Die Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt hat am 16. April 2016 beschlossen:

Artikel I Änderung der Weiterbildungsordnung
Die Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt in der Neufassung vom 14. Dezember 2005, zuletzt geändert durch Beschluss der Kammerversammlung vom 08. November 2014, wird wie folgt geändert:

  1. Im Inhaltsverzeichnis wird im Abschnitt C Zusatz-Weiterbildungen
    1. nach „Kinder-Rheumatologie“ „Krankenhaushygiene“ eingefügt und
    2. nach „Suchtmedizinische Grundversorgung“ „Transplantationsmedizin“ eingefügt
  2. Abschnitt A Paragraphenteil wird wie folgt geändert:
    1. In § 4 Absatz 1 wird Satz 1 wie folgt neu gefasst:
      „Mit der Weiterbildung kann erst nach Erteilung der ärztlichen Approbation begonnen werden.“
    2. Nach § 4 Absatz 9 wird folgender Absatz 10 angefügt: „(10) Wird eine weitere Facharztbezeichnung erworben, kann sich die festgelegte Weiterbildungszeit im Einzelfall verkürzen, wenn abzuleistende Weiterbildungszeiten bereits im Rahmen einer anderen erworbenen fachärztlichen Weiterbildungsbezeichnung absolviert worden sind. Die noch abzuleistende Weiterbildungszeit darf höchstens um die Hälfte der Mindestdauer der jeweiligen Facharztweiterbildung reduziert werden.“
  3. Abschnitt B Gebiete, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen wird wie folgt geändert:
    1. 7. Gebiet Chirurgie: Bei allen Facharztkompetenzen im Gebiet Chirurgie (7.1. bis 7.8.) wird im Abschnitt Weiterbildungszeit der Satz:
      „Werden im Gebiet Chirurgie 2 Facharztkompetenzen erworben, so beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens 9 Jahre.“
      gestrichen.
    2. 13. Gebiet Innere Medizin: Bei allen Facharztkompetenzen im Gebiet Innere Medizin (13.1. bis 13.10.) wird im Abschnitt Weiterbildungszeit der Satz:
      „Werden im Gebiet Innere Medizin 2 Facharztkompetenzen erworben, so beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens 8 Jahre.“
      gestrichen.
  4. Abschnitt C Zusatz-Weiterbildungen
    1. In der Liste der zu erwerbenden Zusatz-Weiterbildungen wird
      1. hinter „Kinder-Rheumatologie“ „Krankenhaushygiene“ und
      2. hinter „Suchtmedizinische Grundversorgung“ „Transplantationsmedizin“ eingefügt.
    2. Hinter der Zusatz-Weiterbildung Kinder-Rheumatologie wird die Zusatz-Weiterbildung Krankenhaushygiene mit nachfolgendem Wortlaut eingefügt:

      Krankenhaushygiene
      Die Inhalte zum Erwerb der Zusatz-Weiterbildung Krankenhaushygiene sind integraler Bestandteil der Facharztweiterbildung in Hygiene und Umweltmedizin sowie Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie.
      Definition:
      Die Zusatz-Weiterbildung Krankenhaushygiene umfasst die Prävention, Erfassung und Bewertung nosokomialer Infektionen sowie multiresistenter Erreger sowie die Durchführung und Koordination von Maßnahmen zur Prävention und fortlaufender Kontrolle im Krankenhaus.
      Weiterbildungsziel:
      Ziel der Weiterbildung ist die Erlangung der fachlichen Kompetenz in Krankenhaushygiene nach Ableistung der Weiterbildungskurse.
      Voraussetzung zum Erwerb der Bezeichnung:
      Facharztanerkennung
      Weiterbildungszeit:
      40 Stunden Grundkurs gemäß § 4 Abs. 8 in Krankenhaushygiene
      und daran anschließend
      160 Stunden Aufbaukurs gemäß § 4 Abs. 8 in Krankenhaushygiene
      Weiterbildungsinhalt:
      Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in
      • der Krankenhaushygiene sowie Infektionsprävention und hygienisches Qualitätsmanagement einschließlich Erstellung von Hygieneplänen und der Überwachung deren Umsetzung
      • der Beratung bezüglich Infektionsverhütung, -erkennung und -bekämpfung sowie der Überwachung der Desinfektion, Sterilisation, Ver- und Entsorgung
      • der Erkennung nosokomialer Infektionen, Erreger- und Resistenzüberwachung und Auswertung epidemiologischer Erhebungen
      • der mikrobiologischen und virologischen Bewertung therapeutischer und desinfizierender Substanzen einschließlich Empfindlichkeitsbestimmungen von Mikroorganismen und Viren gegenüber Arznei- und Desinfektionsmitteln
      • der Vorbeugung und Epidemiologie von infektiösen Krankheiten einschließlich des individuellen und allgemeinen Seuchenschutzes
      • der baulichen und technischen Hygiene

