Gäste aus Politik und Ärzteschaft beim Neujahrsempfang

Sicherung der heilberuflichen Versorgung im Land ist notwendig

Die Heilberufler luden am 10. Januar 2018 zum alljährlichen Neujahrsempfang ein, der in diesem Jahr durch die Zahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt ausgerichtet wurde.

Pressegespräch

Die steigende Behandlungsbedürftigkeit der Bevölkerung durch den demografischen Wandel und die damit zunehmende Arbeitsbelastung für die Heilberufe hoben diese in ihrem traditionell vorgelagerten Pressegespräch hervor. Auch die stetig wachsende Bürokratie, schleppende gesundheitspolitische Reformen und zunehmende Probleme bei der Nachwuchsgewinnung wurden von den Heilberufskammern kritisch angemerkt.

Nachfrage nach Haus- und Fachärzten steigt gleichermaßen

Dr. Simone Heinemann-Meerz während des Pressegesprächs

„Die Altersstruktur der heute tätigen Ärzte zeigt uns den arztgruppenübergreifenden Nachbesetzungsbedarf von Fach- und Hausärzten“ erläuterte eingangs die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz. Denn bereits heute sind fast 160 der berufstätigen Hausärzte in Sachsen-Anhalt mindestens 65 Jahre alt – mit deutlich steigender Tendenz bis 2025. Die Koordinierungsstelle für die Weiterbildung zum Facharzt Allgemeinmedizin (KOSTA), die „Klasse Allgemeinmedizin“ in Halle (Saale) oder die Möglichkeit des Quereinstiegs in die Allgemeinmedizin sind erfolgreiche Maßnahmen, um dem zunehmenden Nachbesetzungsbedarf entgegenzuwirken.

Im Hinblick auf die zukünftige fachärztliche Versorgung betonte sie weiter: „Neben den Bemühungen um die Zukunft der hausärztlichen Versorgung dürfen wir den heutigen und insbesondere zukünftigen Bedarf an fachärztlichen Kollegen nicht aus dem Blick verlieren.“ Die Zahl von 235 Fachärzten, die 65 Jahre oder älter sind, und deren Steigerung auf 1.350 Fachärzte bis in das Jahr 2025 verdeutlicht den Nachbesetzungsbedarf. Die gemeinsamen Anstrengungen für eine verlässliche ärztliche Versorgung müssen daher fachübergreifend erfolgen.


Überprüfungen ausländischer Abschlüsse problematisch

Das Problem der mangelnden Haus- und Fachärzte kann nicht grundlegend durch ausländische Ärzte gelöst werden. Durch die Deutschfachsprachenprüfung leistet die Ärztekammer seit 2015 einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in der ärztlichen Praxis und für mehr Patientensicherheit. Dennoch ist die Überprüfbarkeit der unterschiedlichen ausländischen Ausbildungsnachweise bedenklich, so Frau Dr. Heinemann-Meerz. Sie forderte daher, dass Mediziner aus dem Nicht-EU-Ausland zukünftig das deutsche Staatsexamen ablegen, wenn sie in Deutschland arbeiten wollen. Die Kammerpräsidentin schloss sich damit der Forderung ihrer niedersächsischen Amtskollegin, Dr. Martina Wenker, an.


Rahmenbedingungen schaffen und Nachwuchsmangel kompensieren

Auch die anderen Vertreter der Heilberufe informierten die anwesenden Journalisten über die aktuellen Probleme ihres Berufsstandes.

So forderte die Zahnärzteschaft u. a., die neue Approbationsordnung für Zahnärzte ohne Abstriche umzusetzen und durch Investitionen in die Infrastruktur die Rahmenbedingungen für eine sichere Versorgung zu schaffen. Zudem wurde vor Nachwuchsmangel auf dem Land und vor Belastungen für Praxen und Patienten gewarnt, die aus der Einführung der Telematikinfrastruktur resultieren.

Um zukünftig ärztlichen Nachwuchs für die Nachbesetzung von Landarztpraxen zu gewinnen, ist die rasche Umsetzung des Masterplans 2020 notwendig, betonte die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt.

Ebenso erwarten die Apotheker von der Landespolitik Unterstützung, wenn es um die Sicherung und Zukunftsfähigkeit des bewährten Systems der wohnortnahen Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken und die persönliche Beratung durch den Apotheker geht. Eine solide wirtschaftliche Basis und Planungssicherheit werden dafür benötigt.

Aufmerksame Zuhörer beim Neujahrsempfang


Neujahrsempfang

Verbesserung der Zahngesundheit

Die Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne, nutzte ihre Grußrede an die Heilberufe, um der Zahnärzteschaft für die Verbesserung der Zahngesundheit in Sachsen-Anhalt zu danken. Durch viele Maßnahmen und Projekte wurde dies forciert und reiht sich somit in die Gesundheitsziele des Landes ein.

