Am 04.11.2017 fand die 5. Sitzung der Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt statt. Zentrales Thema war der Masterplan Medizinstudium 2020 sowie die Zukunft der ärztlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt. Zu Beginn gratulierte die Präsidentin Herrn Professor Rebmann, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Sachsen-Anhalt und Chefarzt der Klinik für Urologie, Kinderurologie und urologische Onkologie des Diakonissenkrankenhauses Dessau gGmbH. Er wurde am 02.11.2017 durch den Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Frau Dr. Heinemann-Meerz eröffnete die Sitzung, begrüßte den Wirtschaftsminister, alle weiteren Gäste und Kammerversammlungsmitglieder. Sie berichtete über den altersbedingten Nachbesetzungsbedarf bis 2025 bei Fach- und Hausärzten. Ihre Ausführungen wurden mit aktuellen Statistiken unterlegt.

Die Praesidentin begrueßt die Anwesenden
Die Präsidentin begrüßt die Anwesenden

Herr Professor Rothkötter, Dekan und Vorstandsvorsitzender der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gab eine, mit dem Dekan der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg abgestimmte, aktuelle Einschätzung zum Medizinstudium und zur Studienplatzvergabe. Er ging dabei u. a. auf die Auswahl und Studiensituation in Halle und Magdeburg ein und gab zu bedenken, dass der Masterplan Medizinstudium 2020 möglicherweise überschätzt werde. Er wies auf die zahlreichen rechtlichen Anpassungen hin (z. B. Approbationsordnung, Staatsvertrag zur Studienplatzvergabe, Kapazitätsrecht), die damit im Zusammenhang stehen. Der Dekan berichtete weiterhin über eine Beratung beider Fakultäten und dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration zum Thema „Landarztquote“. Ziel sei es hierbei die Erfahrungen der anderen Bundesländer zu nutzen. Bisher wurde die Frage nach der Berufswahlfreiheit noch nicht geklärt.

Der Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung, Professor Armin Willingmann, bezog sich in seinem Statement auf die problematische Landarztquote und wies auf rechtliche Bedenken hin. Die Studienplatzkapazität könne moderat gesteigert werden, dabei müsse man sich jedoch der damit verbundenen erheblichen finanziellen Auswirkungen bewusst sein. Bei der Frage der Erhöhung der Studienzahlen sei für die spätere Versorgung, der Blick auf die Absolventen zu richten. Derzeit sei das Verhältnis von Studienanfängern zu Studienabsolventen in der Medizin sehr gut, auch aufgrund der bestehenden NC-Vorgaben.

Dr. Simone Heinemann-Meerz gratuliert Professor Udo Rebmann
Dr. Simone Heinemann-Meerz gratuliert Professor Udo Rebmann

In der sich anschließenden Diskussion wurde der Hausarzt- als auch Facharztmangel im ambulanten und stationären Bereich thematisiert. Es wurde deutlich, welche zahllosen Faktoren auf die heutige und zukünftige ärztliche Versorgung Einfluss nehmen. Im Ergebnis der ausführlichen Aussprache zu diesem Thema wurde von der Kammerversammlung eine Entschließung zur Zukunft der ärztlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt verfasst.


Entschließung der Kammerversammlung zur Zukunft
der ärztlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt:


Die Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt fordert alle Verantwortlichen auf dafür Sorge zu tragen, dass die ärztliche Versorgung in Stadt und Land zukunftssicher realisiert wird. Sie begrüßt die im „Masterplan Medizinstudium 2020“ vorgesehene Reform des Medizinstudiums.

Professor Hermann-Josef Rothkoetter
Professor Hermann-Josef Rothkötter

Der Masterplan ist ein wichtiger Schritt zu einem modernen Medizinstudium. Er sieht Veränderungen bei der Studienstruktur und den Ausbildungsinhalten vor. Die Lehre wird an der Vermittlung arztbezogener Fähigkeiten ausgerichtet. Dabei muss die Arzt-Patientenkommunikation einen größeren Stellenwert als bisher einnehmen und die Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten weiter gestärkt werden. Das praktische Jahr soll in vier Abschnitte geteilt werden. Dabei wird mindestens einer dieser Abschnitte in der ambulanten Versorgung absolviert.

