Am 16. Januar dieses Jahres fand der Neujahrsempfang der Heilberufe Sachsen-Anhalt mit der vorgelagerten traditionellen Pressekonferenz im Haus der Heilberufe statt. Ausrichter waren in diesem Jahr die Apothekerkammer, vertreten durch ihren Präsidenten, Dr. Andreas Münch, und der Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt, vertreten durch seine zweite stellvertretende Vorsitzende, Konstanze Friedrich. Dem Pressegespräch waren zudem unser Vizepräsident, Dr. Lutz Lindemann-Sperfeld, zugegen, der unsere Präsidentin, Dr. Simone Heinemann-Meerz, krankheitsbedingt vertrat. Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Dr. Holger Grüning, der Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Frank Dreihaupt, der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Dipl.-Stomat. Dieter Hanisch und der Präsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Stefan Krippner, waren weitere Teilnehmer dieses Gesprächs. Die Vertreter der Heilberufe informierten die anwesenden Journalisten zunächst über die aktuellen Probleme ihres Berufsstandes und beantworteten anschließend die Fragen der Journalisten.

Zu diesem Anlass veröffentlichten die Kassenärztliche Vereinigung und die Ärztekammer Sachsen-Anhalt folgende gemeinsame Pressemitteilung:

Ärzte sind verlässliche Partner für ihre Patienten

Magdeburg. „Die Ärzte in Sachsen-Anhalt sind weder korrupt, noch lassen sie sich bei ihrer Arbeit bestechen“, erklärte Dr. Lutz Lindemann-Sperfeld, Vizepräsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, im Pressegespräch zum gemeinsamen Neujahrsempfang der Heilberufler Sachsen-Anhalts am 16. Januar 2013 im Magdeburger Haus der Heilberufler. Hintergrund seiner Position sind die zu Jahresbeginn erhobenen Forderungen nach schärferen gesetzlichen Regelungen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte klargestellt, dass Ärzte keine Amtsträger oder Beauftragte der Kassen sind und sie daher nicht unter den Korruptionstatbestand fallen können.

Der Vizepräsident erläuterte: „Wir haben schon heute zahlreiche Sanktionsmöglichkeiten bei juristisch relevantem Fehlverhalten unserer Ärzte. Um die Dimension deutlich zu machen: Nach der Entscheidung des BGH haben uns die Staatsanwaltschaften ihre eingestellten Verfahren zur Prüfung übermittelt. Lediglich zwölf Fälle liegen vor, bei denen Ärzten der Straftatbestand der Korruption vorgeworfen wurde, die nun berufsrechtlich geprüft werden. Dabei handelt es sich um Vorfälle aus den Jahren 2004 bis einschließlich 2011. Hier wird deutlich: Ärzte arbeiten überdurchschnittlich zum Wohl ihrer Patienten.“

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Dr. Burkhard John, legte den Fokus auf die Darstellung der Vorgänge in den Medien: „Leider entsteht durch die forcierte Berichterstattung der Eindruck, Ärzte würden zunehmend auf der Basis von Zuwendungen der Pharmaindustrie arbeiten oder sich für Empfehlungen bzw. Überweisungen an Krankenhäuser von diesen dafür bezahlen lassen. Das ist nicht zutreffend und bringt die Realität in der Öffentlichkeit in eine Schieflage, die wir so nicht hinnehmen. Die geringe Zahl berufsrechtlich veranlasster Prüfungen steht ebenso für berufsrechtlich sauberes Verhalten der Ärzte wie die tagtägliche engagierte Arbeit der weit überwiegenden Mehrzahl der Ärzte, die ihren Berufsethos ernst nehmen und in der Praxis nicht auf die Stunde sehen, wenn das Wartezimmer voll ist.“
Herr Lindemann-Sperfeld ergänzt: „Wenn wir als Ärztekammer uns etwas wünschen, dann ist es eine noch engere Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden und den Krankenkassen. Wir sind auf Informationen der Ermittlungsbehörden und Krankenkassen angewiesen, um aktiv werden zu können. Da helfen uns keine Informationen aus den Medien, sondern der direkte Kontakt ist wichtig. Plakative Meldungen der Krankenkassen dienen nicht zuletzt dazu, bei Finanzierungs- und Honorarfragen die Ärzteschaft als gierig darzustellen, um deren Position zu schwächen.“
Um die Behandlung der Patienten auch in Zukunft in hoher Qualität abzusichern, stellte der Ärztekammer-Vizepräsident im Weiteren die Initiative für eine bessere sprachliche Ausbildung ausländischer Ärzte vor. Im Jahr 2012 waren 8.525 Ärzte in Sachsen-Anhalt berufstätig. Darunter sind 786 ausländische Ärzte. Zum Teil versehen diese ihre Arbeit am Patienten mit sehr geringen Deutschkenntnissen.
Lindemann-Sperfeld: „Eine fehlende oder schlechte Verständigung kann ungewollt zu unvollständigen oder fehlerhaften Behandlungen führen. Daher plädiere ich für bundeseinheitliche Kriterien von Sprachtests an hierfür zertifizierten Einrichtungen. Das sichert eine normale Kommunikation auf den Stationen.“ Hauptsächlich in Kliniken sind ausländische Ärzte beschäftigt. Dort ist eine Verständigung unter den Kollegen enorm wichtig, da ein fachübergreifendes Zusammenspiel notwendig ist. Zahlreiche Patienten mit unklaren Diagnosen werden oft stationär behandelt. „Ich verspreche mir von höherwertigen Sprachtests eine deutlich verbesserte Arzt-Patienten-Beziehung. Vielleicht können sich darüber hinaus auch mehr ausländische Ärzte mit einer eigenen Niederlassung anfreunden, um dem Praxissterben etwas entgegen zu wirken. Dafür sind gute Deutschkenntnisse wichtig“, blickt der Vizepräsident in die Zukunft.

Auf dem anschließenden Neujahrsempfang konnten sich die Heilberufler und die geladenen Gäste über ein Grußwort des Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff freuen. Darin verwies er auf den Wirtschaftsfaktor der Gesundheitsbranche und betonte, dass jeder sechste sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer im Gesundheitswesen tätig sei. Zugleich zog er den Bogen zu der Problematik des Ärzte-mangels und den damit verbundenen Herausforderungen für Politik und Gesellschaft. Dabei müsse das Hauptaugenmerk auf der Versorgung auf dem Land liegen. In diesem Kontext gibt er jedoch zu bemerken, dass es noch nie so viele Ärztinnen und Ärzte wie heute gab. Die junge Ärzteschaft müsse für die Versorgung der ländlichen Bereiche begeistert werden. Daher sei eine gewisse Stimulation, wie z.B. durch materielle Anreize, äußerst bedeutsam. Die Zusammenarbeit aller dafür zuständigen Parteien aus Politik und dem Gesundheitswesen stehe dabei im Vordergrund; dadurch können die Probleme offensiv angegangen werden und Lösungsstrategien entwickelt werden. Als Beispiele können dafür die bereits umgesetzten Projekte dienen, wie vernetzte Versorgungszentren, die Vergabe von Stipendien an Studierende der Medizin oder das Hygienenetzwerk Sachsen-Anhalt.