Referat „Ausbildung zur/zum Medizinischen Fachangestellten“ informiert

Zur feierlichen Zeugnisübergabe wurden die Absolventen am 11. Juli 2018 im Haus der Heilberufe erwartet, um dort ihren Status als Auszubildende abzulegen. Sie beginnen einen neuen Lebensabschnitt und wollen im Berufsleben als Medizinische Fachangestellte (MFA) durchstarten.

„Wir sind stolz, dass auch in diesem Jahr wieder 57 junge Menschen erfolgreich ihre Abschlussprüfung zur/zum Medizinischen Fachangestellten vor der Ärztekammer Sachsen-Anhalt abgelegt haben“, erklärt Dr. Rüdiger Schöning, ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Sachsen-Anhalt.

Dr. Rüdiger Schöning, ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, spricht zu den Absolventen und Gästen der Freisprechung

Nach einer festlichen Feierstunde starten sie als unverzichtbare Assistenten der Ärzte in ihr Berufsleben. Wie sehr sie landesweit von den niedergelassenen Arztpraxen benötigt werden, zeigt die hohe Quote der bereits abgeschlossenen Arbeitsverträge. Immerhin 79 % (47 MFA) sind von ihren Ausbildungspraxen als Mitarbeiter übernommen worden oder beginnen ihre Arbeit bei einem anderen Arbeitgeber. In 13 Prozent der Fälle (8 MFA) ist noch kein Arbeitsvertrag zustandegekommen.

„Aber aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir, dass die Absolventen nicht lange auf eine Anstellung warten müssen. Der Bedarf in den Praxen nach gut ausgebildeten Fachleuten ist nach wie vor sehr hoch. Damit sind die Berufsperspektiven in diesem Ausbildungsberuf sehr gut“, so Dr. Rüdiger Schöning.

Zur feierlichen Freisprechung erhielten die Absolventen ihr Prüfungszeugnis und den Brief Medizinische(r) Fach-angestellte(r).

Die besten Absolventen des Jahrgangs sind (von links nach rechts gesehen): Maria Pauland (Gesamtnote: 1,75/Berufsbildende Schule 5 in Halle), Sandra Keil (Gesamtnote: 1,75/Anhaltisches Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“ in Dessau-Roßlau), Ann-Kathrin Hilker (Gesamtnote: 1,75/Berufsbildende Schulen Geschwister Scholl in Halberstadt), Marika Meißner (Gesamtnote: 1,25/Anhaltisches Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“ in Dessau-Roßlau)

Die Ärztekammer ist für die dreijährige Ausbildung zuständig. Der Ausbildungsanspruch ist sehr komplex, da die Medizinischen Fachangestellten die zentrale Schnittstelle zwischen Arzt und Patient bilden.

Für einen erfolgreichen Abschluss bietet die Ärztekammer in der prüfungsfreien Zeit ausbildungsbegleitende praktische Übungen im Bereich EKG, Injektionen/Infusionen, Laboruntersuchungen, Verbände und Notfälle in der Arztpraxis an. „Allein in 2017 haben wir in 93 ausbildungsbegleitenden praktischen Übungen insgesamt 772 Teilnehmer für die zukünftige Tätigkeit und die anstehenden Prüfungen fit gemacht“, erklärt der ärztliche Geschäftsführer der Ärztekammer Sachsen-Anhalt.

Die Abschlussprüfung Sommer 2018 fand zu folgenden Terminen statt:

  • Schriftliche Abschlussprüfung: 05.05.2018
  • Praktische Abschlussprüfung: 12.06.2018 – 25.06.2018
Romy Stötzel trägt das Feierliche Versprechen der Medizinischen Fachangestellten vor

 

Ergebnisse der Abschlussprüfung

Für die schriftlichen Prüfungsfächer

  • Behandlungsassistenz
  • Betriebsorganisation und -verwaltung
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

und für die praktische Prüfung wird jeweils eine Note vergeben. Eine Gesamtnote wird nicht erteilt.

Erläuterung
BA = Behandlungsassistenz      WISO = Wirtschafts- und Sozialkunde
BOV = Betriebsorganisation und -verwaltung      PP = Praktische Prüfung

Themenschwerpunkte der schriftlichen und praktischen Abschlussprüfung laut Prüfungsordnung für die Durchführung von Abschlussprüfungen im Ausbildungsberuf „Medizinischer Fachangestellter/Medizinische Fachangestellte“ und laut den vorgeschriebenen Ausbildungsinhalten der Ausbildungsordnung (MFA)

Schriftlicher Teil:

Behandlungsassistenz
(Zeitumfang: 120 Minuten mit 60 Aufgaben)

