Blick ins Plenum bei der Herbstsitzung der Kammerversammlung in Magdeburg (Foto: ÄKSA)
Blick ins Plenum bei der Herbstsitzung der Kammerversammlung in Magdeburg (Foto: ÄKSA)

 

„Es ist nicht schwer zu erkennen, dass sich Professor Paolo Fornara bei seinen Patienten allergrößter Beliebtheit erfreut.“

Mit der Verleihung des Ehrenzeichens der Ärztekammer Sachsen-Anhalt begann die diesjährige Herbstsitzung der Kammerversammlung, die am 10. Oktober 2020 unter Berücksichtigung der geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen im Haus der Heilberufe in Magdeburg stattfand.

Univ.-Prof. Dott. habil. Paolo Fornara bedankte sich für das Ehrenzeichen
Univ.-Prof. Dott. habil. Paolo Fornara bedankte sich für das Ehrenzeichen

Es wurde damit das ärztliche Engagement des Direktors der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Halle (Saale) Univ.-Prof. Dott. habil. Paolo Fornara gewürdigt. Die Laudatorin, Dr. Simone Heinemann-Meerz, hob dabei sein vielfältiges Wirken und seine Arbeit in der ärztlichen Selbstverwaltung hervor, das sich in der Mitwirkung in verschiedenen Gremien der Ärztekammer zeigt.

So hat er u. a. die Gründung des Ausschusses Transplantation und Organspende in der Ärztekammer initiiert, die mit seiner Unterstützung deutschlandweit als Vorreiter die Zusatzbezeichnung Transplantationsmedizin einführen konnte. Er hat nicht nur das Gebiet der Urologie und vor allem das der Nierentransplantation in Sachsen-Anhalt entscheidend geprägt, sondern ist ebenso ein Vorreiter der Schlüsselloch-Chirurgie und Pionier der Roboter-assistierten Transplantation. Die vollständige Laudatio können Sie auf den folgenden Seiten nachlesen.

Der Gewürdigte durfte sich auch über persönliche Worte des Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. med. Klaus Reinhardt, und des Dekans der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. med. Michael Gekle, freuen, die per Video während der Laudatio eingespielt wurden. Weitere Videobotschaften eines transplantierten Patienten und von Oberarzt Dr. med. Karl Weigand, der sich für die Klinik-Mitarbeiter und das Transplantationsteam bedankte, zeigen, dass die Patienten und die Kollegenschaft Professor Fornara größte Sympathien entgegenbringen.


Kammer der kurzen Wege

Die Kammerpräsidentin während ihres Statements zur aktuellen Gesundheitspolitik
Die Kammerpräsidentin während ihres Statements zur aktuellen Gesundheitspolitik

Prof. Paolo Fornara bedankte sich für die erhaltene Auszeichnung und lobte im Gegenzug den unkomplizierten Austausch und Dialog mit der Ärztekammer, wodurch vieles auf den Weg gebracht wurde. Er sei stolz auf die lösungsorientierte Kammer, in der nicht nur der Ausschuss Transplantation und Organspende als erster und bislang einziger gegründet wurde. Ebenso die in Sachsen-Anhalt deutschlandweit zuerst eingeführte Zusatzbezeichnung Transplantationsmedizin ist zu loben, an deren Umsetzung nunmehr die ersten anderen Kammern arbeiten.

In ihrem Statement zur aktuellen Gesundheitspolitik spannte die Kammerpräsidentin den Bogen u. a. von der Krankenhausfinanzierung und dem Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zur Telematikinfrastruktur.

Der Deutsche Bundestag hat am 18. September 2020 das Gesetz für ein Zukunftsprogramm der Krankenhäuser (Krankenhauszukunftsgesetz – KHZG) beschlossen, dem der Bundesrat am 9. Oktober 2020 zugestimmt hat. Der Bund stellt für die Investition in Digitalisierung und IT-Sicherheit
3 Milliarden Euro bereit. Zwar enthält das Gesetz gute Ansätze, jedoch stellt es kein wirklich tragfähiges Konzept dar, kritisierte Dr. Heinemann-Meerz.


