Das Referat „Ausbildung zum Medizinischen Fachangestellten“ informiert
Das Referat „Ausbildung zum Medizinischen Fachangestellten“ informiert (Foto: Robert Kneschke/Fotolia)

Medizinische Fachangestellte (MFA)* sind oft die ersten wichtigen Kontaktpersonen für den Patienten. Sie bilden die Schnittstelle zwischen Arzt und Patient, Technik und Mensch. Sie arbeiten als fester Bestandteil des Praxisteams interdisziplinär mit anderen Berufsgruppen zusammen.

Der Beruf der Medizinischen Fachangestellten ist staatlich anerkannt und nach dem Berufsbildungsgesetz durch die Ausbildungsordnung geregelt. Gegenstand der Berufsausbildung sind die in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Medizinischen Fachangestellten festgelegten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Ausbildungsunterlagen
Auf Nachfrage erhalten Ärzte die Ausbildungsunterlagen von der Ärztekammer.

  • Informationen für ausbildende Ärzte
  • Checkliste für die Einstellung von Auszubildenden
  • Antrag auf Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse
  • Berufsausbildungsvertrag
  • Betrieblicher Ausbildungsplan
  • Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung – zeitliche und sachliche Gliederung
  • Vertrag über die außerbetriebliche Ausbildung eines Auszubildenden
  • Belehrung der Mitarbeiter über die Schweigepflicht in der Arztpraxis
  • Anmeldung zur Berufsschule
  • Übersicht ausbildender Schulen für die Primärausbildung


Nur bei vollständig ausgefüllten und komplett eingereichten Unterlagen kann eine Eintragung in das Ausbildungsverzeichnis erfolgen.

Ausbildungsberechtigung
Die Eignung des ausbildenden Arztes ist erfüllt durch die Approbation. Die Eignung der Ausbildungsstätte (Praxis) ergibt sich aus dem angemessenen Verhältnis zwischen der Anzahl der Fachkräfte und dem Auszubildenden entsprechend der Festlegungen des Berufsbildungsausschusses der Ärztekammer.

  • 1 Arzt – 1 Fachkraft: bis zu 2 Auszubildende/Umschüler insgesamt
  • 1 Arzt – 2 Fachkräfte: bis zu 3 Auszubildende/Umschüler insgesamt
  • 1 Arzt – 3 Fachkräfte: bis zu 4 Auszubildende/Umschüler insgesamt usw.


Als Fachkräfte sind definiert:

  • examinierte Krankenschwester
  • Kinderkrankenschwester
  • Sprechstundenschwester
  • Arzthelferin/Medizinische Fachangestellte.


Dauer/Inhalt

Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird im dualen System durchgeführt, d. h. der praktische Teil der Ausbildung erfolgt in der Arztpraxis oder einer anderen medizinischen Einrichtung, der theoretische Teil in der Berufsschule.

Der Ausbildende (der Arzt) schließt vor Beginn der Berufsausbildung mit dem Auszubildenden einen Berufsausbildungsvertrag. Der Vertrag muss vom Ausbildenden und dem Auszubildenden unterschrieben werden. Bei minderjährigen Auszubildenden müssen zusätzlich die gesetzlichen Vertreter den Vertrag unterschreiben.

Beginn/Ende
In der Regel zum 1. August (spätestens zum 1. Oktober) oder zum 1. Februar (spätestens zum 1. April)
In der Regel Tag genau nach 36 Monaten (Beispiel: Beginn 1. August 2021, Ende somit 31. Juli 2024)

Die Ausbildung für Umschüler dauert zwei Jahre und erfolgt auch im dualen System. Die theoretische Ausbildung absolvieren Einzelumschüler in einer berufsbildenden Schule, Lehrgangsumschüler bei einem Bildungsträger. Die praktische Ausbildung findet auch in Arztpraxen oder anderen medizinischen Einrichtungen statt.

Verkürzte Ausbildung
Nach § 7, Abs. 1 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) haben Abiturienten und in nachstehend aufgeführten Berufen ausgebildete Bewerberinnen/Bewerber die Möglichkeit, den Ausbildungsvertrag bei Vertragsabschluss um sechs Monate zu verkürzen.

Berufe:

  • Medizinisch-technischer Laborassistent
  • Krankenschwester/Krankenpfleger
  • Röntgenassistent
  • Gesundheits- und Krankenpfleger
  • Krippenerzieher
  • Hebamme
  • Physiotherapeut
  • Altenpfleger (nur dreijährige Ausbildung)
  • MTA für Funktionsdiagnostik
  • Rettungssanitäter
  • Zahnarzthelfer – jetzt Zahnmedizinischer Fachangestellter
  • Tierarzthelfer – jetzt Tiermedizinischer Fachangestellter
  • Krankenpflegehelfer

Die Vorlage des Abiturzeugnisses bzw. des Berufsabschlusszeugnisses ist notwendig.

Zulassung in besonderen Fällen – Vorzeitige Zulassung zur Prüfung
Nach § 45 Absatz 1 des Berufsbildungsgesetzes besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung (sechs Monate) zu stellen, wenn die dazu erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Nachstehende Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Bei überdurchschnittlichen Leistungen kann die Abschlussprüfung bis zu sechs Monaten vor Ausbildungsende absolviert werden.
  • Der Notendurchschnitt aller Berufsschulzeugnisse darf nicht schlechter als 2,49 sein, wobei keine Einzelnote in den berufsbezogenen Lernbereichen schlechter als 3,0 sein darf.
  • Die Leistungsbewertung des Arztes soll mindestens die Note „Gut“ ergeben.
  • Der Ausbildungsnachweis muss einen überdurchschnittlichen Ausbildungsstand dokumentieren und wahrscheinlich machen, dass alle Kenntnisse und Fertigkeiten des Ausbildungsrahmenplanes bis zum Prüfungstermin vermittelt worden sind und eine erfolgreiche Prüfungsteilnahme möglich erscheint.
  • Die Teilnahme an der erforderlichen Zwischenprüfung muss erfolgt sein und darf nicht schlechter als mit 2,0 bewertet sein.
  • Die Erste-Hilfe-Ausbildung muss absolviert sein.


