Am 16.09.2015 hatte das Land Sachsen-Anhalt deshalb die Gründung einer Allianz für Allgemeinmedizin angeregt.

Unterzeichner der Allianz sind neben dem Land Sachsen-Anhalt, vertreten durch das Ministerium für Arbeit und Soziales, das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft, das Kultusministerium und das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr, die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung, die Landesverbände der Krankenkassen, die Krankenhausgesellschaft, der Hausärzteverband, die Universitäten des Landes mit ihren Medizinischen Fakultäten und den Klinika u. a.

In der Gründungserklärung heißt es:

„Die Zuständigkeiten, die Aufgabenverteilung und auch die Interessenlagen der im Gesundheitswesen tätigen Organisationen sind höchst unterschiedlich. Um die anstehenden Herausforderungen bewältigen zu können, ist eine Bündelung der vorhandenen Kräfte und Ressourcen und eine zielgerichtete und koordinierte Vorgehensweise dringend geboten.

[...]
Ziel dieser Allianz ist die Förderung und Gewährleistung einer dauerhaften Ansiedlung von Hausärztinnen und Hausärzten in Sachsen-Anhalt, besonders in den ländlichen Regionen. Die konkrete Umsetzung von erforderlichen Aktivitäten erfolgt je nach Verantwortungsbereich und Zuständigkeit der Beteiligten in eigener Verantwortung. Das Land Sachsen-Anhalt, vertreten durch das Ministerium für Arbeit und Soziales, übernimmt dabei die notwendige Koordination.“

Eine maßgebliche Ursache für den Hausärztemangel ist die demografische Entwicklung im Land Sachsen-Anhalt. Die Ärztekammer hatte das Problem frühzeitig erkannt und erste, in ihrem Zuständigkeitsbereich liegende Maßnahmen, eingeleitet.

Auf der Grundlage einer Analyse der Altersstruktur und der damit nicht im Einklang stehenden Zahlen von Facharztabschlüssen in der Allgemeinmedizin hatte die Ärztekammer bereits im Jahr 2008 eine Koordinierungsstelle für die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin mit dem Ziel gegründet, die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für junge Mediziner attraktiver und einfacher zu gestalten. 2011 wurde eine Vereinbarung mit der Kassenärztlichen Vereinigung geschlossen. Inzwischen ist die KOSTA eine gemeinsame Einrichtung von Kammer, Kassenärztliche Vereinigung und Krankenhausgesellschaft auf der Grundlage des § 5 der Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. Unter ihrem Dach gibt es derzeit 11 Regionalverbünde, an denen 68 Arztpraxen und 24 Krankenhäuser beteiligt sind.

Kontinuierliche und gezielte Ansprache von Hausärzten soll dazu beitragen, die Zahl der Weiterbildungsbefugten, insbesondere im ländlichen Raum, zu erhöhen.

Diese Bemühungen der Kammer haben dazu geführt, dass die Zahl der geförderten Stellen für die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin merklich angestiegen ist.

Im Förderprogramm werden derzeit 182 Ärzte in Weiterbildung betreut.

Nach einer Auswertung des Zentralinstitutes für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) im Jahr 2014 liegt Sachsen-Anhalt bei den geförderten Stellen je 100 Hausärzte seit 2012 über dem Bundesdurchschnitt.

Relation geförderte Stellen je 100 Hausärzte laut ZI

Im Ergebnis dessen stiegen auch die Prüfungszahlen im Gebiet Allgemeinmedizin in den letzten Jahren an.

Abschluss der Weiterbildung Allgemeinmedizin

Abschluss der Weiterbildung Allgemeinmedizin

Anmerkungen: Es kommen nur ca. 80 % der bei uns weitergebildeten Ärzte in der Versorgung an. Die Ursachen hierfür werden analysiert, um möglichst alle Allgemeinmediziner in die hausärztliche Versorgung in Sachsen-Anhalt zu bringen.

