Referat „Ausbildung zur/zum Medizinischen Fachangestellten“ informiert

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Medizinische/r Fachangestellte/r (MFA) – ein passender Name für einen Beruf, der fundiertes medizinisches Fachwissen, organisatorisches Talent, Teamfähigkeit und einen feinfühligen Umgang mit Menschen erfordert, der Raum für eigene Ideen lässt und das Zeug hat, mehr als ein Job zu werden. Die Ausbildung zur/zum MFA dauert drei Jahre und erfolgt im dualen System. Das bedeutet, die theoretische Ausbildung übernimmt eine Berufsbildende Schule und die praktische Ausbildung findet in Arztpraxen oder anderen medizinischen Einrichtungen statt. Die Eignung der ausbildenden Ärztin/des ausbildenden Arztes ist erfüllt durch die Approbation. Die Eignung der Ausbildungsstätte (Praxis) ergibt sich aus dem angemessenen Verhältnis zwischen der Anzahl der Fachkräfte und der/dem Auszubildenden entsprechend den Festlegungen des Berufsbildungsausschusses der Ärztekammer.

  • 1 Arzt – 1 Fachkraft: bis zu 2 Auszubildende/Umschüler insgesamt
  • 1 Arzt – 2 Fachkräfte: bis zu 3 Auszubildende/Umschüler insgesamt
  • 1 Arzt – 3 Fachkräfte: bis zu 4 Auszubildende/Umschüler insgesamt usw.


Als Fachkräfte sind definiert:

  • examinierte Krankenschwester    
  • Kinderkrankenschwester
  • Sprechstundenschwester
  • Arzthelferin/Medizinische Fachangestellte    

Ist keine Fachkraft in der Arztpraxis beschäftigt, kann keine Ausbildung erfolgen.

Die Ausbildung für Umschüler dauert zwei Jahre und erfolgt auch im dualen System. Die theoretische Ausbildung absolvieren Einzelumschüler in einer Berufsbildenden Schule, Lehrgangsumschüler bei einem Bildungsträger. Die praktische Ausbildung findet auch in Arztpraxen oder anderen medizinischen Einrichtungen statt.

Nach § 7, Absatz 1 des Berufsbildungsgesetzes haben Abiturienten und in bestimmten Berufen ausgebildete Bewerberinnen/Bewerber die Möglichkeit, den Ausbildungsvertrag bei Vertragsabschluss um sechs Monate zu verkürzen. Die Vorlage des Abiturzeugnisses bzw. des Berufsabschlusszeugnisses ist notwendig. Ein entsprechender Antrag ist bei der Ärztekammer zu stellen.

Zulassung in besonderen Fällen
Nach § 45, Absatz 1 des Berufsbildungsgesetzes besteht die Möglichkeit, den Ausbildungsvertrag über drei Jahre abzuschließen und dann – nach der Zwischenprüfung – einen Antrag auf Zulassung zur vorzeitigen Abschlussprüfung zu stellen, wenn die dazu erforderlichen Voraussetzungen vorhanden sind.

Nachstehende Kriterien müssen erfüllt sein:

  1. Bei überdurchschnittlichen Leistungen kann die Abschlussprüfung bis zu sechs Monate vor Ausbildungsende absolviert werden.
  2. Der Notendurchschnitt aller Berufsschulzeugnisse darf nicht schlechter als 2,0 sein, wobei keine Einzelnote in den berufsbezogenen Lernbereichen schlechter als 2,4 sein darf.
  3. Die Leistungsbewertung des Arztes soll die Note „Gut“ ergeben.
  4. Der Ausbildungsnachweis muss einen überdurchschnittlichen Ausbildungsstand dokumentieren und wahrscheinlich machen, dass alle Fertigkeiten und Kenntnisse des Ausbildungsrahmenplanes bis zum Prüfungstermin vermittelt worden sind und eine erfolgreiche Prüfungsteilnahme möglich erscheint.
  5. Die Teilnahme an der erforderlichen Zwischenprüfung muss erfolgt sein.
  6. Die Erste-Hilfe-Ausbildung (9 Unterrichtseinheiten) muss absolviert sein.


