Die Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt gGmbH erfasst und dokumentiert seit dem 01.01.2018 personenbezogene Daten zur Diagnose, Therapie und Verlauf von Krebserkrankungen einheitlich. Nach einem Jahr möchten wir eine erste Bilanz ziehen: Können erste Ergebnisse geliefert werden? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Meldern? Welche Schwierigkeiten müssen noch beseitigt werden?

Das Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt mit seinen Standorten in Magdeburg, Halle (Saale) und Dessau-Roßlau war im Jahr 2018 im Schwerpunkt mit der strukturellen Reorganisation bei gleichzeitiger Weiterentwicklung der inhaltlichen Registerarbeit befasst. „Eine tatsächliche und gesetzeskonforme Handlungsfähigkeit bestand für die im Sommer 2017 gegründete Krebsregister-Gesellschaft erst mit Inkrafttreten des Krebsregistergesetzes Sachsen-Anhalt am 01.01.2018. Die zu leistende Aufbauarbeit der GmbH hatte durchaus Parallelen zu einem Startup!“, sagt Prof. Edgar Strauch, Geschäftsführer des Registers, rückblickend. Organisatorisch mussten nahezu alle internen Abläufe geklärt werden: Personalmanagement, Buchhaltung und Finanzen. Viele Angelegenheiten wurden zunächst als Interimslösungen umgesetzt, die Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit bei gleichzeitiger Einhaltung der neuen Datenschutzvorgaben und die Betreuung und Begleitung der Melder waren parallel zu bewältigen.

Das ist in weiten Bereichen durchaus gelungen, an anderen Stellen arbeiten alle Mitarbeiter weiter intensiv an der Realisierung der finalen Strukturen, so zum Beispiel an der Zusammenführung der bisherigen Datenbanken, die zunächst weiter betrieben wurden. „Die Bedeutung der gespeicherten Daten ist viel zu groß, als dass in diesem Prozess Fehler oder Lücken zu tolerieren sind. Wir gehen daher mit größter Sorgfalt vor, wahrscheinlich werden wir diese Arbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2019 abschließen können.“, so Strauch.

Melderate noch nicht vollzählig

Eine der größten Schwierigkeiten stellt die Umsetzung der landesweiten Meldepflicht dar. Diese besteht seit Anfang 2018 mit Inkrafttreten des Krebsregistergesetz Sachsen-Anhalt. Viele Ärzte und Krankenhäuser melden seit Jahrzehnten regelmäßig und vollständig die Daten ihrer Patienten an das Register und seine Vorgänger, für andere Leistungserbringer ist dieser Vorgang Neuland und für alle am Meldeprozess Beteiligten ist die im Gesetz vorgesehene elektronische Meldung eine echte Herausforderung. Gemäß Krebsregistergesetz wird dem Register die Möglichkeit eingeräumt, permanente „Nicht-Melder“ mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren zu konfrontieren. Prof. Strauch sieht diese Handlung jedoch in allerletzter Instanz: „Wir sehen uns in der engen Zusammenarbeit mit unseren Meldern, wollen Hilfe und Unterstützung gewähren. Konflikte möchten wir vermeiden, sind aber bei einer grundsätzlichen Verweigerungshaltung von Leistungserbringern gegenüber der Krebsregistermeldung durchaus zur Ausschöpfung unserer gesetzlichen Optionen bereit.“, sagt Prof. Strauch.

Insgesamt wurden dem Klinischen Krebsregister Sachsen-Anhalt im Jahr 2018 rund 18.000 Neumeldungen verschiedener Behandlungsjahre übermittelt. Derzeit sind beim Register rund 650 Melder zur elektronischen und digitalisierten Meldung erfasst. Bereits zu Beginn des Jahres 2018 hatte das Klinische Krebsregister postalisch zur Meldung aufgerufen und das hierfür vorgesehene Melderstammdatenblatt zur strukturierten Hinterlegung der Stammdaten des Melders versandt. Der Rücklauf war groß, jedoch wird nach statistischer Überprüfung deutlich, dass noch nicht alle potenziellen Melder im Register hinterlegt sind. Die Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt gGmbH ist gesetzlich verpflichtet, derartigen Diskrepanzen nachzugehen, daher erfolgt derzeit die postalische Nachfrage.

Elektronische Meldung wird verbessert

Das Landeskrebsregistergesetz legt die Meldung in einer strukturierten, elektronischen Form fest und wird zukünftig Vereinfachungen im Meldeprozess bringen. Die papiergebundene Registermeldung wird mittelfristig der Vergangenheit angehören. Größte Hürden stellten derzeit noch die Schnittstellen und Datenausleitungen, insbesondere des im ambulanten Bereich eingesetzten Praxisinformationssystems dar. Aber auch Krankenhausinformationssysteme und IT-Systeme der pathologischen Institute haben ihre Tücken. Das Klinische Krebsregister versucht die Leistungserbringer bei der Realisierung der elektronischen Meldung zu unterstützen. Schrittweise werden die Erfolge dieser Arbeit sichtbar, die Krebsregistermeldung wird Normalität. Das Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt hat vom ersten Tag an konsequent auf den Ausbau seiner Homepage zum Portal rund um Krebsregistrierung gesetzt. Das ist in ansprechender Weise gelungen, schrittweise werden weitere Funktionen zur Internetseite hinzugefügt. Alle erforderlichen Dokumente sind in elektronischer und aktueller Form auf der Homepage verfügbar.

„Ein arbeitsreiches und anspruchsvolles erstes Jahr liegt hinter uns. Vieles konnten wir dank des Engagements unserer Mitarbeiter gut organisieren, viele Themen liegen noch vor uns. Meldevergütungen, Qualitätszirkel, Tumorkonferenzen sind dabei Schlagworte. Wir wollen vertrauensvoll mit den Meldern zusammenarbeiten und freuen uns über kritische und konstruktive Rückinformationen und Vorschläge zur Entwicklung des Registers. Bei all unseren Anstrengungen dürfen wir jedoch nie unsere an Krebs erkrankten Patienten vergessen. Ihre Diagnostik, Behandlung und Nachsorge zukünftig zu verbessern, ist das gemeinsame Anliegen aller an der Krebsregisterarbeit Beteiligter!“, sagt Strauch abschließend.

Weitere Informationen finden Sie unter www.kkr-lsa.de

Kontakt:
Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt gGmbH
Doctor-Eisenbart-Ring 2, 39120 Magdeburg
Geschäftsführer: Prof. Dr. Edgar Strauch
Tel.: 0391/60745340, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Pressekontakt: Susanne Seidler, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!