Personal dringend gesucht

Dr. med. Jörg Böhme, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt, äußert sich zum Jahresabschluss 2019 der Ärzteversorgung
Dr. med. Jörg Böhme, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt, äußert sich zum Jahresabschluss 2019 der Ärzteversorgung

Die Kammerpräsidentin verwies ebenso auf den von Bund und Ländern geschlossenen „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“, durch den die Gesundheitsämter in Deutschland durch gezielte Maßnahmen personell verstärkt, modernisiert und vernetzt werden sollen.

Denn im Öffentlichen Gesundheitsdienst werden dringend mehr Mediziner gebraucht. Vor diesem Hintergrund beschloss im Anschluss die Kammerversammlung den Quereinstieg in den ÖGD – als Maßnahme gegen den Personalmangel – auf den Weg zu bringen. „Nun wollen wir interessierten Ärzten mit dem geplanten Quereinstieg in den ÖGD zukünftig eine interessante Möglichkeit anbieten,“ erklärte die Kammerpräsidentin. So geht es darum, den Schritt zum anspruchsvollen und vielseitigen Beruf des Facharztes für öffentliches Gesundheitswesen zu vereinfachen. Es sollen Mediziner erreicht werden, die sich z. B. aus gesundheitlichen und familiären Gründen in ihrem Berufsleben umorientieren möchten. Gemäß dem Pakt sollen bis Ende 2021 mindestens 1.500 unbefristete ärztliche Vollzeitstellen geschaffen werden. Da auf absehbare Zeit eine zeitnahe Besetzung schwierig sein wird, fordern die Ärzte in Sachsen-Anhalt eine wettbewerbsfähige Vergütung, um die Tätigkeit attraktiv zu gestalten.


Digitalisierung ohne Rücksicht auf Datenschutz

Dr. Heinemann-Meerz führte weiter aus, dass die gematik zu einem Kompetenzzentrum des digitalen Gesundheitswesens nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa werden will. Sie mahnte dabei an, dass der elektronische Arztausweis inklusive der Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen die ärztliche Selbstverwaltung und die Ärzteschaft besonders beschäftige.

Dr. med. Peter Wolf, Vorsitzender des Finanz- und Beitragsausschusses der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, berichtet über den Jahresabschluss 2019 und Haushaltsplan 2021
Dr. med. Peter Wolf, Vorsitzender des Finanz- und Beitragsausschusses der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, berichtet über den Jahresabschluss 2019 und Haushaltsplan 2021

Diese Thematik bot Diskussionsstoff in der Kammerversammlung. Die Delegierten äußerten ihren Unmut über die zwangsweise erfolgte Einführung der Anwendung trotz aller haftungs- und datenschutzrechtlichen Bedenken.

Bei Überlegungen, was dem noch entgegengesetzt werden könne, erläuterte Dr. Jörg Böhme, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, dass die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt und Kassenärztliche Bundesvereinigung hier interveniert habe. Jedoch werden die Gesetze durch die Regierung und den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit aller Macht geschaffen und gleichermaßen umgesetzt. Die Entwicklung werde nicht aufzuhalten sein.

Die Ärztekammer hat Stellung zum Gesetzentwurf genommen und Kritik geäußert, die jedoch nicht berücksichtigt wurde. Aufgrund der datenschutzrechtlichen Bedenken wird die Kammer den Landesbeauftragten für den Datenschutz um eine Einschätzung und Handlungsempfehlung für die Ärzteschaft bitten.

Die letzte Sitzung der VII. Wahlperiode findet am 10. April 2021 im Acamed Resort Neugattersleben statt. Die konstituierende Sitzung der neu gewählten Kammerversammlung wird am 26. Juni 2021 stattfinden.

Nicole Fremmer
Redaktion Ärzteblatt Sachsen-Anhalt

Fotos: ÄKSA