Sanitätsrat Dr. med. Klaus Penndorf ist am 29. Juni 2019 im Alter von 86 Jahren verstorben.

v. l.: Sanitätsrat Dr. med. Klaus Penndorf (*1932 – † 2019), OMR Prof. Dr. Walter Brandstädter
v. l.: Sanitätsrat Dr. med. Klaus Penndorf (*1932 – † 2019), OMR Prof. Dr. Walter Brandstädter (Foto: ÄKSA)

Seit 1954 waren wir auf vielfältige Weise verbunden – als Kommilitonen, ärztliche Kollegen, Patienten, Freunde und seit der Wende beim Aufbau der ärztlichen Selbstverwaltung in Sachsen-Anhalt.

Klaus Penndorf kam nach dem Vorklinischen Studium in Berlin in das 1. Klinische Semester an der neugegründeten Medizinischen Akademie Magdeburg. Dieser Wechsel war, wie bei den meisten, nicht freiwillig und vertiefte die schon vorhandene Abneigung gegen staatliche Administration. Die Wogen glätteten sich deutlich durch hervorragende Hochschullehrer „alter Schule“, denen sich auch Klaus Penndorf gerne zur Weiterbildung als Chirurg anvertraute (z. B. Professor Hasso Essbach, Pathologe und Professor Werner Lembke, Chirurg).

Nach dem Staatsexamen 1957 und der Promotion 1958 beendete er mit der Facharztanerkennung für Chirurgie 1964 die Weiterbildung. Für den ehrgeizigen Könner eröffneten sich neue Möglichkeiten, die allerdings durch die vorwiegend politisch motivierte Selektion offensichtlich eingeschränkt waren. Da wirkte der Zufall: Die Stelle des Chirurgen im konfessionellen Krankenhaus St. Marienstift in Magdeburg als Belegarzt und Freiberufler in der Niederlassung war neu zu besetzen. Die Zulassung als Chirurg in der Niederlassung erhielt er erst im zweiten Anlauf durch Initiative des Trägers – unruhige Zeiten. Seine Zweifel, mit 34 Jahren, zwei Jahre nach der Anerkennung als Facharzt, diese Verantwortung zu übernehmen, konnte er mühevoll mit Recht, wie wir es erlebt haben, ausräumen.

Die Arbeit des Teams um Klaus Penndorf begründete einen guten Ruf, der sicher auch ein Stück Fundament für die kürzlich erfolgte Anerkennung als eine der besten Kliniken Deutschlands bildete. Man wurde dort auch zu DDR-Zeiten unabhängig von konfessionellen und parteipolitischen Bindungen optimal behandelt und betreut. Mit der Zulassung am 1. April 1966 bezeichnete sich Penndorf selbst als „strukturpolitischen Fremdkörper“ im staatlich sozialistischen Gesundheitswesen. Seine Ausnahmesituation als Belegarzt in einer konfessionellen Einrichtung und Chirurg als Freiberufler ersparte ihm sicher eine Vielzahl von Auswirkungen staatlicher Steuerung in der konfessionellen Einrichtung. Auch dadurch wurde sein Blick geschärft, wie man Arbeit als Arzt auch ohne staatliche Eingriffe erfolgreich leisten kann.

So geistig gerüstet kam die Wende mit der Möglichkeit der ärztlichen Selbstverwaltung als Steilvorlage für Klaus Penndorf. Er wurde konsequenterweise Mitbegründer der ersten Kassenärztlichen Vereinigung der neuen Länder und deren Vorstandsvorsitzender. Klaus Penndorf war beseelt von der Idee, die ambulante Versorgung nach dem Muster der alten Bundesländer durch Selbstverwaltung (Kassenärztliche Vereinigung) mit Ärzten als Freiberufler in eigener Niederlassung zu garantieren. Dies entsprach dem Zeitgeist und wurde so erfolgreich verwirklicht. Die gesamte Ärzteschaft mit der Mehrheit angestellter Ärzte baute ihre Selbstverwaltung als Ärztekammer auf. Klaus Penndorf animierte mich zur Mitwirkung, was dann auch geschah. Die Kammer, auch als Klammer zum Erhalt einer einheitlichen Ärzteschaft, wurde durch Klaus Penndorf auf vielfältige Weise, 12 Jahre als Mitglied der Kammerversammlung (1991 - 2003) davon 4 Jahre im Vorstand (1999 - 2003) sowie Mitwirkung in Ausschüssen und Kommissionen, unterstützt.

Seine besonderen Verdienste wurden wirksam gewürdigt mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande (1999) und der Ehrennadel der Ärztekammer Sachsen-Anhalt (2000).

Klaus Penndorf war bei aller Zielstrebigkeit und komplizierten Anforderungen ein hervorragender Arzt, der menschlich ansprechend und vertrauensvoll arbeitete, seine Grenzen aber dabei immer kannte. Er konnte ein humorvoller und geselliger Mensch mit aktiven und passiven kulinarischen Neigungen sein, der einen zu DDR-Zeiten frisch geräucherten Aal zur Begrüßung bei uns lange in freudvoller Erinnerung behalten hat. Wesentlich für das erfolgreiche Schaffen als Arzt, auch in der gesundheitspolitischen Dimension, war für ihn stets der Hintergrund einer intakten Familie mit dem besonderen Rückhalt bei seiner Frau Ingeborg.

Sanitätsrat Dr. Klaus Penndorf ist schon heute als anerkannte ärztliche Persönlichkeit und gesundheitspolitischer Gestalter Teil der Medizingeschichte Sachsen-Anhalts.

OMR Prof. Dr. Walter Brandstädter
Ehrenpräsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt
Vizepräsident der Bundesärztekammer 1995 - 1999