 25 Jahren die ärztliche Selbstverwaltung in Sachsen-Anhalt durch das Engagement einiger Ärzte in einem unglaublichen Tempo aufgebaut wurde. Diese mündete in der Gründung der Ärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts am 15. August 1990, welches durch ein Schreiben des Ministers für Gesundheit der DDR bestätigt wurde.

Dieses Jubiläum wurde bewusst für die Herausgabe dieser Chronik gewählt, da heute noch die Zeitzeugen und „Aufbauarbeiter“ von damals zur Verfügung stehen. Es ist wichtig, die heutige Generation darüber zu informieren, wie die ärztliche Selbstverwaltung in Sachsen-Anhalt entstand und was in 25 Jahren ärztlicher Selbstverwaltung mit und für die Ärzte des Landes geschehen ist.

Um diese historisch bedeutsame Zeit in einer Chronik für die kommende Generation zu sichern, war 2012 eine Historienkommission eingerichtet worden.
Deren Mitglieder, Prof. Walter Brandstädter, Dr. Peter Eichelmann, Prof. Hermann Seeber, Dr. Wolfgang Zacher, Dr. Walter Kudernatsch, Dr. Heiko Schmietendorf, Elias Steger, Dipl.-Ing.-Ök. Gisela Schmidt, wohnten ebenso dieser Buchvorstellung bei.
Frau Dr. Heinemann-Meerz betonte, dass zunächst sehr umfangreiche und intensive Recherchen sowie die Sichtung zahlreicher Akten und Dokumente erfolgt waren, um die Ereignisse und Befindlichkeiten der Ärzte vor, während und nach der Wende zu rekonstruieren und niederzuschreiben.
Anhand von Dokumenten und Zeitzeugenberichten stellt die Chronik zunächst die Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit in der DDR dar, beschreibt die Aktivitäten der Ärzte in den Bezirken Halle und Magdeburg in der Zeit 1989 und 1990 und liefert hierzu zeithistorische Dokumente der Auseinandersetzung der Ärzteschaft mit dem Staat. Daraufhin folgt die Beschreibung des Aufbaus und der Tätigkeit der ärztlichen Selbstverwaltung ab 1991 bis heute.

Diese Chronik soll einerseits als Dank an die Ärztegeneration gesehen werden, die aktiv am Aufbau der Selbstverwaltung mitgewirkt hat und andererseits der heutigen Ärzteschaft zeigen, welche Arbeitsbedingungen für die Ärzte in der damaligen DDR herrschten und welch hohes Gut die ärztliche Selbstverwaltung ist.

In seinem für die Chronik formulierten Vorwort betont auch der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Frank Ulrich Montgomery, die gewaltige Leistung der Ärzte, die zur Zeit der Wende die Ärztekammer Sachsen-Anhalt aus dem Nichts aufgebaut haben.

Anschließend sind ein paar Zahlen und Fakten wichtig, wenn über die Tätigkeit der Ärztekammer in den vergangenen 25 Jahren gesprochen wird. Dazu folgen ein paar Auszüge.

Weiterbildung
In den 25 Jahren wurde die Weiterbildungsordnung und besonders die dort enthaltenen Gebiete und Bezeichnungen mehrmals geändert. Dies ist durch den medizinischen Fortschritt zu erklären, der zu einer immer weitergehenden Untergliederung bzw. Spezialisierung der ärztlichen Profession geführt hat. Heutzutage gilt das EU-Recht, das der Kammer zunehmend Arbeit und Diskussionsbedarf beschert.
Insgesamt wurden durch die Kammer bis heute rund 12.000 ärztliche Anerkennungen erteilt und beurkundet.

Berufsrecht
Frau Dr. Heinemann-Meerz erklärte, dass auch die Berufsordnung in den vergangenen 25 Jahren 12-mal geändert und novelliert wurde. Heute wird u.a. darüber diskutiert, ob Fortbildung gesponsert werden und ob und in welcher Form, ein Arzt mit Heilmittelerbringern oder Pharmafirmen zusammenarbeiten darf. Viele Änderungen waren als Folge der Gesundheitsgesetzgebung, der Liberalisierung des Arztrechts und von EU-Vorschriften erforderlich.

