Parlamentarischer Abend im Haus der Heilberufe: „Grillen bei Doctor Eisenbarth“

Parlamentarischer Abend im Haus der Heilberufe

Zum sechsten Mal richtete die Ärztekammer Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) am 14. August ihre parlamentarische Begegnung „Grillen bei Doctor Eisenbarth“ aus. Auch in diesem Jahr konnte die Präsidentin wieder zahlreiche Ärzte, Politiker und Vertreter aus dem Gesundheitswesen begrüßen, die dieses Treffen bei sommerlichem Wetter zum gemeinsamen Meinungsaustausch nutzten. Hierzu zählten neben vielen Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus den Fraktionen ebenso die Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, Petra Grimm-Benne und Prof. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung.

Frau Dr. Heinemann-Meerz erinnerte an die vergangenen parlamentarischen Abende, bei denen Themen wie Herzkreislauf-Erkrankungen oder Krebserkrankungen bereits mit dem Thema Prävention verbunden waren. Diese Themen sind auch weiter aktuell.

So fand das Sommerfest 2017 unter der Überschrift „Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ statt. Der damals gegründete Verein „Herzblut für Sachsen-Anhalt“ bündelt bis heute verschiedene Aktivitäten und Projekte, die Bezug zu dem Problemfeld haben. Auch in diesem Jahr findet daher ein „Wandern mit Herzblut“ unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten statt. Nachdem im vergangenen Jahr um die Goitzsche gewandert wurde, erfolgt in diesem Jahr die Wanderung am Freitag dem 06.09.2019 in Halle.

Impressionen vom 6. parlamentarischen Abend der Ärztekammer Sachsen-Anhalt – „Grillen bei Doctor Eisenbarth“
Impressionen vom 6. parlamentarischen Abend der Ärztekammer Sachsen-Anhalt – „Grillen bei Doctor Eisenbarth“

Anlass für gemeinsame Dialoge gab sicherlich auch der Impulsvortrag „Die Crux mit der Prävention“ von Dr. Gunther Gosch, Facharzt für Kinderheilkunde und Vorstandsmitglied der Ärztekammer. Seine These, dass Prävention polarisieren solle, untermauerte er mit dem Ansatz, sich den Problemen nüchtern, zielorientiert, auf das Wesentliche beschränkt und immer nach dem Nutzen fragend, zu stellen. Die Fragen lauten daher, wie ist der Nutzen fassbar und wer erfasst ihn für wen? So werde in der Prävention immer mit zwei Zukünften gerechnet. Mit einer, die ohne und mit einer, die mit Prävention auskommen muss.

Dr. Gosch: „Welche Zukunft die wirkliche Zukunft gewesen ist, entscheidet sich, wenn die Prävention Vergangenheit und die Zukunft Gegenwart geworden ist. Daher ist das Problem heute, dass gesundheitspräventiven Maßnahmen eine mehr oder weniger ökonomische Effizienz zugeschrieben wird.“

Das große Problem ist, vorab den Nutzen gesundheitspräventiver Maßnahmen sicher zu erfassen. Der neue politische Ansatz, mehr beratend und motivierend zu wirken damit Patienten mehr für ihre Gesundheit tun, sei richtig. Beratung und Kommunikation sind von entscheidender Bedeutung. So weist ein jüngst veröffentlichter Gesundheitsreport einer Krankenkasse auf weitaus größere Impflücken hin, als bislang vermutet.

„Das ist für uns der Anlass, noch zielgerichtetere Aufklärungs- und Beratungsmaßnahmen anzugehen. Impfprävention ist einer der durchschlagendsten Erfolge der Medizin der letzten zwei Jahrhunderte. Grundlage für eine erfolgreiche Impfprävention sind neben der realistischen Erfassung von Impflücken intensive Aufklärungs- und Beratungsbemühungen, die im Übrigen auch entsprechend vergütet werden müssen. Denn es ist nicht akzeptabel, dass zeitaufwändige, ärztliche Beratung von Impfkritikern oder -gegnern, die sich trotz wissenschaftlich fundierter Argumente nicht vom Nutzen einer Impfung überzeugen lassen, dem Arzt nicht vergütet werden. Alle Akteure des Systems sind gefordert, gemeinsam neue Wege zu suchen und zu gehen. Ich halte die Kopplung des Impfnachweises an den Besuch einer Kindereinrichtung für richtig. Wir brauchen aber auch positive Anreize, wie Steuervorteile oder Beitragsboni, für Impfwillige. Gleiches gilt im Übrigen auch für andere Präventionsmaßnahmen.“

Dr. Simone Heinemann-Meerz und Dr. Burkhard John im Gespräch mit Ministerin Petra Grimm-Benne
Dr. Simone Heinemann-Meerz und Dr. Burkhard John im Gespräch mit Ministerin Petra Grimm-Benne

Impfprävention setzt voraus, stets ausreichend Impfstoffe zur Verfügung zu haben. Hier müsse der Begriff der Vorbeugung viel früher ansetzen. Politische Fehler der Vergangenheit, wie Überregulierung und Rabattierung des Impfstoffmarktes aus rein pekuniären Interessen, benötigen neue Konzepte. Das gelte in gleicher Weise für den gesamten Arzneimittelmarkt.

Sachsen-Anhalt zeichnet sich durch die höchsten Impfraten in Deutschland aus. Aber andererseits ist es auch ein Land mit überalterter Bevölkerung und mit einer hohen Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas. Wissenschaftlich unstrittig ist der Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen auf der einen Seite und einer gesunden Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und sportlicher Betätigung auf der anderen Seite.

„Hier muss Prävention auch in der Institutionalisierung von Aufklärung und Beratung ansetzen. Unabdingbar ist eine bereits in Kindereinrichtungen und Schulen beginnende, umfassende Gesundheitserziehung, die verpflichtend auch in die Ausbildung von Erziehern und Lehrern integriert werden muss.“ Genauso wichtig ist es, dem auf dem Lande bereits spürbaren Mangel in der haus- und fachärztlichen Versorgung sinnvoll zu begegnen und einer Zunahme vorzubeugen. „Vorbeugung bedeutet doch auch, der nachwachsenden Ärztegeneration selbstbewusste und selbstbestimmte Lebensmodelle zu ermöglichen, die letztlich die medizinische Versorgung einer immer älter werdenden Bevölkerung auch in der Zukunft auf hohem Niveau sichert“, so Dr. Gosch.

Foto: AEKSA