Ärztliche Selbstverwaltung begeht Jubiläum

Ärztliche Selbstverwaltung begeht Jubiläum

Die Geschichte der ärztlichen Standesorganisationen in Sachsen-Anhalt begann vor 30 Jahren, als einige engagierte Gründungsmitglieder die heute bestehende ärztliche Selbstverwaltung aufgebaut und gegründet haben. Anlass genug, um bei einem parlamentarischen Abend, der alljährlich im Haus der Heilberufe stattfindet, am 26. August auf deren vergangene drei Jahrzehnte zurückzublicken.

Festschrift „30 Jahre ärztliche Selbstverwaltung in Sachsen-Anhalt“So konnten die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz, und der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Dr. Burkhard John, unter Berücksichtigung der geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, sowie weitere Gäste aus Politik, Ärzteschaft und dem Gesundheitswesen zum gemeinsamen Rückblick und Austausch begrüßen.

Mit einer gemeinsamen Publikation „30 Jahre ärztliche Selbstverwaltung in Sachsen-Anhalt“ würdigten die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung die Entwicklung der Körperschaften und das Engagement ihrer ehrenamtlich tätigen Mitglieder. Das Gesundheitswesen befand sich vor 30 Jahren im Umbruch und die Situation war für die Ärzteschaft nicht einfach. Massenentlassungen in den bestehenden Polikliniken standen auf der Tagesordnung. Ärzte mit eigener Praxis gab es bis dahin kaum. In diesem Umfeld entstand am 15. August 1990 die Ärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Präsidentin Dr. Heinemann-Meerz eröffnete den parlamentarischen Abend
Präsidentin Dr. Heinemann-Meerz eröffnete den parlamentarischen Abend

„Ein jeglicher Akteur im System kann sich auf unsere Selbstverwaltung verlassen“, erklärte die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz. Der Austausch von verschiedenen Standpunkten und Argumenten ist dabei nicht nur erwünscht, sondern bringt eine Sache voran.

Blick zurück und nach vorn

Die Kammerpräsidentin erinnerte an einige wesentliche Ereignisse der letzten 30 Jahre der Ärztekammer. So ist neben dem Neubau des Verwaltungszentrums der Heilberufe Mitte der 90er Jahre der 109. Deutsche Ärztetag in Magdeburg 2006 und die Einführung des Fortbildungsdiploms 1997 hervorzuheben. Im Jahr 2012 bildete die Ärztekammer einen Ausschuss Transplantation und Organspende, der ein Novum in Deutschland war und erfolgreich arbeitet. Sie betonte weiter, dass die Ärztekammer gerne im Krankenhausplanungsausschuss des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration mitarbeitet und ermunterte die Beteiligten zu mutigeren Entscheidungen: „Qualität geht eindeutig vor Entfernung.“

Dr. Reiner Haseloff richtete ein Grußwort an die Ärzteschaft
Dr. Reiner Haseloff richtete ein Grußwort an die Ärzteschaft

Dr. Heinemann-Meerz bedauerte, dass es bisher keine Antwort auf die dringende Frage gab, wieviel Medizin wir in welcher Qualifikation an welchem Standort benötigen. Denn dies ist die Frage für die Zukunft, um auch dem sogenannten Ärztemangel optimaler begegnen zu können.

Ein Dank ist an alle Beteiligten für die erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit auszusprechen, als 2017 die Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt gGmbH in Trägerschaft der Ärztekammer gegründet wurde.


Schaden vermeiden


Zum Abschluss ging die Kammerpräsidentin auf die Corona-Pandemie ein. Sie forderte alle Verantwortlichen auf, dafür zu sorgen, dass die Angst vor einer Infektion nicht zur Vermeidung von erforderlichen Arztbesuchen oder Eingriffen führt. „Es darf nicht sein, dass der Schaden, der durch die vermeintlichen Corona-Schutzmaßnahmen entsteht, größer ist, als durch die Corona-Infektionen selbst.“ Sie ermutigte daher den Ministerpräsidenten, angesichts niedriger Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt, einen eigenen differenzierten Weg im Kampf gegen das Corona-Virus zu gehen.

Dr. Reiner Haseloff dankte der Kammerpräsidentin und dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung
Dr. Reiner Haseloff dankte der Kammerpräsidentin und dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung


Ängste vermeiden


Dr. Reiner Haseloff griff dies in seinem Grußwort auf, als er seinen Dank für das Bestehen eines hochwertigen Gesundheitswesens in Deutschland ausdrückte. Es habe uns davor bewahrt, dass die Ressourcen während der Pandemie relativ schnell zu Ende gegangen seien. Er dankte im besonderen Maße der Ärzteschaft, dass sie die Situation gemanagt und dabei die Zusatzlast und -aufgaben getragen habe.

Auch sei der Bevölkerung ein Dank auszusprechen, die mitgewirkt hat und sich dem Ernst der Lage bewusst sei. Vor diesem Hintergrund werde momentan auch keine Notwendigkeit gesehen, Maßnahmen zu verschärfen. Sachsen-Anhalt müsse seinen differenzierten Weg gehen. Der Föderalismus lässt uns dabei die Chance, der differenzierten Herangehensweise Raum zu geben – ohne dabei leichtsinnig zu werden. Wir werden auch zukünftig versuchen, den bisherigen Weg weiterzugehen, wenn die Infektionszahlen gering bleiben und sich die Bevölkerung weiterhin angemessen und motiviert verhält.

Der Ministerpräsident dankte Dr. Simone Heinemann-Meerz
Der Ministerpräsident dankte Dr. Simone Heinemann-Meerz

Er bat die Ärzte und Heilberufe, die Patienten in ihren Praxen zu animieren, sich gegen Grippe impfen zu lassen, um die Ausdifferenzierung der Infektion zu erleichtern. Wir haben es mit einer Situation zu tun, die wahrscheinlich noch lange problematisch sein wird.

Zudem müssen unbegründete Ängste in der Bevölkerung vermieden werden, da sonst die Gefahr bestehe, dass die Menschen wichtige medizinische Leistungen nicht mehr in Anspruch nehmen.

Der Ministerpräsident dankte der Präsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz und Dr. Burkhard John mit der Überreichung einer Würdigung in Form einer Medaille für die geleistete Arbeit.

Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen kleinen Einblick in die vergangenen drei Jahrzehnte der Ärztekammer Sachsen-Anhalt.

Nicole Fremmer
Redaktion Ärzteblatt Sachsen-Anhalt