Satzungen und Ordnungen
Die Präsidentin informierte darüber, dass die Kammer in den vergangenen Jahren die ihr nach dem Kammergesetz übertragenen Aufgaben mit 112 Beschlüssen zu Satzungen und Ordnungen umgesetzt hat. Diese betrafen überwiegend die Anpassung der bestehenden Satzungen und Ordnungen an gesetzliche Änderungen oder trugen zur Konkretisierung von Regelungen der Kammerarbeit und Verbesserung des laufenden Geschäftsbetriebes bei. Eine grundlegende Änderung der Wahlordnung erfolgte z. B. im Jahr 2008.

Versorgungswerk
In ihren weiteren Ausführungen hob die Präsidentin hervor, dass die Gründung eines eigenen Versorgungswerkes ein wichtiger Bestandteil und auch Vorteil der ärztlichen Selbstverwaltung ist. Ihm wurde in der Chronik ein eigener Abschnitt gewidmet. Derzeit sind mehr als 10.000 Mitglieder im Versorgungswerk versichert, die eine sichere und im Vergleich zur staatlichen Rentenversicherung bessere Altersversorgung erwarten können. „Der Name ‚Dr. Walter Kudernatsch‘ ist eng mit dem Aufbau und Erfolg des Versorgungswerkes verbunden“, so Frau Dr. Heinemann-Meerz.

Fortbildung
Mehr als 750 eigene Fortbildungsveranstaltungen hat die Kammer durchgeführt und seit 2011 knapp 13.000 Fortbildungsdiplome bzw. Fortbildungszertifikate vergeben. Das zu Anfang noch freiwillige Fortbildungsdiplom ist in ein verpflichtendes Fortbildungszertifikat überführt worden. Zudem wurden die Regularien zum freiwilligen Fortbildungsdiplom in eine verbindliche Fortbildungsordnung überführt, die Bestandteil der Berufsordnung geworden ist.

Mitgliederzahl und ausländische Ärzte, Sprachprüfungen
„Die Zahl der Kammermitglieder hat sich von 1991 bis heute um fast 4.800 und die Zahl der berufstätigen Mitglieder um gut 2.000 erhöht“, so die Kammerpräsidentin. Sachsen-Anhalt hat dennoch einen Ärztemangel zu beklagen, da immer mehr Ärzte in die Teilzeitarbeit drängen.

Ein Blick auf die ausländischen Ärzte zeigt, dass mehr als 10 Prozent unserer Mitglieder aus dem Ausland stammen. Derzeit arbeiten rund 920 Ärzte aus ca. 30 Nationen in unserem Bundesland. Dies führt zu Problemen in der Zusammenarbeit und Verständigung in der ärztlichen Tätigkeit und der Behandlung von Patienten, die zum größten Teil durch mangelnde Sprachkenntnisse zu erklären sind. Die Präsidentin führte weiter aus, dass seit 2014 bundesweit die für die Berufsausübung erforderlichen Fachsprachenkenntnisse in Deutsch Voraussetzung für die Erteilung einer Approbation sind. Dies erfolgte jedoch erst nach Initiative und durch den intensiven und vehementen Einsatz ihrerseits und der Kammer. Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt führt nun seit Januar 2015 Fachsprachenprüfungen durch.

Ehrenamtliche Gremienarbeit
Mehr als 450 Kolleginnen und Kollegen engagieren sich ehrenamtlich in den Gremien der Ärztekammer. In 56 Kammerversammlungen wurden mehr als 500 Beschlüsse gefasst. Die Mitarbeiter in den Geschäftsstellen unterstützen den Vorstand und die Gremien bei der Arbeit und kompensieren das wachsende Aufgabenspektrum und die vielen Aufgaben durch eine gute und wirtschaftliche Organisation der Arbeit.

Anhand einiger Zahlen demonstrierte die Präsidentin, welche Aufgabenfülle für die Geschäftsstellen der Kammer aus dem Kammergesetz, den Satzungen und Ordnungen, den Beschlüssen oder auch aus den geschlossenen Verträgen mit Dritten resultieren.

  • seit 1990 wurden 5.700 Arzthelferinnen bzw. Medizinische Fachangestellte ausgebildet und geprüft.
  • seit 2001 wurden 1.272.127 Datensätze im Rahmen der externen Qualitätssicherung bearbeitet und ausgewertet.
  • es haben mehr als 20.000 Teilnehmer an ärztlichen Fortbildungsveranstaltungen der Kammer teilgenommen
  • es wurden 14.457 Arztausweise ausgestellt und 10.267 Arztausweise verlängert und seit 2014 rd. 3.500 Arztausweise im neuen Scheckkartenformat ausgegeben
  • seit 1990 wurden 3.032 Arzt-Notfall-Schilder für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ausgestellt
  • seit dem Jahr 2000 wurden 102.342 Fortbildungsveranstaltungen zertifiziert und hierfür mehr als 350.000 Fortbildungspunkte vergeben.