Mitarbeiter aus Arztpraxen, die mindestens 4 ½ Jahre die Tätigkeiten einer Arzthelferin/Medizinischen Fachangestellten ausgeübt haben, jedoch keinen Abschluss als Arzthelferin oder Medizinische Fachangestellte nachweisen können, sind auch zur Abschlussprüfung zuzulassen (siehe § 45, Absatz 2 des Berufsbildungsgesetzes).

Ausbildungsunterlagen
Ärztinnen und Ärzte, die sich zur Ausbildung einer/eines Medizinischen Fachangestellten entschlossen haben, erhalten auf Nachfrage von der Ärztekammer die entsprechenden Unterlagen:

  • Informationsbroschüre für ausbildende Ärzte
  • Checkliste für die Einstellung von Auszubildenden
  • Antrag auf Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse
  • Berufsausbildungsvertrag für Medizinische Fachange­stellte
  • Betrieblicher Ausbildungsplan
  • Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zur/zum Medizinischen Fachangestellten – zeitliche und sachliche Gliederung
  • Vertrag über die überbetriebliche Ausbildung einer Auszubildenden für den Beruf der/des Medizinischen Fachangestellten
  • Auszug aus dem Berufsbildungsgesetz
  • Belehrung der Mitarbeiter über die Schweigepflicht in der Arztpraxis
  • Anmeldung zur Berufsschule (Vordruck)
  • Übersicht ausbildender Schulen für die Primärausbildung „Medizinische Fachangestellte/Medizinischer Fachangestellter“ in Sachsen-Anhalt.


Die Ärztekammer ist die zuständige Stelle für die Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten und nimmt u. a. Informations-, Beratungs-, Aufsichts- und Prüfungsfunktionen wahr.

Überbetriebliche Ausbildung
Alle Auszubildenden und Umschüler müssen während der Ausbildungs-/Umschulungszeit ein zweimonatiges Praktikum in einer medizinischen Einrichtung einer anderen Fachrichtung absolvieren. Ziel ist es, die praktische Ausbildung zu optimieren.

Dieser Beschluss zur überbetrieblichen Ausbildung wurde in der Sitzung des Berufsbildungsausschusses der Ärztekammer Sachsen-Anhalt am 20.09.2017 gefasst und gilt ab dem Ausbildungs- bzw. Umschulungsjahr 2018. Der bisherige Beschluss vom 05.09.2007 wurde dahingehend aufgehoben.

Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung gliedert sich in einen schriftlichen und einen praktischen Teil und findet aktuell zu folgenden Terminen statt:

  • Schriftliche Prüfung   05.05.2018
  • Praktische Prüfung    12.06.2018 – 25.06.2018.

Am Tag der schriftlichen Prüfung erhält jeder Prüfling den Termin seiner praktischen Prüfung.

Am letzten Prüfungstag erhalten die Auszubildenden vom Prüfungsausschuss eine Bestätigung über das Bestehen (oder Nichtbestehen) der Prüfung.

Das Ausbildungsverhältnis endet mit dem Tag der Bekanntgabe des Ergebnisses durch den Prüfungsausschuss. Bei Übernahme der/des Medizinischen Fachangestellten muss der Arbeitsvertrag zum Tag nach der Prüfung geschlossen werden.

Wird die/der Medizinische Fachangestellte nicht in ein Beschäftigungsverhältnis übernommen, endet die Ausbildung und somit die Beschäftigung in der Ausbildungspraxis am Prüfungstag. Das im Berufsausbildungsvertrag vereinbarte Datum der Beendigung der Ausbildung hat nur noch Bedeutung für den Fall, dass die Abschlussprüfung nicht bestanden wurde oder keine Anmeldung bzw. keine Teilnahme an der Abschlussprüfung erfolgte.

 

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