neue Festlegungen für Melder und das Klinische Krebsregister

Krebserkrankungen sind in Deutschland die zweithäufigste Todesursache, für Betroffene werden sie zum tiefen Einschnitt in das Leben, für die Gesellschaft sind sie von massiver ökonomischer Bedeutung. Die Verbesserung der onkologischen Versorgung ist deshalb ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. 2008 wurden im Nationalen Krebsplan Ziele und Maßnahmen zur Optimierung der onkologischen Versorgung in Deutschland festgelegt. Der Ausbau der klinischen Krebsregister, die eine aussagekräftige onkologische Qualitätsberichterstattung und Unterstützung der Behandler sicherstellen, gehört dazu.

Die Verabschiedung des Gesetzes über die Krebsregistrierung im Land Sachsen-Anhalt (Krebsregistergesetz – KRG LSA) am 24.08.2017 schafft den landesrechtlichen Rahmen zur Organisation des Klinischen Krebsregisters Sachsen-Anhalt in einer unabhängigen gemeinnützigen Gesellschaft. Zum 01.01.2018 treten klare Regelungen zu Meldeanlässen und eine Meldepflicht für bösartige Neubildungen einschließlich ihrer Frühstadien für Sachsen-Anhalt in Kraft.

Wer muss melden?
Jeder Arzt und Zahnarzt, im Falle von Krankenhäusern der ärztliche Direktor, unterliegt der Meldepflicht an das Klinische Krebsregister. Pathologen und andere Ärzte ohne direkten Patientenkontakt sind ebenso zur Meldung verpflichtet. Psychologische Psychotherapeuten sind dann zur Meldung verpflichtet, wenn der verbindliche Datensatz und die ihn ergänzenden Module psychotherapeutische Behandlungsdaten vorsehen. Ein Verstoß gegen die Meldepflicht stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die geahndet werden kann.

Was muss gemeldet werden?
Alle bösartigen Neubildungen einschließlich ihrer Frühstadien sowie gutartigen Tumoren des zentralen Nervensystems nach Kapitel II der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD 10) unterliegen der Meldepflicht.
Meldeanlässe sind:
1. Diagnosestellung nach hinreichender klinischer Sicherung,
2. histologische, zytologische oder labortechnische Sicherung der Diagnose,
3. Beginn und der Abschluss einer therapeutischen Maßnahme,
4. jede Änderung im Verlauf einer Tumorerkrankung (z. B. Metastasierung, Rezidive, Nebenwirkungen),
5. Ergebnisse der Nachuntersuchung einschließlich einer jährlichen Meldung für den Fall der Tumorfreiheit und
6. Tod des Patienten

Die zu meldenden Daten beinhalten u. a. die Identitätsdaten des Patienten (Name, Geburtsdatum, Anschrift, Versichertendaten) sowie Informationen zum Melder bzw. zur meldenden Einrichtung. Die Angaben zu Versichertendaten und Melder sind insbesondere zur Abrechnung und Zahlung der Meldevergütung erforderlich.
Hauptteil der Meldung sind die klinischen Daten nach dem ADT-GEKID-Basisdatensatz und seine tumorspezifischen Module, die verschiedenste Informationen zu Tumor, Therapien und Verlauf enthalten. Für die einzelnen Meldeanlässe sind Items vorgegeben, die zum Beispiel aus den im Krebsregister vorgehaltenen Meldebögen zu entnehmen sind.

Eine gesonderte Stellung im Meldungsumfang erhalten die nicht-melanotischen Hautkrebsarten. Hier entfallen die Meldeanlässe zu den Nachuntersuchungen sowie den Todesmeldungen.
Zusätzlich zu den Meldedaten müssen Ärzte ohne direkten Patientenkontakt (z. B. Pathologen) angeben, auf wessen Veranlassung sie tätig wurden (Name und Anschrift der Praxis oder Einrichtung). Durch diese Informationen wird die Behandlung von Tumorpatienten transparenter, das Krebsregister kann die Vollzähligkeit der Informationen zur Krebsversorgung erhöhen und qualitativ hochwertige Auswertungen an die Melder zurückgeben.

Wie und wann soll gemeldet werden?
Das Krebsregistergesetz schreibt zukünftig eine elektronische Datenübermittlung der Meldungen vor. Derzeit erfolgen die Meldungen hauptsächlich papierbasiert, eine schrittweise Umstellung der Datenübermittlung wird vorangetrieben. Um die regionale Nähe zu den Meldern aufrechtzuerhalten, bleiben die Regionalstellen in Magdeburg, Halle und Dessau bestehen. Die Meldung erfolgt wie bisher an die zuständige Regionalstelle. Neu wird durch das Krebsregistergesetz Sachsen-Anhalt eine Meldefrist eingeführt. Die Melder sind ab dem 01.01.2018 dazu verpflichtet, spätestens acht Wochen nach dem Meldeanlass die entsprechenden Daten zu übermitteln.

Was muss vor der Meldung beachtet werden?
Jeder Patient muss vor der Übermittlung seiner Daten über die Meldung und deren Zweck informiert und auf sein Widerspruchsrecht hingewiesen werden. Hierzu wird zeitnah ein Informationsblatt zur Verfügung gestellt. Pathologen und andere Ärzte ohne direkten Patientenkontakt sind von der Informationspflicht für den Patienten entbunden. Sie müssen jedoch den Arzt oder Zahnarzt über ihre Meldung informieren, auf dessen Veranlassung sie tätig wurden.

Wie werden die Meldungen vergütet?
Das Klinische Krebsregister zahlt für jede vollständige und fristgerechte Meldung spätestens nach 6 Monaten eine Meldevergütung. Diese Meldevergütung erstatten die Krankenkassen dem Register, wenn die Anforderungen an die Meldung erfüllt sind. Ausgenommen von der Meldevergütung sind Meldungen zu nicht-melanotischen Hautkrebsarten und ihren Frühstadien.

Die nächsten Schritte
Die wenigen Wochen bis zum 01.01.2018 werden von der Klinischen Krebsregister Sachsen-Anhalt gGmbH nun intensiv genutzt, die erforderlichen Aufbauarbeiten des neuen Registers umzusetzen, die Meldestrukturen anzupassen sowie die Patienten, die Ärzte und die Öffentlichkeit zu informieren.

Prof. Dr. Edgar Strauch
Geschäftsführer
Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt