Neujahrsempfang der Heilberufler 2019
Gäste aus Politik und Ärzteschaft beim Neujahrsempfang

Sichere Patientenversorgung – ein Muss im digitalen Zeitalter

Die Heilberufler luden am 9. Januar 2019 zum alljährlichen Neujahrsempfang ein, der in diesem Jahr durch die Apothekerkammer und den Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt ausgerichtet wurde.


Pressegespräch

Dr. Simone Heinemann-Meerz während des Pressegesprächs
Dr. Simone Heinemann-Meerz während des Pressegesprächs

Die Bedrohung der Patientenversorgung durch Kommerzialisierung, die voranschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken hoben die Heilberufe u. a. in ihrem traditionell vorgelagerten Pressegespräch hervor.

Kritik an MVZ als Renditeobjekt


„Renditeinteressen anonymer Anleger treten in Konkurrenz zum Wohlergehen von Patienten. Diese Entwicklung bedroht den freiberuflichen Charakter der ärztlichen Tätigkeit und die Wahlfreiheit der Patienten“, erläuterte eingangs die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz. Schon heute sind in Deutschland 420 von rund 2.500 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) mit mehreren Ärzten unter einem Dach in Investorenhand. Ebenso äußerte die Ärztekammer ihre Bedenken gegenüber einer ähnlichen Entwicklung in Sachsen-Anhalt: Heilmittelerbringer, Pflegedienste und sonstige Träger betreiben über 10 von 76 bestehenden MVZ in Sachsen-Anhalt. Die Letztgenannten haben sich in den vergangenen fünf Jahren von 34 mehr als verdoppelt.

MVZ stellen eine wichtige Möglichkeit für Ärzte dar, im ambulanten Bereich im Angestelltenverhältnis zu arbeiten und sind ebenso bedeutsam für die Patientenversorgung. Je nach Träger gibt es wirtschaftliche Interessen, was für die angestellten Ärzte einen anderen Druck bedeutet, so die Kammerpräsidentin.

Die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt
Die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt

Daher ist kritisch zu hinterfragen, dass in manchen lukrativen Gebieten in Deutschland bestimmte Fachgebiete aufgrund ihrer Rentabilität vorrangig in MVZ betrieben und andere aufgegeben werden. Denn dadurch droht dem Patienten, nicht nur seine Wahlfreiheit, sondern ebenso die fachärztliche Versorgung zu verlieren. Folglich ist es wichtig, eine Sensibilisierung gegenüber dieser Thematik in der Bevölkerung und Öffentlichkeit zu schaffen.

Vor diesem Hintergrund sind die Reformbestrebungen auf Bundesebene als positiv zu bewerten, die diese Entwicklung einzuschränken beabsichtigen. Jedoch sind die Bestrebungen allein nicht ausreichend und die Änderungen im Zuge des Terminservice- und Versorgungsgesetzes müssen umfassender sein. So müssen u. a. bei der Entstehung von Versorgungszentren regionale und inhaltliche Vorgaben realisierbar sein.

Auch die Zahnärzteschaft forderte, dass die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland nicht von versorgungsfremden Investoren übernommen werden dürfe. Deren vordergründiges Ziel sei die Rendite. Weiterhin ist zu kritisieren, dass die Zahnarzt-MVZ in Großstädten und Ballungsräumen entstehen. Die Entwicklung sei somit nachteilig für die Versorgung im ländlichen und strukturschwachen Raum. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müsse die Gründungsberechtigung auf regionale und zahnmedizinische Bezüge für Krankenhäuser beschränkt werden.

Zunehmende Digitalisierung in der medizinischen Versorgung

Aufmerksame Zuhörer beim Neujahrsempfang
Aufmerksame Zuhörer beim Neujahrsempfang

Ergänzend dazu ist für die Apotheker die Steigerung der Sicherheit bei Arzneimitteln in diesem Jahr ein wichtiges Thema. Der Kampf gegen Medikamentenfälschungen wird in den Apotheken durch das neue EU-weite Sicherheitssystem „securPharm“ ab dem 9. Februar 2019 noch effektiver. Demnach kommen nur noch rezeptpflichtige Arzneimittel in den Verkehr, die eine Echtheitsprüfung mit Erfolg hinter sich gebracht haben.

Um die sich verändernde Patientenversorgung zu bewältigen, könne die Digitalisierung helfen, (Gesundheits-)Daten vollständiger und schneller verfügbar zu haben, betonte die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt. Das soll dabei hilfreich sein, die dadurch gewonnene Arbeitszeit von medizinischem Personal und Ärzten für die Patientenversorgung zu nutzen. Wichtig ist, dass die Datensicherheit immer Voraussetzung für eine breite Nutzung der Daten sein müsse.


Neujahrsempfang

Erfolg der 1. Herzwoche Sachsen-Anhalt – Fortsetzung folgt


Die Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne, nutzte ihre Grußrede an die Heilberufe, um ihren Dank für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr auszudrücken, den sie mit dem Zitat „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ bekräftigte.

Die Ministerin Petra Grimm-Benne beim Grußwort
Die Ministerin Petra Grimm-Benne beim Grußwort

In ihren weiteren Ausführungen ging sie auf das Problem des Fachkräftemangels ein. Ein wichtiger Schritt zum Entgegenwirken dieses Mangels sei z. B. die Abschaffung des Schulgeldes für Auszubildende in Pflegeberufen in Sachsen-Anhalt.

Sehr erfreut zeigte sich die Ministerin ebenfalls über den erfolgreichen Verlauf der 1. Herzwoche Sachsen-Anhalt, die im Juni 2018 stattfand und von ihrem Ministerium gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung und der Initiative Herzgesundheit in Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen wurde. Kooperationspartner dieser Herzwoche war u. a. auch die Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Sie lobte zudem das große Engagement aller Beteiligten und Verantwortlichen dieser Herzwoche und freute sich über deren Fortsetzung im Juni dieses Jahres.

Die Heilberufler und die geladenen Gäste durften sich abschließend über einen Festvortrag von Prof. Dr. Marie-Luise Dierks vom Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitsforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover freuen. Die Leiterin des Forschungsschwerpunktes Patientenorientierung und Gesundheitsbildung gab den Anwesenden einen Einblick in eine Studie, die die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland erfasst hat. Von der Erklärung des Begriffs der Gesundheitskompetenz zog sie dabei den Bogen zu einzelnen Ergebnissen dieser Studie. Gesundheitskompetenz umfasse demnach das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu erfassen, zu beurteilen und zu nutzen. Damit u. a. die Gesundheit erhalten oder sich bei Krankheiten die nötige Unterstützung durch das Gesundheitssystem gesichert werde. So verfügen laut der Studie z. B. 54 Prozent der Deutschen über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz.
Die Reaktion auf Bundesebene war darauf, eine „Allianz für Gesundheitskompetenz“ im Juni 2017 zu gründen – ein Zusammenschluss von Organisationen, Verbänden und Körperschaften im Gesundheitswesen mit dem Ziel, die Gesundheitskompetenz in Deutschland zu verbessern.

Nicole Fremmer
Redaktion Ärzteblatt Sachsen-Anhalt

Fotos: ÄKSA

Pressemeldung vom 09. Januar 2019:
Kritik der Ärztekammer Sachsen-Anhalt beim Neujahrsempfang der Heilberufe
Kommerzialisierung bedroht Patientenversorgung
http://t1p.de/MVZ