Differenz:

nicht mehr in SAN 14
Sanitätsdienst/Betriebsarzt/Notarzt 4
arbeitslos/nicht tätig 5
sonstige Tätigkeit 5

Dieser Anstieg allein reicht jedoch noch nicht aus, um die Nachbesetzung der frei werdenden Hausarztsitze sicherzustellen. Ab dem Jahr 2012 beschloss die Ärztekammer deshalb, Fachärztinnen und Fachärzten anderer Gebiete einen Quereinstieg in die Allgemeinmedizin zu ermöglichen, sodass in einem kürzeren Zeitfenster die Weiterbildung abgeschlossen werden kann. Bisher haben 81 Ärztinnen und Ärzte diesen Weg gewählt und absolvieren die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. 22 von diesen Kolleginnen und Kollegen haben inzwischen die Facharztanerkennung erhalten. Bereits im Jahr 2014 konnte somit die Zahl der Prüfungen im Gebiet Allgemeinmedizin weiter erhöht werden. Die Möglichkeit eines Quereinstieges in die Allgemeinmedizin wurde deshalb über das Jahr 2015 hinaus verlängert. Im Jahr 2015 absolvierten bereits 34 Ärztinnen und Ärzte die Prüfung im Gebiet Allgemeinmedizin.

Quereinsteiger in die Allgemeinmedizin

Seit dem Jahr 2008 beobachtet die Kammer kontinuierlich die Bewegungsdaten der Allgemeinmediziner. Der Wanderungssaldo ist insgesamt positiv, d. h. die Zugänge übersteigen die Abgänge. Dieser Saldo ist jedoch zu gering, um einen spürbaren Effekt zu konstatieren.

Die seit 2011 erfolgende Erfassung der Weiterbildungsziele der jungen Mediziner soll als Indikator dafür dienen, zu erfahren, inwieweit die eingeleiteten Maßnahmen greifen und wie hoch der weitere Handlungsbedarf ist.

Von vielen Allianzpartnern wurden ebenfalls zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, die wirksam zur Linderung des Hausärztemangels beitragen sollen. Zu nennen sind hier neben dem Förderprogramm für die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin, beispielsweise die umfangreichen Aktivitäten der Kassenärztlichen Vereinigung, wie die gezielte finanzielle Unterstützung von Hausärzten für Praxisgründung oder Praxisübernahme oder die Förderung von Studienplätzen, das Stipendienprogramm für Medizinstudierende oder die Gründung einer Klasse Allgemeinmedizin an der MLU in Halle, welche auch vom Hausarztverband unterstützt wurde.

Die Ärztekammer begrüßt die Gründung der Allianz für Allgemeinmedizin als richtigen Schritt, die vielfältigen auf Landesebene bestehenden Maßnahmen zu bündeln und noch besser aufeinander abzustimmen, um die hausärztliche Versorgung als tragende Säule der ambulanten Versorgung weiterhin sicherzustellen.

Dabei achtet die Kammer insbesondere darauf, dass das hohe Niveau der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin als Facharztkompetenz erhalten bleibt.

Die Allianz hat am 11.12.2015 in einem Fachgespräch über einen Maßnahmenplan beraten, welcher die bereits vorhandenen Aktivitäten der verschiedenen Akteure auflistet und Vorschläge für weitere mögliche Aktivitäten enthält. Dieser Maßnahmenplan soll nun in Arbeitsgruppen weiter konkretisiert und ausgebaut werden. Über erste Ergebnisse soll im Juni 2016 beraten werden.

Weitere Impulse sind durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz zu erwarten. Mit diesem Gesetz wurden die geförderten Stellen angehoben und auch die Vergütungsregelung für Weiterbildungsassistenten in der ambulanten Versorgung verbessert. Derzeit laufen noch die Abstimmungen der Beteiligten auf Bundesebene zur Umsetzung der neuen gesetzlichen Regelungen.

Dr. med. Simone Heinemann-Meerz
Präsidentin