Seit dem 01.01.2018 arbeitet das Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt nach den gleichzeitig in Kraft getretenen Festlegungen des Krebsregistergesetzes Sachsen-Anhalt (KRG LSA). Spezifische untergesetzliche Regularien zu Meldeanlässen, -inhalten, -formaten und Übermittlungsverfahren fehlten bisher. Die neue Meldeverordnung, die das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration in enger Zusammenarbeit mit dem Klinischen Krebsregister Sachsen-Anhalt erarbeitet hat, schafft nun Klarheit. Zusätzlich gibt es positive Neuerungen für Dermatologen.

Zuordnung der Meldeanlässe

Eine Verpflichtung zur Meldung an das KKR LSA entsteht mit dem Auftreten sogenannter Meldeanlässe. Gemäß § 8 des KRG LSA wird zwischen sechs Meldeanlässen unterschieden:

  1. die Stellung der Diagnose nach hinreichender klinischer Sicherung,
  2. die histologische, zytologische oder labortechnische Sicherung der Diagnose,
  3. der Beginn und der Abschluss einer therapeutischen Maßnahme,
  4. jede Änderung im Status einer Tumorerkrankung, z. B. das Auftreten von Rezidiven, Metastasen, das Voranschreiten der Tumorerkrankung, teilweise oder vollständige Tumorremission und erhebliche Nebenwirkungen der Therapie,
  5. das Ergebnis von Nachsorgeuntersuchungen einschließlich einer jährlichen Meldung für den Fall der Tumorfreiheit und
  6. der Tod des Patienten.

 

Die Meldeverordnung regelt die spezifisch meldepflichtigen Informationen zu jedem Anlass. So sollen beispielsweise zum Meldeanlass „Diagnose nach hinreichender klinischer Sicherung“ keine Verdachtsdiagnosen gemeldet werden, zum Meldeanlass „Therapeutische Maßnahme“ gehören auch Operationen mit palliativer Intention oder lokal ablative Verfahren (z. B. Radiofrequenzablation (RFA), irreversible Elektroporation (IRE), selektive interne Radiotherapie (SIRT)) und auch abwartende Therapie- bzw. Kontrollkonzepte (watchful waiting).

Meldepflichtige Daten

Zusätzlich zu den zur Meldung verpflichtenden Anlässen legt die Verordnung auch die Kriterien für eine vollständige Meldung fest.

In diesem Zusammenhang werden nicht nur einzelne Items festgesetzt (z. B. Datum der Tumordiagnose, ICD Code, Seitenlokalisation), sondern auch die Zuordnung der erforderlichen Daten-Gruppen gemäß ADT-GEKID-Basisdatensatz zu den Meldeanlässen vorgenommen. So soll z. B. bei Meldung „Diagnose nach hinreichender klinischer Sicherung“ die Variablen der Gruppe „Diagnose“ sowie in Abhängigkeit von der ICD die Variablen der Gruppe „TNM-Klassifikation“ oder der Gruppe „Weitere Klassifikationen“ übermittelt werden.

Zu beachten ist an dieser Stelle, dass einzelne Daten-Gruppen des ADT-GEKID-Basisdatensatzes auch zu mehren Arten von Meldungen gehören können. Die Gruppe „Tumorkonferenz“ muss beispielsweise, wenn durchgeführt, bei jeder Therapiemeldung übermittelt werden. Die Beratungsergebnisse der Konferenz sollen im Feld „Anmerkungen“ als Freitext übermittelt werden.

Die Verordnung nimmt nicht nur Bezug auf klinische Daten, sondern regelt auch die Meldung und Form sogenannter meldungsbezogener Daten oder Daten zur Aufklärung über den Widerspruch. Es muss dem Register mitgeteilt werden, dass der Patient umfassend über die Meldung informiert wurde bzw. die Information aus gesundheitlichen Gründen nicht erfolgte – die Meldung eines Widerspruchs ist in Sachsen-Anhalt nicht vorgesehen (Empfehlung: Patienteninformation steht zur Verfügung unter www.kkr-lsa.de/melder/anleitungen-dokumente/).

Es wird bei strukturierter elektronischer Meldung an das Register empfohlen, die Konformität der übermittelten Daten mit den Festlegungen der Meldeverordnung zu überprüfen, um fehlerhafte Übermittlungen zu vermeiden sowie die Vollständigkeit der Meldungen zu gewährleisten.

Verfahren und Format der Datenmeldung und -übermittlung

Grundsätzlich soll die Meldung an das Klinische Krebsregister in einem strukturierten elektronischen Format (gültiges ADT-GEKID-XML-Schema) erfolgen.

Das dazu erforderliche elektronische Versand- und Verschlüsselungsverfahren bedarf der Abstimmung mit dem Register. Da diese Form der Datenübermittlung nicht für alle Melder praktikabel und zeitnah umsetzbar ist, räumt die Meldeverordnung weitere Meldewege ein.

Für Melder mit geringem Meldeaufkommen stellen die auf der Internetseite des KKR veröffentlichten Meldebögen eine Alternative zur strukturierten elektronischen Meldung dar. Diese Meldebögen können digitalisiert oder an die zuständige Regionalstelle des Krebsregisters gesandt werden.

In der Übergangsphase nach § 65 Abs. 5 SGB V ist es weiterhin möglich, ärztliche Befundberichte als Meldung an das Klinische Krebsregister zu übermitteln. Die Übersendung kann, wie bei den Meldebögen, postalisch und elektronisch erfolgen.

Meldung und Meldevergütungen bei nicht-melanotischen Hautkrebsarten einschließlich ihrer Frühstadien

Das Krebsfrüherkennung- und -registergesetz vom April 2013 schließt Vergütungen für nicht-melanotische Hautkrebsarten und ihre Frühstadien nicht mit ein. Trotzdem sind diese Diagnosen meldepflichtig. Anlass zur Meldung sind die Diagnose und Beginn/Ende einer therapeutischen Maßnahme. Die Meldung histologischer Befunde erfolgt also nur im Rahmen der Diagnose und nicht gesondert durch Ärzte ohne direkten Patientenkontakt. Zur Meldung wird ein entsprechender Meldebogen bereitgestellt. Außerdem schafft Sachsen-Anhalt eine landesspezifische Meldevergütung für diese Tumore. Einmalig werden 5,50 EUR für eine vollständig erfüllte Meldung gezahlt. Bei multiplen Basaliomen wird nur die Meldung des ersten Tumors vergütet.

Kontakt:
Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt gGmbH
Doctor-Eisenbart-Ring 2, 39120 Magdeburg
Geschäftsführer: Prof. Dr. Edgar Strauch
Tel.: 0391 60745340, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Pressekontakt: Susanne Seidler, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!