Die Ärztekammer ist moderner geworden. Ohne Modernisierung wären das stetig gestiegene Aufgabenspektrum und der ebenso stetig gestiegene Aufgabenumfang nicht zu bewältigen. Elektronische Erfassung der Fortbildungspunkte und Auswahl der Veranstaltungen per App haben Einzug gehalten. Die Kollegen können Ihre Änderungen in einem Mitgliederportal elektronisch eintragen und sparen Wege, Zeit und Papier für die bürokratischen Seiten der Kammermitgliedschaft.

„Immer wieder wird jedoch politisch versucht, den ärztlichen Beruf weiter zu reglementieren und die ärztliche Tätigkeit staatlich zu reglementieren“, so Frau Dr. Heinemann-Meerz. Die Finanzierungsprobleme verursachen einen Mangel an Personal, eine hohe Arbeitsverdichtung und immense Arbeitsbelastung. Die Auswirkungen sollten dann mit überbordenden Qualitätssicherungsmaßnahmen bekämpft werden. Die Präsidentin kritisierte, dass die mangelhafte Finanzierung des Gesundheitssystems Ausgangspunkt neuer gesetzlicher Regeln und Festlegungen ist.

Hervorzuheben ist, dass sich die Ärzteschaft in einem anwachsenden Spannungsfeld zwischen dem medizinischen Fortschritt und Ökonomisierung bewegt. Diese Problematik haben bereits die Gründer und die ersten gewählten Vertreter der Ärztekammer Sachsen-Anhalt erkannt und als besondere Herausforderung für die ärztliche Selbstverwaltung identifiziert. Dies sprach auch Prof. Walter Brandstädter, Präsident der Ärztekammer von 1990 bis 1999, in seinem Vortrag auf dem 94. Deutschen Ärztetag 1991 in Hamburg an, der der erste Vortrag eines Arztes aus der DDR war und in gekürzter Form in der Chronik nachzulesen ist.

Frau Dr. Heinemann-Meerz erklärte in ihrer Rede, dass die Rahmenbedingungen zur Ausübung des ärztlichen Berufes in eigener Verantwortung zu regeln, in vielen Bereichen schwieriger geworden sind und täglich neu erkämpft werden müssen. Das Europarecht und die überbordende Gesetzgebung in Deutschland machen dies nicht einfacher. Innerhalb der letzten 10 Jahre gab es u.a. 113 Änderungen allein im SGB V, mit denen 1.350 Einzelnormen geändert wurden. Diese Änderungen ergaben sich in der Regel aus Gesetzen, die zugleich viele weitere Gesetze geändert haben, wie z.B. das GKV-Gesundheitsreformgesetz (2000), das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG, 2015) oder das Transplantationsgesetz.
Verursacht durch den sogenannten Transplantationsskandal beschäftigt sich die Kammer seit ca. 2 Jahren intensiv mit Transplantationsthemen und der Feststellung des irreversiblen Ausfalls der Hirnfunktion. Sachsen-Anhalt ist die 1. Kammer mit einem eigenen Ausschuss für Transplantation und Organspende.

Die Kammerpräsidentin betonte, dass in den vergangenen 12 Monaten mehrere umfangreiche Gesetze in das parlamentarische Verfahren eingebracht oder verabschiedet wurden, wie u.a. das Gesetz zur Bekämpfung der Korruption im Gesundheitswesen oder die gesetzlichen Regelungen zur Sterbehilfe.

Davon ausgehend muss angenommen werden, dass die Gesundheitsgesetzgebung nach der heuristischen Methode, Probleme zu lösen, erfolgt. Jedoch warten wir auf die Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) seit 25 Jahren. Dies ist nicht durch die ärztlichen Verhandlungsführer verschuldet. Auf die Ärztekammer wird weiterhin viel Arbeit kommen. Momentan bereitet sie gerade die Wahlen zur Kammerversammlung der VII. Legislaturperiode 2016 vor.

In ihren abschließenden Worten dankte Frau Dr. Heinemann-Meerz allen Kollegen, die ein großes Stück des Weges mit der Ärztekammer gegangen sind, und denen, die heute noch aktiv die Kammerarbeit mitgestalten. Ein weiteres Dankeschön ging an die Mitglieder der Historienkommission, die diese anspruchsvolle und lesenswerte Chronik durch ihr Engagement ermöglicht haben. Ihr Dank ging zudem an Herrn Müller und Frau Dr. Deutschmann von der Müller Marketing GmbH aus Magdeburg, die die Ideen zu diesem Buch redaktionell und mit einem Lektorat begleitet, das Layout entworfen sowie die grafische Umsetzung der Inhalte vorgenommen haben.