Der Antrag ist bis spätestens vier Wochen nach Absolvierung der Zwischenprüfung vom ausbildenden Arzt und dem Auszubildenden an die Ärztekammer zu stellen.

Zulassung in besonderen Fällen – Externe Prüflinge
Mitarbeiter aus Arztpraxen, die mindestens 4 ½ Jahre die Tätigkeiten einer Arzthelferin/Medizinischen Fachangestellten ausgeübt haben, jedoch keinen Abschluss als Arzthelferin oder Medizinische Fachangestellte nachweisen können, sind auch zur Abschlussprüfung zuzulassen (§ 45 Absatz 2 des Berufsbildungsgesetzes).

Ausbildungsvergütung/Mindestausbildungsvergütung
Ausbildungsvergütungen MFAIst der Ausbilder tarifgebunden, gilt weiterhin die tarifliche Ausbildungsvergütung und nicht die Mindestausbildungsvergütung (§ 17 Abs. 3 BBiG).

Ist der Ausbilder nicht tarifgebunden, kann die Ausbildungsvergütung maximal 20 Prozent unter der oben genannten tarifvertraglichen Ausbildungsvergütung liegen (§ 17 Abs. 4 BBiG), wenn sie die Mindestvergütung nach § 17 Abs. 2 BBiG nicht unterschreitet.

Am 08.12.2020 einigten sich die Tarifpartner der niedergelassenen Ärzte (Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten – AAA) und der Medizinischen Fachangestellten (Verband medizinischer Fachberufe e. V. – VmF) in der zweiten Tarifrunde auf einen neuen Gehaltstarifvertrag mit einer Laufzeit vom 01.01.2021 bis 31.12.2023, auf einen aktualisierten Manteltarifvertrag mit einer Laufzeit bis zum 31.12.2023 sowie auf einen Tarifvertrag zur Regelung der Kurzarbeit mit Gültigkeit vom 01.01.2021 bis 31.12.2021. Die Tarifverträge sind auf der Homepage der Ärztekammer Sachsen-Anhalt eingestellt.

Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich in drei Stufen.

Probezeit
Die Probezeit beträgt maximal vier Monate.

Regelmäßige tägliche Arbeitszeit
Die regelmäßige tägliche Ausbildungszeit liegt zwischen 7,7 und 8 Stunden.

  • 7,7 Stunden entsprechen 38,5 Stunden/Woche
  • 8 Stunden entsprechen 40 Stunden/Woche


Urlaubsanspruch
Der Ausbildende gewährt dem Auszubildenden Urlaub nach den geltenden Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) bzw. den tarifrechtlichen Bestimmungen des Manteltarifvertrages für Medizinische Fachangestellte.

Derzeit: 28 Arbeitstage jährlich.

Ist der Ausbilder nicht tarifgebunden gilt folgendes:

Für volljährige Auszubildende gilt das Bundesurlaubsgesetz (§ 3 BUrlG).
Der gesetzliche Urlaubsanspruch umfasst jährlich 24 bezahlte Werktage. Dabei legt das Bundesurlaubsgesetz aber eine Sechs-Tage-Woche zugrunde (§ 3 BUrlG), die heute eher unüblich ist.
20 Tage Mindesturlaub: Arbeitet der Arbeitnehmer wie üblich nur fünf Tage in der Woche, stehen ihm mindestens 20 bezahlte Urlaubstage im Jahr zu. Schwerbehinderte Arbeitnehmer haben einen Zusatzurlaub von fünf Arbeitstagen (§ 208 Absatz 1 SGB IX).

Für minderjährige Auszubildende gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz § 19 Urlaub Absatz 2. Der Urlaub beträgt jährlich

  1. mindestens 25 Arbeitstage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre alt ist,
  2. mindestens 23 Arbeitstage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre alt ist,
  3. mindestens 21 Arbeitstage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt ist.



Jugendarbeitsschutzgesetz


1. Allgemeine Hinweise
Jugendliche, die in das Berufsleben eintreten, dürfen nur beschäftigt werden, wenn sie innerhalb der letzten 14 Monate ärztlich untersucht worden sind und dem Arbeitgeber darüber eine ärztliche Bescheinigung vorliegt. Enthält diese Bescheinigung einen Vermerk, dass die Jugendlichen durch die Ausführung bestimmter Tätigkeiten in der Gesundheit oder Entwicklung gefährdet werden können, so dürfen sie diese Tätigkeiten nicht ausführen. Die Bestimmungen für ärztliche Untersuchungen nach dem JArbSchG gelten ausschließlich für Jugendliche. Jugendlicher im Sinne dieses Gesetzes ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Die Kosten für die Untersuchungen trägt das Land Sachsen-Anhalt. Voraussetzung dafür ist, dass der Jugendliche seinen Hauptwohnsitz in Sachsen-Anhalt hat. Ärztliche Untersuchungen nach dem JArbSchG können von Ärzten des kinder- und jugendärztlichen Dienstes, aber auch von jedem anderen niedergelassenen Arzt oder Betriebsarzt vorgenommen werden; es gilt das Prinzip der freien Arztwahl.

