Strukturierte curriculare

Das am 4. August 2011 in Kraft getretene Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes sowie die seit dem 26. März 2012 in Sachsen-Anhalt in Kraft getretenen MedHyGV verpflichtet die Leiter von stationären wie auch ambulanten medizinischen Einrichtungen sicherzustellen, dass alle nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft erforderlichen Maßnahmen zu treffen sind, um nosokomiale Infektionen zu verhüten und die Weiterverbreitung von Krankheitserregern zu vermeiden.

Voraussetzung hierfür ist eine der medizinischen Einrichtung entsprechend angepasste Umsetzung der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) -Empfehlung „Personelle und organisatorische Vor­aussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen“, veröffentlicht im Bundesgesundheitsblatt 2009, 52: 951-962. Darin wird an zentraler Stelle das Hygieneteam definiert, das sich zusammensetzt aus

  • dem Krankenhaushygieniker,
  • dem Hygienebeauftragten Arzt,
  • er Fachkrankenschwester/ dem Fachkrankenpfleger für Infektionsprävention (Hygienefachkraft) und
  • der Hygienebeauftragten in der Pflege (Link Nurse).

Krankenhaushygieniker/Hygienebeauftragter Arzt

Gemäß KRINKO sind diese beiden Qualifikationen bei den Fachärzten für Hygiene- und Umweltmedizin bzw. Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie als weitgehend erfüllt angesehen.
Leider kann der Bedarf an den benötigten Fachärzten zur Zeit nicht gedeckt werden, selbst wenn man die Weiterbildung zum Facharzt forcieren würde.
Das Fazit ist, dass der durch die gesetzliche Neuregelung entstandene Bedarf an Krankenhaushygienikern durch die derzeit verfügbaren Fachärzte nicht zu decken ist. Deshalb wurde von den Fachgesellschaften gemeinsam mit der Bundesärztekammer ein Konzept entwickelt, um möglichst kurzfristig klinischen Fachärzten Fortbildungsangebote zur Verfügung zu stellen, die es diesen ermöglichen, in ihren Einrichtungen die erforderlichen infektionspräventiven Maßnahmen zu etablieren. Das im November 2011 von der Bundesärztekammer (BÄK) veröffentlichte Konzept einer strukturierten curricularen Fortbildung KRANKENHAUSHYGIENE hat einen modularen Aufbau mit einem Modul 1, welches mit der Qualifikation „Hygienebeauftragter Arzt“ abschließt und weiteren 5 Modulen, die zur Qualifikation „Krankenhaushygiene“ führen.
Diese Qualifikation ist nicht gleichzusetzen mit der Qualifikation des klassischen Krankenhaushygienikers, sondern soll klinischen Fachärzten in kleineren Häusern die Möglichkeit bieten, die Aufgaben eines Krankenhaushygienikers ansatzweise wahrzunehmen. Diese strukturierte curriculare Fortbildung Krankenhaushygiene ist in Umfang und Inhalt von der BÄK festgeschrieben mit einem theoretischen Teil von 200 Std. und einem durch einen Supervisor begleiteten praktischen Ausbildungsteil.
Dieser umfasst neben einer mindestens 50%igen Tätigkeit als Hygienebeauftragter Arzt in den 24 Monaten der Fortbildung, mindestens 20 Fallkonferenzen mit dem Supervisor und Hospitationen im Öffentlichen Gesundheitsdienst (2 Wochen), in einem krankenhaushygienischen Labor (1 Woche) sowie in der Klinikhygiene (4 Wochen). Als Supervisor soll ausschließlich ein Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie bzw. Hygiene- und Umweltmedizin fungieren. 
Die strukturierte curriculare Fortbildung „Krankenhaushygiene“ umfasst 200 Std. und ist in sechs Module aufgeteilt. Auf Grund der Komplexität des Kurssystems werden die Ärztekammern Sachsen, Thüringen, Berlin und Sachsen-Anhalt gemeinsam als Kursveranstalter fungieren und länderübergreifend die Module 2-6 anbieten.

Im Ergebnis der ersten Gespräche sollen die einzelnen Module wie nachfolgend dargestellt umgesetzt werden:

  • Modul 1 (Grundkurs – ist gleichzeitig Qualifikation für hygienebeauftragte Ärztinnen und Ärzte) wird jede Ärztekammer eigenverantwortlich anbieten,
  • Modul 2 wird von der Landesärztekammer Sachsen im Juni 2013 in Dresden angeboten,
  • Modul 3 wird von der Landesärztekammer Thüringen für das I. Quartal 2014 in Jena vorbereitet,
  • Modul 4 wird von der Ärztekammer Sachsen-Anhalt für das II. Quartal 2014 in Magdeburg vorbereitet,
  • Modul 5 wird von der Landesärztekammer Sachsen für das III. Quartal 2014 in Dresden vorbereitet und
  • Modul 6 wird von der Ärztekammer Berlin für das IV. Quartal 2014 in Berlin vorbereitet.

Detaillierte Informationen zum Kursablauf werden wir in der Märzausgabe des Ärzteblattes veröffentlichen.
P. Jonzeck