Korrespondierende Autoren: S. Frantz, H. Treede (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Aus der Taskforce Kardiologie und Herzchirurgie: R. Braun-Dullaeus, M. Fadel, S. Frantz, T. Giesler, H. Hausmann,
S. Heinemann-Meerz, G. Hoh, I. Kutschka, J. Mollling, U. Nellessen, A. Schlitt, A. Schmeißer, H. Schmidt, H. Treede, M. Willbring

Durch neue Entwicklungen im Bereich antithrombozytärer und antikoagulatorischer Substanzen und durch Neuentwicklung einer Vielzahl von Implantaten im kardiovaskulären Bereich ist der Einsatz gerinnungshemmender Substanzen komplex und für Außenstehende nahezu unüberschaubar geworden. Mangels Studien in vielen Bereichen der Kardiologie und Herzchirurgie haben sich Standards herausgebildet, die jede Klinik auf der Basis einer gut begründeten Expertenmeinung für sich selbst entwickelt hat. Das macht den Umgang mit solchen Patienten nach Entlassung für die weiterbehandelnden Ärzte z. T. schwierig, ins-besondere wenn sich die Therapieregime substantiell unterscheiden. Wir haben deshalb eine Taskforce gebildet, die hier für Sachsen-Anhalt einheitlich Standards definieren soll.

Die anliegenden Tabellen bieten den Konsensus, der gefunden wurde, beruhend auf den momentan gültigen Leitlinien. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass es sich nicht um ein starres Schema handeln kann. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen vom Standard abgewichen werden muss. So können z. B. auch komplexe Revaskularisierungen in der Herzchirurgie postoperativ mit einer dualen Plättchen-hemmenden Therapie versorgt werden, was in der Tabelle keinen Niederschlag gefunden hat. Auf der anderen Seite bietet dieser Konsensus die Chance, das Management für Sachsen-Anhalt so weit wie möglich zu vereinheitlichen.

Um die Verständlichkeit möglichst einfach zu halten und die Schemen praxisrelevant, wurde bewusst versucht, sich auf wesentliche Situationen zu beschränken und keine ausführliche Kommentierung vorzunehmen mit entsprechendem Verweis auf die aktuelle Literatur.

Es ist der Plan, einen ähnlichen Konsensus für andere klinische Fragestellungen zu finden (z. B. Bridging). 

Vorgehen nach Stentimplantation ohne Indikation zur Vollantikoagulation

Als Standardvorgehen erscheint sinnvoll:

Vorgehen nach Stentimplantation ohne Indikation zur Vollantikoagulation

Ggf. ist eine Verlängerung der dualen Plättchenhemmung mit Ticagrelor 2x60mg beim ACS (akuten Koronarsyndrom) auch über 12 Monate hinaus indiziert. Dabei handelt es sich um eine individuelle Einschätzung der behandelnden Kardiologen, die Koronarstatus und damit das Ischämie- aber auch das Blutungsrisiko des Patienten berücksichtigt.

Vorgehen nach Stentimplantation mit Indikation zur Vollantikoagulation

Die Empfehlungen der European Society of Cardiology (aktueller Stand 2016) sind aus Sicht der Konsensusgruppe exzellent und können auch für Sachsen-Anhalt direkt übernommen werden. Beim Einsatz einer Tripeltherapie sollte auf Prasugrel und Ticagrelor verzichtet werden. Bei Tripeltherapie mit den neuen oralen Antikoagulantien (NOAKs) sollte die reduzierte Dosis eingesetzt, bei Vitamin-K-Antagonisten (VKA) eine INR von 2,0-2,5 angestrebt werden.

Vorgehen nach Stentimplantation mit Indikation zur Vollantikoagulation

OAK: orale Vollantikoagulation


Gerinnungshemmer nach herzchirurgischen Eingriffen/interventionellen Klappenimplantationen

Tabellarisch ist hier das Vorgehen nach herzchirurgischen Eingriffen und interventionellen Klappenimplantation mit und ohne Indikation zur oralen Vollantikoagulation (OAK) dargestellt.

ACB aorto-coronare Bypass-Operation; AKE Aortenklappenersatz; KHK koronare Herzerkrankung; MKE Mitralklappenersatz; MKR Mitralklappenrekonstruktion; OAK orale Voll-Antikoagulation; TAVI transkatheter Aortenklappenimplantation; TEVAR Endovaskulärer Aortenersatz; TKE Trikuspidalklappenersatz; TKR Trikuspidalklappenrekonstruktion; VKA Vitamin K Antagonist

Die Übersichten aus dem Artikel sind über diesen Link als PDF abrufbar.