Anlässlich der heutigen Kammerversammlung würdigen wir Herrn Prof. Michael Gekle. Dies ist eine gute Möglichkeit, Persönlichkeiten, die sich neben ihrer ärztlichen Tätigkeit Verdienste um die Ärzteschaft und das Allgemeinwohl erworben haben, mit dem Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt zu ehren.

Herr Prof. Michael Gekle wurde am 20.3.1963 in Rexingen (heute Horb am Neckar) geboren. Nach dem Abitur legte er einen 4-jährigen Besuch des Colégio Visconde de Porto Seguro in Sao Paulo (Brasilien) ein. Das Studium der Humanmedizin erfolgte im Saarland und in Würzburg. Ein Teilzeitstudium der Wirtschaftswissenschaften absolvierte er nebenher an der Fernuniversität in Hagen. 1991 legte er das 3. Staatsexamen ab; die Promotion im gleichen Jahr erfolgte mit summa cum laude. Herr Prof. Gekle war von 1991 bis 1993 Arzt im Praktikum, danach folgte ein Forschungsaufenthalt am Royal North Shore Hospital der Universität von Sidney.

Prof. Dr. med. habil. Michael Gekle erhält das Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt (Foto: ÄKSA)
Prof. Dr. med. habil. Michael Gekle erhält das Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt (Foto: ÄKSA)

Als wissenschaftlicher Assistent habilitierte er 1996 in Würzburg und erlangte die Venia legendi für das Fach „Physiologie“. Es schloss sich ein Forschungsaufenthalt an der Universität in Arizona als NFS-Stipendiat (National Science Foundation) an.

Die Ernennung zum Universitätsprofessor (C3) für Physiologie erfolgte noch in Würzburg. Im Jahr 2007 trat er dann die alles entscheidende Stelle als W3-Professor für Physiologie und Direktor des „Julius-Bernstein-Instituts für Physiologie“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg an.
Es gibt zahlreiche Funktionen die er übernommen hat, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Seit 2010 ist Herr Prof. Gekle Dekan der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie Beauftragter für den Haushalt der Fakultät. Er gehörte bis 2020 dem Fachkollegiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an. Zudem ist er seit 2016 ein hochgeschätztes Mitglied des Präsidiums des Medizinischen Fakultätentages.

Herr Prof. Gekle hat einen – wenn nicht den – entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Medizinischen Vollfakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg geleistet. Wir in Sachsen-Anhalt brauchen unseren ärztlichen Nachwuchs selbst und können nicht mit Zuzug aus München, Hamburg oder Nordrhein-Westfalen rechnen. Bei einer Bleibequote von zunächst ca. 50 bis 60 Prozent (die sich später verringert) können wir den nötigen Nachwuchsbedarf immer noch nicht ganz decken.

Was hat Herr Prof. Gekle weiterhin an der Fakultät bewegt? Er hat innerhalb kürzester Zeit die Curriculumsreform der Medizinischen Fakultät bewirkt. Er hat dabei die Bereitschaft zur Veränderung in der Fakultät erzielt und die Mehrheit der Lehrstuhlinhaber mitgenommen – eine Herkulesaufgabe.

Die Umstellung des Curriculums innerhalb von drei Jahren wurde von ihm begleitet, wofür andere Fakultäten zehn Jahre gebraucht haben. Nunmehr steht ein modernes Organ und erkrankungsbezogenes Curriculum bereit, das viele wichtige Aspekte (praktische Fertigkeiten, Kommunikation, moderne Prüfungsformen wie OSCE – Objective Structured Clinical Examination) berücksichtigt. Dieses Curriculum wird auch konsequent weiterentwickelt. Bestes Bespiel dafür ist die Etablierung des ersten praktischen Digitalisierungscurriculums in Deutschland als Pflichtveranstaltung. In Zeiten von Covid-19 trug er dafür Sorge, dass der Unterricht sowie die M2- und M3-Prüfungen aufrechterhalten werden konnten. Mit der Etablierung eines konsequenten Hygienekonzeptes konnten zudem alle wichtigen Praktika, wie die M2-Prüfungen an Einzelplätzen und die M3-Prüfungen mit Simulationspatienten, im Medizinstudium durchgeführt werden. Das war nicht selbstverständlich und wurde auch von außen kritisch beäugt.

Meine Initiative zur Reihe „Medizin trifft Recht“ hat bei ihm sofort offene Ohren gefunden. Es entstand eine Kooperation zwischen Ärztekammer, Medizinischer und Juristischer Fakultät, die auf große Resonanz gestoßen ist. „Medizin trifft Recht“ ist mittlerweile zum Wahlfach geworden.

Die Ärztekammer erhielt im Jahr 2014 den Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, die Fachsprachenprüfungen für die ausländischen Studierenden zu übernehmen. Anlässlich eines Gespräches mit Herrn Dr. med. Dietrich Stoevesandt entstand die Idee, die unendlichen Möglichkeiten des halleschen SkillsLab zu nutzen. Die Umsetzung erfolgte auch mit Unterstützung des Dekans. Es sind bis heute ca. 1.500 Sprachprüfungen zu verzeichnen.

Eine Leidenschaft Prof. Gekles ist, in der medizinischen Lehre nicht nur von Interprofessionalität zu reden, sondern diese auch praktisch in der Medizin, Zahnmedizin, in der Pflege, bei den Hebammen u. a. umzusetzen. Die Etablierung des Studiengangs „Evidenzbasierte Pflege“ ist hier nur folgerichtig. Dabei hat er die Projektleitung in den Projekten „FORMAT“ und dem aktuellen Projekt „FORMAT CONTINUUM“ inne, in dem die Digitalisierung durch Lehre in der Pflege etabliert wird. Im „FORMAT CONTINUUM“ sollen Pflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt besucht werden, in denen dann der Roboter (Paro) und virtuelle Anwendungen vorgestellt und diese besprochen werden.

Neben seiner Tätigkeit als Dekan, die weit über das notwendige Maß hinausgeht, steht er als Direktor des Instituts für Physiologie in der wissenschaftlichen Bewertung immer noch sehr weit vorn. Chapeau!

Herr Prof. Gekle hat keine Gelegenheit ausgelassen, wann immer es sich anbot, mit der Ärztekammer zu kooperieren.
So arbeitet er im Ausschuss „Ausbildung und Universitätsmedizin“ der Bundesärztekammer mit, welcher sich aktuell mit der Novellierung der Ärztlichen Approbationsordnung befasst. In der Kammer ist er in der Fach- und Prüfungskommission „Physiologie“ präsent.

Herr Prof. Gekle hat sich um das Ansehen der Ärzteschaft mehr als verdient gemacht. Sein Einsatz für den Erhalt der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und damit für den Erhalt der Medizin- und Zahnmedizinstudienplätze in Sachsen-Anhalt stellt einen bedeutenden Beitrag für das Allgemeinwohl in unserem Land dar.

Für sein großes Engagement, verbunden mit außergewöhnlichem persönlichen Einsatz, wird Herr Prof. Gekle mit dem Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt geehrt.

Lieber Herr Prof. Gekle, wir wünschen Ihnen für die Zukunft persönlich alles Gute, Gesundheit und das Quäntchen Glück, was jeder braucht. Möge Ihnen auch zukünftig mit der Ihnen eigenen Durchsetzungskraft und Konfliktfähigkeit noch Großes gelingen.

Dr. med. Simone Heinemann-Meerz
Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt
Nienburg (Saale), 10. April 2021