Im Rahmen einer ersten Vorstellungs- und Beratungsrunde haben sich die neuen Mitarbeiter aus den Kompetenzzentren Allgemeinmedizin der beiden Medizinischen Fakultäten Halle und Magdeburg mit den etablierten Akteuren aus KOSTA, Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung am 17.11.2017 in den Räumen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt getroffen. Auf der Grundlage der Kooperationsvereinbarung zur koordinierten Weiterbildung Allgemeinmedizin in Sachsen-Anhalt, welche zum 01.01.2017 geschlossen wurde, erfolgt gegenwärtig der Aufbau der Kompetenzzentren Allgemeinmedizin an den beiden Medizinischen Fakultäten Halle und Magdeburg. Inzwischen wurden die entsprechenden Strukturen geschaffen und erste Mitarbeiter eingestellt.

Da die Aufgabenbereiche der KOSTA und der Kompetenzzentren Überschneidungen aufweisen, wurde diese Beratung genutzt, um sich gegenseitig kennenzulernen sowie Informationen über die Arbeit der KOSTA und den hier bisher erreichten Stand der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin sowie über den Stand des Aufbaus der Kompetenzzentren an den beiden Universitäten auszutauschen.

Die Ärztekammer erläuterte zunächst anhand einer Altersstatistik vom Oktober 2017 den Nachbesetzungsbedarf bei Haus- und Fachärzten bis zum Jahr 2025. Hiernach beträgt der, rein am Alter 65 Jahre bemessene Nachbesetzungsbedarf bei den Hausärzten 597, bei den ambulant tätigen Fachärzten 786 und bei den Fachärzten insgesamt 1.350. Derzeit sind 158 Hausärzte 65 Jahre und älter.

Bereits im Jahr 2007 war eine solche Untersuchung mit einem ähnlichen Ergebnis für die Ärztekammer Sachsen-Anhalt Anlass gewesen, eine Koordinierungsstelle für die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin zu initiieren. In der Klausursitzung am 16.11.2007 beschloss der Vorstand zur Entwicklung neuer Konzepte für eine strukturierte Weiterbildung zum Facharzt Innere und Allgemeinmedizin eine Projektgruppe zu bilden.

Durch die Gründung der KOSTA und die Etablierung des Förderprogramms zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin sowie durch die Schaffung der Möglichkeit des Quereinstiegs in die Allgemeinmedizin sind nunmehr bereits erste greifbare Erfolge zu verzeichnen.

Aktuell sind 263 Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung Allgemeinmedizin bei der Ärztekammer Sachsen-Anhalt registriert. Hinzu kommen in Kürze die Absolventen der Klasse Allgemeinmedizin, die ab 2018 eine entsprechende Weiterbildung aufnehmen werden. In den nächsten 5 bis 6 Jahren könnten somit bis zu 280 Mediziner in die hausärztliche Versorgung gehen.

Tab. 1: Altersbedingter Nachbesetzungsbedarf Haus- und Fachärzte

Daraus abgeleitet werden die Prüfungen im Gebiet Allgemeinmedizin bereits ab 2018/2019 merklich ansteigen. Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt rechnet dann mit rd. 50 Prüfungen pro Jahr. Mit dem Erreichen der Zielstellung aus der Kooperationsvereinbarung zur koordinierten Weiterbildung Allgemeinmedizin in Sachsen-Anhalt, zusätzlich 15 bis 20 Fachärzte für Allgemeinmedizin für die hausärztliche Versorgung zu generieren, würde sich die Zahl der Prüfungen ab dem Jahr 2023 auf 65 erhöhen.

Da bekannt ist, dass die Absolventen der Klasse Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät Halle nicht zu 100 % in Sachsen-Anhalt bleiben, sondern einige wahrscheinlich in ihr Bundesland zurückkehren werden, ist es aus Sicht der Ärztekammer Sachsen-Anhalt ein wichtiger Ansatzpunkt für das Kompetenzzentrum Halle, die Studenten aus anderen Bundesländern für eine anschließende

Tätigkeit in Sachsen-Anhalt zu begeistern und z. B. mit den Förderprogrammen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt für eine Niederlassung in Sachsen-Anhalt zu werben.

Ein weiterer Tätigkeitsschwerpunkt der Kompetenzzentren wird die Arbeit in den Regionalverbünden sein. Die KOSTA hat derzeit 12 Regionalverbünde registriert, in welchen 26 Krankenhäuser und 62 Ärzte mitwirken. Diese Verbünde arbeiten mit unterschiedlicher Intensität und müssen ggf. neu aktiviert werden. Aus Sicht der Ärztekammer Sachsen-Anhalt sind zudem nachfolgende Einflussfaktoren bei der langfristigen Bedarfsermittlung zu berücksichtigen:

  • die Abnahme der Bevölkerung um rd. 440.000 bis zum Jahr 2025
  • die steigende Anzahl der Ärztinnen
  • die zunehmende Arbeit in Teilzeit bzw. Jobsharing
  • der Ärztemangel in anderen Fachgebieten, bei gleicher Anzahl von Medizinstudierenden
  • die Wirksamkeit von Maßnahmen, die bereits in der studentischen Ausbildung ansetzen, zeigt sich erst nach ca. 10 Jahren

 

Eine Weiterbildung über den Bedarf hinaus ist zu vermeiden, um den jungen Medizinern, die sich jetzt für die Allgemeinmedizin entscheiden, eine Zukunftsperspektive zu garantieren, sodass jährlich eine erneute Evaluation und Hochrechnung des Bedarfs erfolgen muss. Parallel muss fortlaufend geprüft werden, ob und inwieweit die vielfältigen Maßnahmen zur Förderung der Allgemeinmedizin

negative Auswirkungen auf die fachärztliche Versorgung (ambulant und stationär) haben werden. Auch wenn gegenwärtig die fachärztliche ambulante Versorgung nur in einigen Gebieten problematisch ist, zeichnen sich mit einem Blick auf die Gesamtzahl der Fachärzte durchaus auch hier bereits größere Probleme ab, die im Auge zu behalten sind.

Deshalb sollten sich die Kompetenzzentren vor allem auf die Medizinstudierenden und Absolventen konzentrieren, da hier derzeit eine Abwanderung von ca. 30-35 % zu verzeichnen ist. Bei gleicher Absolventenzahl kann ein wirklicher Zuwachs für Sachsen-Anhalt nur aus diesem Delta gewonnen werden. Inwieweit das Land der bundesweiten Forderung, mehr Medizinstudierende zuzulassen, folgen kann und wird, ist derzeit nicht einschätzbar. Die gemeinsame Zukunftsaufgabe besteht in der Schaffung einer Kontinuität bei der Gewinnung von Medizinern für das Gebiet Allgemeinmedizin zur dauerhaften Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung, orientiert an der Entwicklung der Altersstruktur und der Bedarfszahlen. Hierzu sind eine regelmäßige und enge Abstimmung zum Stand in den Kompetenzzentren und der KOSTA, die kontinuierliche Prüfung der Bedarfslücken, sowohl bei den Hausärzten als auch bei den Fachärzten, und die regelmäßige Abstimmung der weiteren Maßnahmen erforderlich.