2. Ärztliche Untersuchungen – Erstuntersuchung (§ 32 JArbSchG)
Die Erstuntersuchung ist zwingende Voraussetzung für den Eintritt von Jugendlichen in das Berufsleben. Sie dürfen nur beschäftigt werden, wenn sie vor Aufnahme der beruflichen Tätigkeit von einem Arzt untersucht worden sind und dem Arbeitgeber eine von diesem Arzt ausgestellte Bescheinigung vorliegt (§ 32 Abs. 1 JArbschG). Diese ärztliche Bescheinigung ist ausgehend vom Tag der abschließenden Untersuchung 14 Monate gültig.

3. Ärztliche Untersuchungen – Erste Nachuntersuchung (§ 33 JArbSchG)

(1) Ein Jahr nach Aufnahme der ersten Beschäftigung hat sich der Arbeitgeber die Bescheinigung eines Arztes darüber vorlegen zu lassen, dass der Jugendliche nachuntersucht worden ist (erste Nachuntersuchung). Die Nachuntersuchung darf nicht länger als drei Monate zurückliegen. Der Arbeitgeber soll den Jugendlichen neun Monate nach Aufnahme der ersten Beschäftigung nachdrücklich auf den Zeitpunkt, bis zu dem der Jugendliche ihm die ärztliche Bescheinigung nach Satz 1 vorzulegen hat, hinweisen und ihn auffordern, die Nachuntersuchung bis dahin durchführen zu lassen.

(2) Legt der Jugendliche die Bescheinigung nicht nach Ablauf eines Jahres vor, hat ihn der Arbeitgeber innerhalb eines Monats unter Hinweis auf das Beschäftigungsverbot nach Absatz 3 schriftlich aufzufordern, ihm die Bescheinigung vorzulegen. Je eine Durchschrift des Aufforderungsschreibens hat der Arbeitgeber dem Personensorgeberechtigten und dem Betriebs- oder Personalrat zuzusenden.

(3) Der Jugendliche darf nach Ablauf von 14 Monaten nach Aufnahme der ersten Beschäftigung nicht weiter beschäftigt werden, solange er die Bescheinigung nicht vorgelegt hat.
Wird die Kopie der ärztlichen Bescheinigung über die Nachuntersuchung nicht vorgelegt, kann laut Berufsbildungsgesetz § 35 Absatz 2 die Eintragung des Ausbildungsvertrages in der Ausbildungsrolle gelöscht werden. Das würde bedeuten, dass dann das Ausbildungsverhältnis gelöst ist.

Teilzeitausbildung
Das Einverständnis des Ausbildungsbetriebes vorausgesetzt, kann die Ausbildung teilweise oder komplett mit verringerter Stundenanzahl durchgeführt werden. Ein Anspruch auf Teilzeitausbildung besteht jedoch nicht.
UND: Die Kürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit darf 50 Prozent einer Vollzeitausbildung nicht übersteigen (§ 7a Abs. 1 BBiG).
Die Dauer der Ausbildung verlängert sich entsprechend, höchstens jedoch bis zum Anderthalbfachen der regulären Ausbildungsdauer. Das bedeutet: Bei einer regulär dreijährigen Ausbildung darf die Teilzeitvariante maximal 4,5 Jahre in Anspruch nehmen.

Beispiel: Die tägliche Arbeitszeit dauert statt 8 Stunden nur 4 Stunden. Sie wird also täglich um 50 Prozent gekürzt. Dementsprechend ist die Gesamtausbildungszeit von 3 Jahren um 50 Prozent, also eineinhalb Jahre zu verlängern, so dass die Teilzeitausbildung insgesamt 4,5 Jahre dauert. Die Ausbildungsvergütung kann dann ebenfalls um maximal 50 Prozent gesenkt werden. Hierdurch kann die Mindestausbildungsvergütung zulässigerweise unterschritten werden.

Die Berufsschule ist an eine im Ausbildungsvertrag vereinbarte Teilzeit nicht gebunden. Die Einbeziehung der Berufsschulzeiten in das Modell muss deshalb zwischen Betrieb, Auszubildenden und Berufsschule abgestimmt werden.
Die Höhe der Ausbildungsvergütung kann entsprechend der prozentualen Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit gekürzt werden.

Freistellung von Auszubildenden
Berufsschule
Beschäftigung vor Berufsschulbeginn:
Auszubildende dürfen nicht vor einem um 09:00 Uhr beginnenden Berufsschulunterricht beschäftigt werden (§ 15 Abs. 1 S. 1 BBiG).

Beschäftigung nach Berufsschulende:
Nach § 15 BBiG sind Auszubildende für den Berufsschulunterricht freizustellen.

1 x Schule pro Woche:
An einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von mindestens je 45 Minuten darf der Auszubildende danach nicht mehr im Ausbildungsbetrieb beschäftigt werden.
Der Berufsschulbesuch ist dann mit der durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit anzurechnen.

Beispiel: Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit beträgt Montag bis Freitag jeweils 8 Stunden. Der Berufsschulbesuch ist also mit 8 Stunden anzurechnen, auch wenn die reine Berufsschulzeit darunter liegt.

2-3 x Schule pro Woche:
Ein zweiter und dritter Berufsschultag in der Woche wird mit der tatsächlichen Unterrichtszeit plus Pausen angerechnet.

Beispiel: Der Berufsschulunterricht dauert 5 Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Er beginnt um 08:00 Uhr und endet um 12:25 Uhr (= 04:25 h). Die Berufsschulzeit ist damit mit 04:25 Stunden auf die Ausbildungszeit anzurechnen.