  • Qualitätssicherung
  • Zeitmanagement
  • Schutz vor Infektionskrankheiten
  • Arzneimittel, Sera, Impfstoffe, Heil- und Hilfsmittel
  • Patientenbetreuung und -beratung
  • Grundlagen der Prävention und Rehabilitation
  • Laborarbeiten
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Dokumentation
  • Handeln bei Notfällen
  • Abrechnung erbrachter Leistungen

 

Betriebsorganisation und -verwaltung
(Zeitumfang: 120 Minuten mit 60 Aufgaben)

  • Gesetzliche und vertragliche Bestimmungen der medizinischen Versorgung
  • Arbeiten im Team
  • Verwaltungsarbeiten
  • Dokumentation
  • Marketing
  • Zeitmanagement
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Organisation der Leistungsabrechnung
  • Materialbeschaffung und -verwaltung

 

Wirtschafts- und Sozialkunde
(Zeitumfang: 60 Minuten mit 35 Aufgaben)

  • Der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben aus der Berufs- und Arbeitswelt bearbeiten und dabei zeigen, dass er allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge darstellen kann.
  • Allgemeines Recht
  • Gerichtsbarkeit
  • Arbeitsrecht
  • Unternehmen im Gesundheitswesen

 

Praktischer Teil:

  • Bearbeitung einer komplexen Prüfungsaufgabe (55 Min.), danach erfolgt ein 15-minütiges Fachgespräch

 

  • Praxisbezogene Arbeitsabläufe simulieren, demonstrieren, dokumentieren und präsentieren

 

  • Die Aufgaben des praktischen Teils der Abschlussprüfung werden aus diesen Bausteinen zusammengesetzt (Ausbildungsinhalte laut Ausbildungsordnung):
    - Desinfektion/Hygiene am Arbeitsplatz
    - Hygienische Händedesinfektion
    - Blutdruckmessung
    - Pulsmessung
    - Ruhe-EKG mit mindestens 12 Ableitungen
    - Spirometrie/Peak Flow erklären
    - Vorbereiten einer Blutentnahme/Blutentnahme bis zum Versand durchführen
    - Kapillarblutentnahme
    - Blutzuckermessung (mit Teststreifen)
    - Urinuntersuchung mittels Teststreifen/Urinkultur
    - Rektale Untersuchung vorbereiten (einschließlich Abstrich- und Stuhlprobeentnahme)
    - Gesundheitsuntersuchungen/Krebsfrüherkennung
    - Infusion (auch mit Medikamentengabe) vorbereiten
    - s.c. Injektion (vorbereiten und durchführen)
    - i.m. Injektion (vorbereiten und durchführen)
    - i.v. Injektion (vorbereiten)
    - Impfungen vorbereiten
    - Verabreichen einer sublingualen Applikation
    - Postexpositionsprophylaxe
    - Notfallsituationsgerechte Kommunikation
    - Patientenlagerung bei bestimmten Erkrankungen (z. B. Autotransfusion, stabile Seitenlage, Kutschersitz,...)
    - Herzdruckmassage
    - Desinfektion einer Wunde
    - Wundabstrich/Wundspülung
    - Wundversorgung vorbereiten
    - Wundverband/Salbenverband anlegen
    - Stützverband/Pütterverband anlegen
    - Nekrosen abtragen (Vorbereitung)
    - Ulcus cruris versorgen (Instrumententisch vorbereiten)
    - Fäden ziehen (vorbereiten und durchführen)
    - Herstellen einer Desinfektionslösung
    - Abrechnung (EBM/GOÄ)
    - Dokumentation/Verwaltung

 

Ehrung der Lehrkräfte der Berufsbildenden Schulen bzw. Bildungsträger und Ehrung der Mitglieder der Prüfungsausschüsse (Foto: ÄKSA)

15 Prüfungsausschüsse nahmen im Zeitraum vom 12.06.2018 bis 25.06.2018 die praktischen Prüfungen in den Prüfungsräumen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt in Magdeburg, die als „Mini-Arztpraxen“ eingerichtet sind, ab.

Auf dem Prüfungszeugnis ist die Einstufung des Bildungsabschlusses mit enthalten. Die Zuordnung ist dafür gedacht, Bildungsabschlüsse über Landesgrenzen hinweg besser einschätzen zu können und damit transparenter zu gestalten. Der Berufsabschluss Medizinische/r Fachangestellte/r ist im Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen dem Niveau 4 zugeordnet. Diese Einstufung verdeutlicht die Wertigkeit des Bildungsabschlusses.

Um sich auch außerhalb Deutschlands bewerben zu können, haben sich drei Medizinische Fachangestellte das Zeugnis und den Brief Medizinische Fachangestellte in englischer Übersetzung und zwei in französischsprachiger Übersetzung ausstellen lassen.

 

Fotos: ÄKSA