Um auch in Zukunft eine wohnortnahe haus- und fachärztliche Versorgung sicherzustellen, fordert die Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, zeitnah die Einführung der im Masterplan 2020 vorgeschlagenen Novellierungen ein. Die Universitäten sollten dafür in die Lage versetzt werden, bei der Zulassung zum Medizinstudium Kriterien zu berücksichtigen, die die ärztliche Nachwuchsgewinnung für Sachsen-Anhalt nachhaltig verbessern. Hierzu gehören zwei wesentliche Forderungen:

  1. Die Anzahl der Studienplätze in der Humanmedizin muss angemessen erhöht werden.
  2. Es müssen Zulassungskriterien angewendet werden, die die ärztliche Nachwuchsgewinnung für eine flächendeckende haus- und fachärztliche Versorgung in Sachsen-Anhalt in den Fokus stellen.

 

v. l.: Dr. Walter Kudernatsch und Dr. Karl- Friedrich Wolf
v. l.: Dr. Walter Kudernatsch und Dr. Karl- Friedrich Wolf

In den Auswahlverfahren müssen neben den Schulnoten auch berufsrelevante und soziale Kompetenzen des Studienbewerbers berücksichtigt werden. Im Verlauf des Studiums muss den Studierenden frühzeitig ein intensiver Kontakt zu Gesundheitseinrichtungen im eigenen Bundesland ermöglicht werden.
Wir fordern von der Politik die zügige Umsetzung geeigneter Maßnahmen, um die ärztliche Versorgung der Bevölkerung qualitativ und quantitativ jetzt und in Zukunft zu sichern.

Im Anschluss erfolgte ein Sachstandsbericht zum Aufbau der „Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt GmbH“ durch den Geschäftsführer, Honorarprofessor Dr. med. Edgar Strauch. Er informierte die Kammerversammlungsmitglieder über die aktuelle Situation und erläuterte das Gesetz über die Krebsregistrierung im Land Sachsen-Anhalt und gewährte Ausblicke. So berichtete er über die positive Zusammenarbeit mit den Universitäten Halle und Magdeburg, Mitwirkung in Forschungsprojekten sowie Personalbindung und -entwicklung. Die Anbindung der Kassenärzte, bezüglich der IT-Systeme, soll verbessert werden.
In den nächsten Ausgaben des Ärzteblattes erhalten Sie weiterhin aktuelle Sachstandsinformationen zur „Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt GmbH“.

Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt

Bevor der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses Herr Dr. Kudernatsch die turnusmäßigen Berichte der Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt vornahm, bedankte sich die Präsidentin bei den bisherigen und langjährigen Mitgliedern des Verwaltungsausschusses Herrn Dr. Karl-Friedrich Wolf, Herrn Dr. Kudernatsch und Herrn Wolfgang Brandt. Herr Wolfgang Brandt konnte leider nicht persönlich anwesend sein.

Herr Dr. Wolf bedankte sich für die Anerkennung sowie bei allen ehemaligen und amtierenden Mitgliedern des Verwaltungsausschusses und der Geschäftsführung der Ärzteversorgung für ihr engagiertes Wirken und die gute Zusammenarbeit. Weitere Ergebnisse zum Thema Ärzteversorgung können Sie in Gänze der Beschlussübersicht entnehmen.


Nachberufungen in Ausschüsse und Gremien der VII. Wahlperiode


Es wurden Nachberufungen in den Ausschuss Transplantation und Organspende sowie in den Schlichtungsausschuss der Ärztekammer Sachsen-Anhalt vorgenommen. Die Benennung der Mitglieder entnehmen Sie der Beschlussübersicht.

Finanzangelegenheiten

Nachdem der Finanz- und Beitragsausschuss sowie der Vorstand eine Beitragssenkung ab dem Jahr 2018 vorschlugen, sprach sich die Kammerversammlung dafür aus. Die Veröffentlichung der Betragsordnung und der dazugehörigen Beitragstabelle erfolgt nach aufsichtsbehördlicher Genehmigung.

Die kommende Kammerversammlung wird am 07.04.2018 in Freyburg (Unstrut) stattfinden.

 

Fotos: ÄKSA