Sind in einer Woche zwei Berufsschultage mit jeweils mehr als FÜNF Unterrichtsstunden à 45 Minuten, ist der Auszubildende verpflichtet (wenn der Ausbildungsbetrieb dies verlangt), an EINEM der beiden Tage wieder in den Betrieb zurückzukehren – an welchem der beiden Tage, bestimmt der Ausbildungsbetrieb.

Beispiel: Die Berufsschule findet Montag und Dienstag statt. Der Ausbildungsbetrieb bestimmt, dass die Auszubildende nach der Berufsschule am Dienstag in den Betrieb kommen soll. Die Berufsschule fängt Dienstag 07:45 Uhr an und endet 13:45 Uhr (= 06:00 Stunden). Somit beträgt Ihre Arbeitszeit 06:00 Stunden und ist auf die tägliche Arbeitszeit mit anzurechnen.

Sind in einer Woche drei Berufsschultage mit jeweils mehr als 5 Unterrichtsstunden, ist der Auszubildende verpflichtet (wenn der Ausbildungsbetrieb dies verlangt), an ZWEI der drei Tage wieder in den Betrieb zurückzukehren – an welchem der drei Tage, bestimmt der Ausbildungsbetrieb.

Prüfungen
Ausbildende haben Auszubildende für die Teilnahme am Berufsschulunterricht und an Prüfungen freizustellen. Das Gleiche gilt, wenn Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte durchzuführen sind (§ 15 BBiG).
Ausbildungsbetriebe müssen Auszubildende an dem Arbeitstag, der der schriftlichen Abschlussprüfung unmittelbar vorangeht, freistellen (§ 15 BBiG Absatz 5).
Bei einem Schultag ist die Freistellung von der jeweiligen berufsbildenden Schule zu entscheiden.

Pausenzeiten/Arbeitszeiten

Für Jugendliche (unter 18) gilt:

  • Bei einer Beschäftigungszeit von mehr als 4,5 bis 6 Stunden sind den Jugendlichen Pausen von insgesamt 30 Minuten zu gewähren.
  • Bei einer Beschäftigungszeit von mehr als 6 Stunden sind den Jugendlichen Pausen von insgesamt 60 Minuten zu gewähren.
  • wobei die Pausen jeweils mindestens 15 Minuten betragen müssen.
  • Sofern keine anderen tariflichen Regelungen bestehen, gilt für minderjährige Azubis eine Arbeitszeit von höchstens 40 Stunden wöchentlich und 8 Stunden täglich. An einzelnen Tagen sind auch bis zu 8,5 Stunden erlaubt, aber nur, wenn sie an einem anderen Tag der Woche entsprechend weniger arbeiten. Das heißt: Der Ausbilder verstößt gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz, wenn er von seinem Azubi (unter 18) verlangt, mehr als 8,5 Stunden zu arbeiten.
  • Die regelmäßige tägliche Ausbildungszeit ist im Ausbildungsvertrag vereinbart.
  • Länger als 4,5 Stunden ohne Pausen dürfen Auszubildende nicht beschäftigt werden.


Für erwachsene Auszubildende (über 18) gilt:

  • Erwachsene Auszubildende (mindestens 18 Jahre alt) dürfen an 5 Tagen wöchentlich bis zu 8 Stunden täglich beschäftigt werden. Bis zu 10 Arbeits- bzw. Ausbildungsstunden sind zulässig, wenn die über 8 Stunden hinausgehende Zeit durch Freizeitausgleich binnen höchstens 6 Kalendermonaten wieder ausgeglichen wird. Für Erwachsene ist bei einer Arbeitszeit von 6 bis 9 Stunden eine Pause von mindestens 30 Minuten vorgeschrieben, bei mehr als 9 Stunden von 45 Minuten. Pausen müssen mindestens 15 Minuten dauern.
  • Die genannten Zeiten sind Höchstarbeitszeiten. Pausen zählen nicht als Arbeitszeit. Wird ein Auszubildender länger beschäftigt, als es im Ausbildungsvertrag vorgesehen ist (tägliche und wöchentliche Arbeitszeit), so handelt es sich um Überstunden. Für Überstunden besteht ein Anspruch auf Freizeitausgleich oder eine besondere Vergütung.


Ausbildungsmittel
Im neuen Berufsbildungsgesetz wird ausdrücklich klargestellt, dass Fachliteratur unter die Lernmittelfreiheit fällt (§ 14 Abs. 1 Nr. 3 BBiG). Fachliteratur gehört damit wie Werkzeuge und Werkstoffe zu den Ausbildungsmitteln, die der Ausbildungsbetrieb dem Auszubildenden kostenlos zur Verfügung stellen muss. Zur Fachliteratur zählen nicht Schulbücher, Hefte oder Taschenrechner!

Fehlzeiten
Bei einem Ausfall von mehr als 10 Prozent der gesamten Ausbildungszeit in Theorie und/oder Praxis kann grundsätzlich keine Zulassung zur regulären Abschlussprüfung erfolgen. Es entscheidet dann der Zulassungsausschuss.