      Übergangsbestimmung:
      Kammerangehörige, die bei Einführung dieser Zusatz-Weiterbildung die Voraussetzungen zum Erwerb der Bezeichnung erfüllen und die strukturierte curriculare Fortbildung Krankenhaushygiene durchlaufen haben, können innerhalb von 3 Jahren nach Inkrafttreten dieser Satzungsänderung die Zulassung zur Prüfung beantragen.
    3. Hinter der Zusatz-Weiterbildung Suchtmedizinische Grundversorgung wird die Zusatz-Weiterbildung Transplantationsmedizin mit nachfolgendem Wortlaut eingefügt:

      Transplantationsmedizin
      Dieser Bezeichnung muss der adjektivische Zusatz der jeweiligen Facharztbezeichnung zugefügt werden; das ist z. B. Chirurgische, Internistische, Urologische Transplantationsmedizin (diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit).
      Definition:
      Die Zusatz-Weiterbildung Transplantationsmedizin umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Indikationsstellung, Vorbereitung, Durchführung und/oder Nachsorge bei Organtransplantationen, Lebend-Organspenden, Erkennung und Behandlung von Komplikationen nach Organspende, das Wartelistenmanagement und umfassende immunologische Kenntnisse einschließlich der Anwendung und Überwachung der medikamentösen Immunsuppression nach Organtransplantation und supportiver Maßnahmen sowie die Therapie auftretender Komplikationen. Ein besonders hoher Stellenwert wird der Kenntnis gesetzlicher, ethischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen der Transplantationsmedizin und Organspende einschließlich der Allokation von Organen eingeräumt.
      Weiterbildungsziel:
      Ziel der Zusatz-Weiterbildung ist die Erlangung der fachlichen Kompetenz in Transplantationsmedizin nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte.
      Voraussetzung zum Erwerb der Bezeichnung:
      Facharztanerkennung
      Weiterbildungszeit:
      24 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2, davon können
      - 12 Monate während der Facharztweiterbildung Allgemeinchirurgie, Gefäßchirurgie, Herzchirurgie, Thoraxchirurgie, Viszeralchirurgie, Innere Medizin, Innere Medizin und Gastroenterologie, Innere Medizin und Kardiologie, Innere Medizin und Nephrologie, Innere Medizin und Pneumologie oder Urologie an einem Transplantationszentrum abgeleistet werden.


      60 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Transplantationsmedizin
      Weiterbildungsinhalt:
      Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

      • den gesetzlichen, ethischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Organtransplantation
      • Vorbereitung und Meldung auf die Warteliste zur Organtransplantation und Wartelistenmanagement
      • postmortaler Organspende und Allokationsverfahren
      • Lebendorganspende (medizinische und gesetzliche Rahmenbedingungen)
      • Spender- und Empfängerauswahl, Organ- und krankheitsspezifische Indikationen und Kontraindikationen für die Transplantation
      • Indikationsstellung, Durchführung und Überwachung der immunsuppressiven Therapie bei Organtransplantation
      • Erkennung und Behandlung von Komplikationen (immunologisch, chirurgisch, pharmakologisch) nach Organtransplantation
      • infektiologischen Aspekten der Transplantation
      • ambulanter und stationärer Nachsorge nach Organtransplantation
      • Langzeitnachsorge, Qualitätssicherung und Meldung unerwünschter Ereignisse


      Für den Erwerb des Transplantationsmediziners ist für alle Fachbereiche innerhalb der 24-monatigen Weiterbildung der Nachweis für den Erwerb der relevanten immunologischen Grundkenntnisse Voraussetzung. Dies kann alternativ durch

      1. selbständige wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Transplantationsimmunologie oder
      2. eine Hospitation im HLA Labor oder einem transplantationsimmunologischen Labor (mindestens 4 Wochen) erbracht werden. Dies gilt als Nachweis für den Erwerb der relevanten immunologischen Grundkenntnisse sowie der HLA und Antikörper relevanten Organallokation und Kompatibilitätsdiagnostik.