Verleihung des Ehrenzeichens der Ärztekammer Sachsen-Anhalt

Danach wurde Dr. Peter Eichelmann, Vorsitzender der Geschäftsstelle Magdeburg, mit dem Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Die Laudatorin, Frau Dr. Heinemann-Meerz, würdigte seine Verdienste und sein langjähriges Engagement für die Ärztekammer. Seine Laudatio folgt im Anschluss an den Bericht über das Sommerfest.

Sommerfest
„Grillen bei Doctor Eisenbarth“

Ab 17:30 Uhr hatten die Gäste dann beim Sommerfest die Gelegenheit zum Gedankenaustausch in geselliger Runde. Über 120 Gäste aus Politik und der Ärzteschaft sowie weitere wichtige Partner im Gesundheitswesen, so u.a. der Minister für Arbeit und Soziales, Norbert Bischoff, der Minister für Wissenschaft und Wirtschaft, Hartmut Möllring, und Prof. Frank Ulrich Montgomery begrüßten die Präsidentin der Ärztekammer und der Vorsitzende des Vorstandes der KVSA, Dr. Burkhard John, zum diesjährigen Fest.
In ihrem Grußwort betonte die Präsidentin, dass sich die ärztliche Selbstverwaltung durch das Engagement einiger Ärzte vor 25 Jahren rasant entwickelte und am 15. August 1990 die Ärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet wurde. Weiter führte sie aus, dass das Medizinstudium in den letzten Jahren praxisorientierter geworden ist. Versorgungsbereiche z. B. auf dem Land und bestimmte Facharztfächer müssen für den ärztlichen Nachwuchs attraktiv bleiben. Die Kammerpräsidentin appellierte an die Anwesenden, dass wir diesen Nachwuchs selbst aus- und weiterbilden und dafür sorgen müssen, dass die Bleibequote in Sachsen-Anhalt von gut 60 Prozent so bestehen bleibt.

Der sogenannte Masterplan „Medizinstudium 2020“ soll auf Bundesebene dieses Problem nun (neu) richten. Es muss jedoch davor gewarnt werden, das qualitativ hochwertige Medizinstudium zu trivialisieren, da für dieses Studium die Besten benötigt werden. Doch wie kann ein Student so eingesetzt werden, dass es gesamtgesellschaftlichen Sinn macht? Es kann nicht allein um Geld gehen, sondern die Freude am Beruf muss aktiviert und gefördert werden wie z. B. durch kulturelle Angebote. Ein Gesamtkonzept des Landes Sachsen-Anhalt, das einer nachhaltigen Entwicklung in Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie ärztlicher Versorgung langfristig Stabilität gibt, ist nötig. Die Präsidentin hob hervor, dass Universitäten jenseits bildungsökonomischer Scheinrationalität weiterhin unverzichtbar sind. Denn wissenschaftliches Arbeiten muss wieder verstärkt im Studium gelehrt werden, was Geld kostet. Zudem benötigen wir eine realitätsnahe Berechnung des Behandlungsbedarfs entsprechend der steigenden Morbidität der Bevölkerung sowie dessen Finanzierung. Die Ruhe und Freude an ärztlicher Tätigkeit kann nicht durch zwangsverordnete Terminvergaben mit neu erfundenen bürokratischen Institutionen und der Drohung von Finanzentzug erzeugt werden. Auch wenn unter den Patienten über Schwierigkeiten geklagt wird, einen Arzt in der Nähe des Wohnortes zu finden, leidet darunter nicht das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Da laut des KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Gassen alle Patienten in der Regel einen Termin bei ihrem „Wunscharzt“ erhalten, wird oftmals auf hohem Niveau geklagt.
In ihren abschließenden Worten versprach die Kammerpräsidentin den anwesenden Gästen, dass die Ärztekammer Sachsen-Anhalt weiterhin ein stabiler und innovativer Partner der Politik sein und die Interessen ihrer Mitglieder in allen Bereichen vertreten wird. Sie wird sich zudem in jede Debatte zur Gesundheitspolitik einbringen und die ärztliche Freiberuflichkeit vehement verteidigen.