Richtlinien für das Führen von Ausbildungsnachweisheften
Der schriftliche Ausbildungsnachweis ist monatlich zu führen. Die Tätigkeiten in der Praxis sowie die Unterweisungs- und Berufsschulthemen sind stichwortartig und in einfacher, knapper Form darzustellen. Die Fachberichte sind monatlich in Satzform zu gestalten. Abbildungen, Tabellen, Praxisformulare können unterstützend bei den Ausbildungsberichten herangezogen werden. Es soll eine Verknüpfung zwischen den in der Berufsschule erworbenen theoretischen Kenntnissen und den Tätigkeiten in der Praxis hergestellt werden. Die Themen für die Fachberichte wurden vom Berufsbildungsausschuss vorgegeben. Die Inhalte richten sich nach der Ausbildungsverordnung. Die Fachberichte sind wichtig zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. Als nicht geführt gelten abgeschriebene bzw. kopierte Berichte. Damit wird die Zulassung zur Abschlussprüfung gefährdet.

Hinweise zur Erste-Hilfe-Ausbildung
Der Berufsbildungsausschuss der Ärztekammer Sachsen-Anhalt hat am 18.03.2015 beschlossen, dass im Verlauf der Berufsausbildung eine Erste-Hilfe-Ausbildung von insgesamt 9 Unterrichtseinheiten zu absolvieren ist. Die Auszubildenden müssen diesen Nachweis bis zum Ende des 2. Ausbildungsjahres bei der Ärztekammer vorlegen.

Außerbetriebliche Ausbildung
Alle Auszubildenden müssen während der Ausbildungszeit ein zweimonatiges Praktikum in einer medizinischen Einrichtung einer anderen Fachrichtung absolvieren. Termine können im Verlaufe der Ausbildung festgelegt und durch die Verträge über die außerbetriebliche Ausbildung bekannt gegeben werden. Die Schultage gehören in der außerbetrieblichen Ausbildung mit zum zweimonatigen Praktikum dazu.

Anrechnung bei einem MVZ:
Eine Anrechnung ist möglich, wenn im Medizinischen Versorgungszentrum hausärztliche bzw. hausärztlich-internistische bzw. praktische Abteilungen integriert sind.

Bei einem Praxiswechsel erfolgt eine Einzelfallprüfung.

Der entsprechende Vertrag ist spätestens zwei Wochen vor Beginn der außerbetrieblichen Ausbildungsmaßnahme abzuschließen. Der jeweilige Nachweis (Kopie des Vertrages) ist spätestens zur Anmeldung der Abschlussprüfung vorzulegen.

Abschlussprüfung
Die Ausbildung zum Medizinischen Fachangestellten endet mit einer Prüfung vor dem zuständigen Prüfungsausschuss der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Diese besteht aus zwei Teilen: dem schriftlichen und dem praktischen Teil. Die schriftliche Abschlussprüfung umfasst die drei Bereiche Behandlungsassistenz, Betriebsorganisation und -verwaltung sowie Wirtschafts- und Sozialkunde und dauert insgesamt 300 Minuten (120, 120, 60 min), die praktische Abschlussprüfung maximal 70 Minuten. Für die Durchführung und Abnahme der Prüfungen gilt die von der Ärztekammer Sachsen-Anhalt beschlossene Prüfungsordnung.

Schriftliche Prüfung

Die Anforderungen in den Prüfungsbereichen sind:

1. Behandlungsassistenz

Die gültige Prüfungsordnung formuliert:
„Der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben bearbeiten. Er soll in der Prüfung zeigen, dass er im Bereich der Diagnostik und Therapie Arbeitsabläufe planen und die Durchführung der Behandlungsassistenz beschreiben kann. Dabei soll er gesetzliche und vertragliche Bestimmungen der medizinischen Versorgung, Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Umweltschutz sowie Maßnahmen der Arbeits- und Praxishygiene berücksichtigen. Der Prüfling soll nachweisen, dass er die fachlichen Zusammenhänge verstehen, Sachverhalte analysieren sowie Lösungsmöglichkeiten entwickeln und darstellen kann. Dem Prüfungsbereich sind folgende Gebiete zugrunde zu legen.“

Relevant sind dabei Inhalte des Lernfeldes 3, 4, 5, 8, 9, 10 und 11 des MFA-Lehrplanes.

  • Praxishygiene und Schutz vor Infektionskrankheiten
    - Allgemeine Hygiene
    - Unfallverhütungsvorschriften
    - Infektion/Desinfektion/Sterilisation
    - Immunsystem
    - Impfungen
    - Arbeitsgebiete der Pathologie
    - Bakterielle und virale Infektionskrankheiten
  • Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparates
    - Bau und Funktion
    - Pathologie des Bewegungsapparates
    - Therapie und Diagnostik
  • Allgemeine Pharmakologie
  • Zwischenfälle und Notfallsituationen
    - Anatomie und Physiologie des Herz-Kreislauf-Systems
    - Pathologie von Herz und Kreislauf
    - Untersuchungsinstrumente und Apparate
    - Therapie (Erste Hilfe)
    - Anatomie und Physiologie der Atmungsorgane
    - Pathologie/Diagnostik der Atmungsorgane
  • Anatomie und Physiologie des Blutes
    - Blutbildung
    - Pathologie des Blutes und der blutbildenden Organe
    - Diagnostik
  • Urogenitalsystem
    - Anatomie und Physiologie der Harnorgane
    - Pathologie der Harnorgane
    - Diagnostik
  • Verdauungssystem
    - Anatomie und Physiologie des Verdauungsapparates
    - Pathologie des Verdauungsapparates
    - Pathologie von Leber, Gallenblase und ableitenden Gallenwegen
    - Stoffwechselkrankheiten
    - Diagnostik
    - Diagnostische und therapeutische Geräte
  • Chirurgische Behandlungen und Wundversorgung
    - Anatomie und Physiologie der Haut und Hautanhangsgebilde
    - Hautveränderungen
    - Verletzungen der Haut
    - Allgemeine Pathologie
    - Diagnostik/Therapie
  • Prävention
    - Primäre, sekundäre und tertiäre Prävention

2. Betriebsorganisation und -verwaltung

Die gültige Prüfungsordnung formuliert:
„Der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben bearbeiten. Er soll in der Prüfung zeigen, dass er Betriebsabläufe beschreiben, Arbeitsabläufe systematisch planen sowie interne und externe Koordinierungsaufgaben darstellen kann. Dabei soll er Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Umweltschutz, Maßnahmen der Qualitätssicherung sowie Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten berücksichtigen.“

Relevant sind dabei Inhalte des Lernfeldes 1, 2, 6, 7, 11 und 12 des MFA-Lehrplanes.