        Zusätzlich zu den oben genannten allgemeinen Weiterbildungsinhalten
        Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten gebietsbezogener Behandlungsverfahren in:

    Allgemeinchirurgie:
    Behandlung von Patienten vor und nach Nieren-, Leber- oder Pankreastransplantation (fakultative Dünndarmtransplantation)
    Nachgewiesen eigenverantwortliche Eingriffe:

    • Nierentransplantationen incl. Lebendspende (25)
    • oder Lebertransplantationen incl. Lebendspende (30)
    • oder Pankreastransplantationen (15)
    • Organentnahmen bei postmortaler Organspende (25)
    • Leber- und/oder Nierentransplantatbiopsie (je 25)
    • farbkodierte Duplexsonographien (Leber und/oder Niere) (je 25)

    Gefäßchirurgie:
    Behandlung von Patienten vor und nach Nierentransplantation
    Nachgewiesen eigenverantwortliche Eingriffe:

    • Nierentransplantationen incl. Lebendspende (25)
    • Organentnahmen bei postmortaler Organspende (25)
    • Nierentransplantatbiopsie (10)
    • Duplexsonographien des Nierentransplantats (25)

    Herzchirurgie:
    Behandlung von Patienten vor und nach Herz- und/oder Lungentransplantation
    Nachgewiesen eigenverantwortliche Eingriffe:

    • thorakale Transplantation (Herz oder Lunge oder kombiniert Herz-Lunge) (15)
    • Organentnahmen bei postmortaler Organspende (25)

    Thoraxchirurgie:
    Behandlung von Patienten vor und nach Lungentransplantation
    Nachgewiesen eigenverantwortliche Eingriffe:

    • Lungentransplantationen (15)
    • Organentnahmen bei postmortaler Organspende (25)

    Viszeralchirurgie:
    Behandlung von Patienten vor und nach Nieren-, Leber- oder Pankreastransplantation
    Nachgewiesen eigenverantwortliche Eingriffe:

    • Nierentransplantationen incl. Lebendspende (25)
    • oder Lebertransplantationen incl. Lebendspende (30)
    • oder Pankreastransplantationen (15)
    • Organentnahmen bei postmortaler Organspende (25)
    • Leber- und/oder Nierentransplantatbiopsie (je 25)
    • farbkodierte Duplexsonographien (Leber und/oder Niere) (je 25)

    Innere Medizin und Gastroenterologie oder Kinder-Gastroenterologie:
    Behandlung von Patienten vor und nach Lebertransplantation incl. Lebendorganspende

    • Lebertransplantatbiopsien nach Lebertransplantation (25)
    • farbkodierte Duplexsonographien des Lebertransplantats (50)
    • wünschenswert ist der Nachweis von ERCPs nach Lebertransplantation incl. Lebendspende
    • Hospitation bei Lebertransplantationen (5)

    Innere Medizin und Kardiologie und Kinder-Kardiologie:
    Behandlung von Patienten vor und nach Herz- und Herz-Lungentransplantation

    • Farbcodierte Dopplerechokardiographie von Transplantherzen
    • Transösophageale Dopplerechokardiographie von Transplantherzen
    • Immunsuppressives Management nach Transplantation
    • Regelmäßige kardiologisch – herzchirurgische Konferenzen
    • Kardio-MRT
    • Endomyokardbiopsien nach Herztransplantation (25)
    • Linksherzkatheter incl. Koronarangiographie nach Herztransplantation (25)

    Innere Medizin und Nephrologie oder Kinder-Nephrologie:
    Behandlung von Patienten vor und nach Nierentransplantation und Nierenlebendspende

    • Nierentransplantatbiopsien (25)
    • farbkodierte Duplexsonographien des Nierentransplantats (50)
    • Hospitation bei Nierentransplantationen (5)

    Innere Medizin und Pneumologie oder Kinder-Pneumologie:

    Behandlung von Patienten vor und nach Lungen- und Herz-Lungentransplantation

    • Bronchoskopie mit BAL nach Lungentransplantation (25)
    • Lungenfunktionsuntersuchungen nach Lungentransplantation (50)

    Urologie:
    Behandlung von Patienten (Kinder müssen getrennt nachgewiesen werden) vor und nach Nierentransplantationen incl. Lebendspender
    Nachgewiesen eigenverantwortliche Eingriffe:

    • Nierentransplantationen incl. Nierenlebendspende (25)
    • Organentnahme bei postmortaler Organspende (25)
    • Nierentransplantatbiopsie (10)
    • Duplexsonographien des Nierentransplantats (25)


Artikel II In-Kraft-Treten

Diese Satzung tritt am 01.05.2016 in Kraft.

Die vorstehende Satzung hat die Kammerversammlung am 16.04.2016 beschlossen.
Die Aufsichtsbehörde hat mit Schreiben vom 15.06.2016 unter dem Aktenzeichen 24we-41007 die Genehmigung erteilt.
Sie wird hiermit ausgefertigt und im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt bekannt gemacht.

Magdeburg, 17.06.2016

Dr. med. Simone Heinemann-Meerz
Präsidentin