Etablierter Kommunikationstreffpunkt für Politiker und Ärzte

Die Herz-Kreislaufgesundheit in Sachsen-Anhalt bildete das übergreifende Thema beim parlamentarischen Abend „Grillen bei Doctor Eisenbarth“ der Ärztekammer Sachsen-Anhalt und Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) am 16. August. Mit den Worten „Diese parlamentarische Begegnung steht diesmal ganz im Zeichen aktueller Herausforderungen“, hieß die Kardiologin und Präsidentin der Ärztekammer, Dr. Simone Heinemann-Meerz, Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen zum gemeinsamen Meinungsaustausch willkommen.

Klares Ziel: Verbesserung der Versorgung von Krebskranken

Wichtige Entscheidungen bei der Zusammenführung der klinischen Krebsregistrierung in Sachsen-Anhalt wurden in diesem Jahr getroffen, betonte die Kammerpräsidentin in ihrem Grußwort. Nach einem bedauerlichen Zeitverzug von drei Jahren wurde nun der Ärztekammer die Aufgabe, ein gemeinsames Krebsregister zu etablieren, übertragen. So haben wir nach umfänglichen Vorarbeiten eine Gesellschaft in Form einer gGmbH gegründet und einen Geschäftsführer, Herrn Prof. Dr. Edgar Strauch, eingestellt. Nach der Infrakstrukturanpassung der Krebsregister Halle, Magdeburg und Dessau werden die potentiellen Melder – Ärzte in Klinik und Praxis – einer speziellen Schulung unterzogen. Da unser Bundesland bei der Vollzähligkeit der Krebsmeldungen einen verbesserungswürdigen hinteren Platz einnimmt, müsse auch hier noch viel getan werden. „Register sind kein Selbstzweck, son-dern haben ein klares Ziel: Sie sollen die Versorgung von Krebskranken qualitativ verbessern. Dafür müssen wir unseren Beitrag leisten“, resümierte Dr. Simone Heinemann-Meerz.

Nur durch gemeinsames Handeln erreichen wir etwas

Die zweite Herausforderung, die sich Sachsen-Anhalt stellen muss, ist die flächendeckende ärztliche Versorgung bei der Prävention, der Diagnostik und Therapie sowie der Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn nach wie vor führen diese Erkrankungen die Statistik der häufigsten Todesursachen in unserem Bundesland an. „Die Herzinfarktsterblichkeit in Sachsen-Anhalt ist besorgniserregend“, warnte die Kammerpräsidentin. Nur durch den Schulterschluss mit allen politischen Akteuren sowie den Krankenkassen und anderen Heilberufen könne etwas dagegen getan werden: „Wir möchten allen unseren Partnern dabei Kontinuität in der Zusammenarbeit anbieten“.

Der Vorstandsvorsitzende der KVSA, Dr. Burkhard John, wies in seinem Grußwort auf die Notwendigkeit hin, die finanziellen Mittel aufzustocken, um die ambulante Versorgung in Sachsen-Anhalt weiterhin auf einem stabilen Niveau zu halten. Dabei zog er die Krankenkassen und die Politiker direkt in die Verantwortung.

Neben vielen Bundes- und Landtagsabgeordneten aus den Fraktionen pflegte in diesem Jahr auch der Ministerpräsident, Dr. Reiner Haseloff, den Kontakt mit den Ärztinnen und Ärzten, unter dessen Schirmherrschaft dieser Abend stattfand. Er betonte, dass mehr Bildung, Transparenz und Aufklärung Mittel sind, das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zu steigern. Denn nicht alles sei allein durch die Historie, den Bevölkerungsaufbau und die unterschiedlichen Versorgungsstrukturen zu erklären, sondern eben auch durch die Lebensweisen. Er dankte allen Beteiligten für ihr Engagement und verwies darauf, dass es für alle ein Privileg darstelle, im deutschen Gesundheitswesen versorgt zu werden. Dadurch können wir uns eine Komfortabilität leisten, die kaum woanders existiert. Dieses Niveau muss gehalten werden.

Gemeinsam als Gesamtgesellschaft aktiv werden: Mit Herzblut für Sachsen-Anhalt

In seinem Impulsvortrag stellte Prof. Dr. Axel Schlitt kurz-, mittel- und langfristige Ziele vor, die Herzkreislauferkrankungen in Sachsen-Anhalt reduzieren können. Der Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Diabetologie der Paracelsus Harz-Klinik Bad Suderode in Quedlinburg ist zugleich Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz- und Kreislauferkrankungen e. V.

Auch er äußerte seine Besorgnis über die höchste Herzinfarktsterblichkeit in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Erklären lässt sich diese negative Spitzenplatzierung Sachsen-Anhalts durch gesellschaftliche Überalterung, zu wenige Kardiologen und das erhöhte Vorkommen der Risikofaktoren Zuckerkrankheit sowie Bluthochdruck. Ebenso das Rauchen ist ein weiterer Risikofaktor. Zwar könne man sich über hohe Geburtenzahlen in unserem Bundesland freuen, dennoch rauchen in Sachsen-Anhalt die meisten Frauen in der Schwangerschaft, betonte der Kardiologe Prof. Schlitt.
Er unterstrich dabei den dringenden Handlungsbedarf bei diesem gesamtgesellschaftlichen Phänomen. An die Politik gerichtet, muss eine weitere Finanzierung des regionalen Herzinfarktregisters (RHESA) und potentiellen Folgeprojekten erfolgen, um die dort gewonnenen Erkenntnisse in entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Die Anti-Raucher-Kampagne muss breiter aufgestellt und intensiviert werden.

Doch es müsse noch mehr getan werden. Denn ein gesamtgesellschaftliches Konzept und ein Ort, wo diese zusammengeführt, ausgewertet und weiterentwickelt werden, fehlen bisher.

Prof. Axel Schlitt verwies auf den von Kardiologen und Herzchirurgen aus Sachsen-Anhalt ins Leben gerufene Verein „Herzblut für Sachsen-Anhalt“ und drückte seine Hoffnung aus, viele von diesem Anliegen überzeugen zu können. Denn wir müssen gemeinsam als Gesamtgesellschaft aktiv werden, um das große Problem der kardiovaskulären Erkrankungen zu bekämpfen.

So müsse die Konsensuskonferenz der Kardiologen und Herzchirurgen fortgeführt und die Kommunikation und der Informationsaustausch zwischen Rettungsdienst und Klinik verbessert werden. Ebenso forderte er, die ambulante Behandlung von Akutpatienten bei den niedergelassenen Kardiologen und in den Klinikambulanzen aus dem Budget herauszunehmen. Kinder müssten bereits im Grundschulalter durch nachhaltige Maßnahmen für eine gesunde Lebensführung, wie körperliche Bewegung und gesunde Ernährung, sensibilisiert werden.

Der Verein hat es sich daher klar zum Ziel gesetzt, die Menschen und Institutionen im Land zu Spendenbereitschaft und persönlichem Engagement zu bewegen, um Projekte zu realisieren, die die Ursachen direkt an der Wurzel packen. Dabei erhofft sich Herr Prof. Schlitt tatkräftige Unterstützung und animierte die anwesenden Gäste aus Politik und Ärzteschaft zu weiteren Ideen. Denn im Vordergrund steht die Gesamtverantwortung von Haus- und Fachärzten, Krankenhäusern, Rehakliniken und auch von der Industrie sowie unseren Volksvertretern: Politiker mit einem Herz für Sachsen-Anhalt.