  • Arztpraxis als Dienstleistungsunternehmen
    - Gesetzliche und vertragliche Bestimmungen der medizinischen Versorgung
    - Zeitmanagement
    - Arbeiten im Team
    - Marketing
  • Vertragsrecht (berufstypisch)
    - Haftung
    - Behandlungsvertrag
  • Zahlungsverkehr
    - Rechnungsverfahren
    - Mahnverfahren
    - Verjährung
    - Abrechnung erbrachter Leistungen (EBM/GOÄ)
  • Warenbeschaffung und -verwaltung
    - Materialbeschaffung
    - Umgang mit Belegen
    - Zahlungsarten
    - Lagerhaltung (Praxis- und Sprechstundenbedarf)
  • Praxisverwaltung
    - Post
    - Telekommunikation/Anmeldung
    - Verwaltung von Patientendaten/EDV/Datenschutz


3. Wirtschafts- und Sozialkunde

Die gültige Prüfungsordnung formuliert:
„Der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben aus der Berufs- und Arbeitswelt bearbeiten und dabei zeigen, dass er allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge darstellen kann.“
Relevant sind dabei Inhalte des Lernbausteins 3 im Fach Sozialkunde, Inhalte des Lernfeldes 1 und Inhalte des Lernfeldes 12 des Lehrplanes für Medizinische Fachangestellte.

  • Arbeitsrecht/Arbeitswelt der MFA
    - Berufsausbildungsvertrag
    - BBiG
    - Arbeitsvertrag/Arbeitszeugnis
    - Arbeitszeitgesetz
    - Bundesurlaubsgesetz
    - JArbSchG
    - Mutterschutzgesetz
    - Kündigung/Kündigungsfristen/Kündigungsschutz
    - Tarifvertragsrecht
    - Gehaltsabrechnung
    - Grundlagen der Sozialversicherung (Träger, Beiträge, Leistungen)
    - Betriebsverfassungsgesetz
    - Individualversicherung
  • Geldanlage und Vermögensbildung
    - Lebensversicherung
    - Bausparvertrag
    - Vermögenswirksame Leistungen
  • Zahlungsverkehr
    - Girokonten
    - Kreditmöglichkeiten
  • Vertragsrecht
    - Kaufvertrag
  • Allgemeine Rechtsgeschäfte
    - Rechtsordnung, Rechtssubjekte, Rechtsobjekte,
    - Rechtsfähigkeit, Geschäftsfähigkeit
    - Nichtigkeit und Anfechtbarkeit von Rechtsgeschäften


Es handelt sich in der Abschlussprüfung um Multiple-Choice-Aufgaben.

Folgende Hilfsmittel sind zur Prüfung (schriftlich und praktisch) erlaubt und mitzubringen: Taschenrechner, EBM und GOÄ.

Bestehensregeln/Mündliche Ergänzungsprüfung
Sind im schriftlichen Teil der Prüfung die Prüfungsleistungen in bis zu zwei Prüfungsbereichen mit mangelhaft und im weiteren Prüfungsbereich mit mindestens ausreichend bewertet worden, so ist auf Antrag des Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses in einem der mit mangelhaft bewerteten Prüfungsbereiche die schriftliche Prüfung durch eine mündliche Prüfung von höchstens 15 Minuten zu ergänzen, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Der Prüfungsbereich ist vom Prüfling zu bestimmen. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2:1 zu gewichten.

Praktische Prüfung
Komplexe Prüfungsaufgabe (55 Minuten) inklusive Fachgespräch (15 Minuten) => insgesamte Prüfungszeit: 70 Minuten

In der praktischen Prüfung soll der Prüfling gemäß Ausbildungsverordnung und Prüfungsordnung praxisbezogene Arbeitsabläufe entsprechend folgender Aufzählung simulieren, demonstrieren, dokumentieren und präsentieren:

Assistieren bei Diagnose- und Therapiemaßnahmen einschließlich Betreuen des Patienten vor, während und nach der Behandlung, Pflegen, Warten und Handhaben von Geräten und Instrumenten, Durchführen von Hygienemaßnahmen, Abrechnen und Dokumentieren von Leistungen sowie Aufklären über Möglichkeiten und Ziele der Prävention oder Durchführen von Laborarbeiten.

In der Durchführung der Prüfungsaufgabe und im Fachgespräch soll der Prüfling zeigen, dass er mit den Patienten situationsgerecht und personenorientiert kommunizieren, sie sachgerecht informieren und zur Kooperation motivieren kann. Er soll nachweisen, dass er Arbeitsabläufe planen, Betriebsabläufe organisieren, Verwaltungsarbeiten durchführen, Mittel der technischen Kommunikation nutzen, Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit und Belange des Umweltschutzes berücksichtigen sowie die für die Prüfungsaufgabe relevanten fachlichen Hintergründe aufzeigen und die Vorgehensweise bei der Durchführung der Prüfungsaufgabe begründen kann. Darüber hinaus soll er nachweisen, dass er Erste-Hilfe-Maßnahmen an dem Patienten durchführen kann.