Dr. Burkhard John erklärte in seinem Statement, dass man zu diesem 25-jährigen Jubiläum einen Moment inne halten sollte. Damals, vor 25 Jahren, waren die Gründungsmitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung als Dienstleister der ersten Wahl für die Vertragspartner, Partner der Krankenkassen usw. angetreten. Von Beginn an hat man das Thema Versorgung ernst genommen. Mit einer unglaublichen Dynamik fand der Wandel in ein freies ambulantes Gesundheitswesen statt. Er erinnerte daran, dass zur damaligen Zeit viele Informationsveranstaltungen für die Ärzteschaft organisiert wurden. Dr. Klaus Penndorf (KV-Vorsitzender von 1990 bis 2000) und Hans-Günther Spanuth (Hauptgeschäftsführer 1991 bis 2002) waren in dieser Anfangszeit wichtige „Schrittmacher“. Später folgten Mathias Tronnier und Martin Wenger als Hauptgeschäftsführer bzw. geschäftsführender Vorstand. In seinen weiteren Ausführungen verwies er darauf, dass für die heutige Ärztegeneration die Work-Life-Balance immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Ärzte streben immer mehr in Angestelltenverhältnisse. Jedoch nehme der Ärztemangel immer weiter zu und es bestehen weiterhin Defizite bei der Vergütung der ärztlichen Tätigkeit.

Neben vielen Landtags- und Bundestagsabgeordneten aus allen Fraktionen nutzte in diesem Jahr der sachsen-anhaltinische Minister für Arbeit und Soziales, Norbert Bischoff, die Gelegenheit zum Dialog mit den Ärztinnen und Ärzten des Landes. Der Minister unterstrich die gute Zusammenarbeit mit den Vertretern der Ärzteschaft, auch wenn es Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten zwischen Politik und Ärzteschaft gibt. Bei Fragen wie z. B. dem Ärztemangel ist die Landespolitik als Verbündete der Ärzte zu sehen. Es ist allerdings schwer, sich auf der Bundesebene hinsichtlich dieser Thematik durchzusetzen.

Er offenbarte, dass er es damals nicht geglaubt hätte, dass so viele Ärzte in die Niederlassung wollten, wo sie frei entscheiden konnten. Dies stellte damals für alle eine große Herausforderung dar. Jedoch hat sich seit diesem Zeitpunkt viel verändert. Menschen sind auf eine gute Ausbildung bzw. Qualifizierung von Ärzten angewiesen und es sollten keine Ärzte zweiter Klasse ausgebildet werden. Weiterhin stellte er fest, dass der ärztliche Beruf in Sachsen-Anhalt gut ausgeübt werden kann und es gute Voraussetzungen und Bedingungen gibt wie die zwei medizinischen Fakultäten in Halle/Saale und Magdeburg sowie qualifizierte Kliniken. Auf dieser Ebene hat sich unser Bundesland gut entwickelt. Er appellierte an die Anwesenden, Werbung für die Ärzte und die Versorgung zu machen und dahingehend an einem Strang zu ziehen.

Work-Life-Balance und der Kontakt und Austausch zu bzw. mit anderen ist der heutigen Ärztegeneration wichtig. Zudem ist es relevant, dass zwischen Arzt und Patient eine vertrauensvolle Beziehung bestehe und der Arzt entsprechend gut verdienen müsse.

Prof. Frank Ulrich Montgomery betonte in seinem Statement, dass nach der Wende nicht diskutiert wurde, ob etwas vom DDR-Gesundheitssystem in das neue System integriert werden könnte. Damals stand nur „ganz“ oder „gar nicht“ bzgl. der Übernahme des westdeutschen Gesundheitssystems zur Auswahl. Die Ärzte in den neuen Bundesländern haben seit der Wende viel gelernt und es hat sich in kurzer Zeit viel geändert. Dies kann von der Politik nicht unbedingt behauptet werden. Jedoch hat man auch in umgekehrter Weise viel gelernt. Nach der Wende wurden viele Polikliniken geschlossen. Umso erstaunenswerter ist es, dass es in Bayern inzwischen mehr Medizinische Versorgungszentren als in Sachsen-Anhalt gibt.

Ihn freute es zudem, dass die medizinische Fakultät der Universität Halle-Wittenberg Bestandsgarantie hat. Seine Aussage, dass alles dafür getan werden muss, dass die Universität Halle-Wittenberg bleibt, fand zustimmenden Applaus unter den anwesenden Gästen.

Fotos: ÄKSA