In ihren weiteren Ausführungen ging sie auf die Bürgerversicherung ein, die eine zentrale Forderung der SPD auf Bundesebene in den Sondierungsgesprächen mit der CDU ist. Dadurch würde ein einheitliches Honorarsystem geschaffen und eine gerechtere Verteilung der Beitragsgelder erreicht werden. Die Ministerin bat in diesem Zusammenhang um eine unaufgeregte Diskussion.

Ein besonderes Anliegen für sie war die Herzwoche Sachsen-Anhalt, die gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung im Juni dieses Jahres und für mehrere Jahre zu diversen Themen geplant ist. Diese sollen auf die Herz-Kreislauferkrankungen aufmerksam machen, um diese zu minimieren. Sie animierte die Anwesenden, sich daran zu beteiligen und dieses Projekt zu unterstützen.


Kontra Bürgerversicherung

Dr. Carsten Hünecke, Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, warnte in seinem anschließenden Grußwort vor der Einführung einer Bürgerversicherung, durch die die vermeintliche Zweiklassenmedizin reduziert werden soll. Eine solide Finanzierung des Gesundheitssystems könne dadurch nicht erreicht werden. Er verwies auf die Studie Healthcare Barometer 2017, demnach die Deutschen mit ihrem Gesundheitssystem äußerst zufrieden sind. Dies spreche für den Erhalt des bestehenden Systems. Daher appellierte der Kammerpräsident an die Politik, von der Bürgerversicherung Abstand zu nehmen.

Für den zahnärztlichen Nachwuchs sprach Zahnarzt Daniel Müller – Absolvent der Zahnklinik in Halle (Saale) – und warnte in seinem Grußwort vor Standortdebatten, die 2013 im Zusammenhang mit der Aktion „Zahn um Zahn“ für den Erhalt der Zahnklinik geführt wurden. Frau Dr. Heinemann-Meerz war damals Mitinitiatorin dieser erfolgreichen Aktion.


Pressemeldung vom 10. Januar 2018:
Statement der Ärztekammer Sachsen-Anhalt zum Neujahrsempfang der Heilberufe: Bedarf an Fach- und Hausärzten wächst gleichermaßen

Gerade in Sachsen-Anhalt wächst aufgrund der demografischen Entwicklung der Bedarf an ärztlicher Versorgung. Mit der Gesellschaft altert auch der Arzt. „Die Altersstruktur der heute tätigen Ärzte zeigt uns den arztgruppenübergreifenden Nachbesetzungsbedarf von Fach- und Hausärzten“, erklärt Dr. Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Bereits heute sind fast 160 der berufstätigen Hausärzte in Sachsen-Anhalt mindestens 65 Jahre. Um dem steigenden Nachbesetzungsbedarf entgegenzuwirken wurden bereits verschiedene Maßnahmen erfolgreich ins Leben gerufen. So kann die Koordinierungsstelle für die Weiterbildung zum Facharzt Allgemeinmedizin (KOSTA) in diesem Jahr bereits auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken. In Halle werden seit 2011 Studierende in der „Klasse Allgemeinmedizin“ bereits ab dem ersten vorklinischen Semester auf die Tätigkeit als Hausarzt vorbereitet.

Ein weiteres Beispiel ist die Möglichkeit des Quereinstiegs in die Allgemeinmedizin. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein um zukünftig mehr Ärzte für den Beruf des Hausarztes zu gewinnen. Wenn, wie im vergangenen Jahr, 11 der 37 Facharztprüfungen für Allgemeinmedizin aus diesem Projekt hervorgehen, bedeutet dies auch, dass diese Ärzte dann nicht mehr in ihrem vorherigen Fachgebiet tätig sind.

„Alle Maßnahmen, insbesondere diejenigen, welche Ressourcen binden, müssen künftig evaluiert werden, um den Einsatz von begrenzten Mitteln auch zielgenau zu realisieren“, so die Kammerpräsidentin. Im Hinblick auf die zukünftige fachärztliche Versorgung betont sie weiter: „Neben den Bemühungen um die Zukunft der hausärztlichen Versorgung, dürfen wir den heutigen und insbesondere zukünftigen Bedarf an fachärztlichen Kollegen nicht aus den Blick verlieren“.

Auch die heutige Altersstruktur der ambulant und stationär tätigen Fachärzte macht einen zunehmenden Nachbesetzungsbedarf deutlich. In Sachsen-Anhalt sind derzeit 235 Fachärzte tätig, die 65 Jahre oder älter sind. Bis ins Jahr 2025 wird diese Zahl auf 1.350 Fachärzte anwachsen, die der Hausärzte zudem auf fast 600.

„Im Land muss das Bewusstsein reifen, dass neben der hausärztlichen, auch die fachärztliche Versorgung immens wichtig ist und unsere Anstrengungen für eine verlässliche ärztliche Versorgung daher fachübergreifend erfolgen müssen“, resümiert Dr. Heinemann-Meerz.

 

Pressemeldung vom 10. Januar 2018:
Gemeinsame Erklärung zum Neujahrsempfang der Heilberufler Sachsen-Anhalts:
Heilberufliche Versorgung in Sachsen-Anhalt sichern www.t1p.de/pm-heilberufler

 

Foto: ÄKSA