Folgende Übersicht enthält die konkreten medizinischen und verwaltungstechnischen Tätigkeiten, welche in den praktischen Prüfungsfällen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt gefordert werden.

  • Desinfektion/Hygiene am Arbeitsplatz
  • Hygienische Händedesinfektion
  • Blutdruckmessung
  • Pulsmessung
  • Ruhe-EKG mit mind. 12 Ableitungen
  • Spirometrie/Peak Flow erklären
  • Vorbereiten einer Blutentnahme/Blutentnahme bis zum Versand durchführen
  • Kapillarblutentnahme
  • Blutzuckermessung (mit Teststreifen)
  • Urinuntersuchung mittels Teststreifen/Urinkultur
  • Rektale Untersuchung vorbereiten (einschl. Abstrich- und Stuhlprobeentnahme)
  • Hämoccult-Test (Verwendung erklären)
  • Gesundheitsuntersuchungen/Krebsfrüherkennung
  • Infusion (auch mit Medikamentengabe) vorbereiten
  • s.c. Injektion (vorbereiten und durchführen)
  • i.m. Injektion (vorbereiten und durchführen)
  • i.v. Injektion (vorbereiten)
  • Impfungen vorbereiten
  • Verabreichen einer sublingualen Applikation
  • Postexpositionsprophylaxe
  • Notfallsituationsgerechte Kommunikation
  • Patientenlagerung bei bestimmten Erkrankungen (z. B.: Autotransfusion, stabile Seitenlage, Kutschersitz ...)
  • Herzdruckmassage
  • Desinfektion einer Wunde
  • Wundabstrich/Wundspülung
  • Wundversorgung vorbereiten
  • Wundverband/Salbenverband anlegen
  • Stützverband/Pütterverband anlegen
  • Nekrosen abtragen (Vorbereitung)
  • Ulcus cruris versorgen (Instrumententisch vorbereiten)
  • Fäden ziehen (vorbereiten und durchführen)
  • Herstellen einer Desinfektionslösung
  • Abrechnung (EBM/GOÄ)
  • Dokumentation/Verwaltung


Bewertungsmaßstab

Die Prüfung ist bestanden, wenn jeweils im praktischen und im schriftlichen Teil der Prüfung sowie innerhalb des schriftlichen Teils der Prüfung in mindestens zwei Prüfungsbereichen mindestens ausreichende Prüfungsleistungen erbracht sind. Werden die Prüfungsleistungen in einem Prüfungsfach mit ungenügend bewertet, ist die Prüfung nicht bestanden.

Bewertungsmaßstab, Note
100 % – 92 %: 1
Unter 92 % – 81 %: 2
Unter 81 % – 67 %: 3
Unter 67 % – 50 %: 4
Unter 50 % – 30 %: 5
Unter 30 %: 6

Freistellung für Bewerbungen
Denjenigen, denen wenig oder keine Aussicht auf Übernahme gemacht wurde, muss die Gelegenheit gegeben werden, sich noch während des Berufsausbildungsverhältnisses nach einem Arbeitsplatz umzuschauen. Der Arbeitgeber hat dem Auszubildenden dafür laut § 629 BGB auf Verlangen angemessene Freizeit (unter Fortzahlung der Ausbildungsvergütung) zu gewähren, erforderlichenfalls sogar mehrfach.

Prüfung absolviert – wie geht‘s weiter?
In der Neufassung des § 37b SGB III sind Auszubildende, deren Ausbildungsverhältnis endet, verpflichtet, sich spätestens drei Monate vor dessen Beendigung persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend zu melden. Die Pflicht der Meldung besteht unabhängig davon, ob der Fortbestand des Ausbildungsverhältnisses gerichtlich geltend gemacht oder vom Arbeitgeber in Aussicht gestellt wird. Liegen zwischen der Kenntnis des Beendigungszeitpunktes und der Beendigung des Ausbildungsverhältnisses weniger als drei Monate, hat die Meldung innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis des Beendigungszeitpunktes zu erfolgen. Bei Nichterfüllung der Meldeverpflichtung entfallen die Arbeitsförderungsleistungen für die Dauer von einer Woche ersatzlos.

Abschlussprüfung nicht bestanden – was nun?
Die Abschlussprüfung ist eine Art Gütesiegel einer Berufsausbildung und entsprechend anspruchsvoll. Es kann folglich passieren, dass Prüflinge durchfallen. Sicher, das ist ärgerlich und keine schöne Erfahrung – aber es ist auch kein Weltuntergang.
Bis zu zweimal kann jeder Auszubildende die Abschlussprüfung wiederholen und zwar stets zu den turnusgemäßen Prüfungsterminen (Sommer oder Winter). In der Zwischenzeit heißt es dann, gut zu lernen und sich auf die Wiederholungsprüfung vorzubereiten. Prüfungsteile bzw. Prüfungsbereiche, die mit ausreichend bewertet wurden, müssen nicht wiederholt werden, wenn die Wiederholungsprüfung in den übrigen Prüfungsteilen innerhalb von zwei Jahren nach dem Nichtbestehen der ersten Prüfung erfolgt. Dazu wird ein schriftlicher Antrag bei der Ärztekammer Sachsen-Anhalt gestellt.

Verlängerung der Ausbildung
Auszubildende, die die Abschlussprüfung nicht bestanden haben, haben Anspruch, ihr Ausbildungsverhältnis um maximal ein Jahr zu verlängern (§ 21 Berufsbildungsgesetz).
Dies passiert jedoch nicht automatisch, sondern der Auszubildende muss seine Absicht dazu gegenüber seinem Ausbildenden erklären. Auch die Ärztekammer Sachsen-Anhalt muss über die Verlängerung der Ausbildung informiert werden. Die Verlängerung der Ausbildungszeit ist für den Azubi jedoch nicht zwingend. Der Auszubildende kann die Prüfung auch wiederholen, indem er nicht weiter in der Praxis lernt, sondern sich lieber im Selbststudium auf die Wiederholungsprüfung vorbereitet.

Berufsschulbesuch
Wird die Ausbildungszeit verlängert, dann ist der Azubi weiterhin zum Besuch der Berufsschule verpflichtet. Verlängert sich die Ausbildungszeit nicht, ist dies nicht der Fall. Vielleicht möchte der Azubi dennoch weiter am Berufsschulunterricht teilnehmen. Einen Anspruch darauf hat der Auszubildende ohne Ausbildungsvertrag nicht, doch lohnt es sich das Anliegen der Berufsschule vorzutragen. Die Schulen haben eigene Ermessensspielräume und können unter Umständen auch ohne Ausbildungsverhältnis die Teilnahme am Unterricht ermöglichen.

Prüfungstermine
Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt führt MFA-Abschlussprüfungen zweimal jährlich durch, im Winter und im Frühsommer. Die nächste Abschlussprüfung findet zu folgenden Terminen statt.
Schriftliche Prüfung: 08.05.2021
Praktische Prüfung: 15.06.2021 – 28.06.2021

Am Tag der schriftlichen Prüfung erhält jeder Prüfling den Termin seiner praktischen Prüfung. Am letzten Prüfungstag erhalten die Auszubildenden vom Prüfungsausschuss eine Bestätigung über das Bestehen (oder Nichtbestehen) der Prüfung. Das Ausbildungsverhältnis endet mit dem Tag der Bekanntgabe des Ergebnisses durch den Prüfungsausschuss. Bei Übernahme des Medizinischen Fachangestellten muss der Arbeitsvertrag zum Tag nach der Prüfung geschlossen werden. Wird der Medizinische Fachangestellte nicht in ein Beschäftigungsverhältnis übernommen, endet die Ausbildung und somit die Beschäftigung in der Ausbildungspraxis am Prüfungstag. Das im Berufsausbildungsvertrag vereinbarte Datum der Beendigung der Ausbildung hat nur noch Bedeutung für den Fall, dass die Abschlussprüfung nicht bestanden wurde oder keine Anmeldung bzw. keine Teilnahme an der Abschlussprüfung erfolgte.

Weiterbildungsstipendium
Das Weiterbildungsstipendium unterstützt junge Menschen nach dem besonders erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung bei der weiteren beruflichen Qualifizierung. Fachliche Lehrgänge, fachübergreifende Weiterbildungen und unter bestimmten Voraussetzungen auch ein berufsbegleitendes Studium werden gefördert.
Das Weiterbildungsstipendium ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die Stiftung für Begabtenförderung berufliche Bildung Gemeinnützige Gesellschaft mbH (SBB) koordiniert im Auftrag und mit Mitteln des BMBF die bundesweite Durchführung. Absolventen einer dualen Ausbildung bewerben sich bei der Stelle, bei der ihr Berufsausbildungsvertrag eingetragen war.

Voraussetzung für eine Bewerbung ist, dass der Absolvent eine Ausbildung in einem anerkannten dualen Ausbildungsberuf auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), der Handwerksordnung (HwO) oder in einem bundesgesetzlich geregelten Fachberuf im Gesundheitswesen absolviert hat. Die Aufnahme ist bis zum Alter von 24 Jahren möglich. Durch Berücksichtigung eines Freiwilligendienstes, von Elternzeit u. a. kann die Aufnahme auch bis zu drei Jahre später erfolgen. Ein Anspruch auf Aufnahme besteht nicht.

Absolventen haben drei Möglichkeiten, ihre Qualifizierung für das Weiterbildungsstipendium nachzuweisen:

  • Der Absolvent hat die Berufsabschlussprüfung mit mindestens 87 Punkten oder besser als „gut“ (bei mehreren Prüfungsteilen Durchschnittsnote 1,9 oder besser) bestanden.
  • Der Absolvent ist bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb unter die ersten drei gekommen.
  • Der Absolvent weist seine besondere Qualifikation durch einen begründeten Vorschlag des Arbeitgebers oder der Berufsschule nach.

Zum Zeitpunkt der Bewerbung muss der Absolvent entweder mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden berufstätig oder bei der Arbeitsagentur als arbeitssuchend gemeldet sein. Vollzeitstudierende ohne regelmäßige Berufstätigkeit und Hochschulabsolventen können nicht aufgenommen werden.

Das Weiterbildungsstipendium wird für einen festen Zeitraum gewährt. Es beginnt mit dem Tag der Aufnahme in das Programm, der dem Absolventen in einem Aufnahmeschreiben bestätigt wird. Ab diesem Zeitpunkt ist der Absolvent „Stipendiat“ des Programms und kann gefördert werden. Das Stipendium gilt für das Aufnahmejahr und zwei Folgejahre. Das heißt, das Aufnahmejahr gilt immer – unabhängig vom konkreten Aufnahmetermin – als erstes Förderjahr. Das Stipendium endet regelmäßig am 31. Dezember des übernächsten Jahres. Die Mittel für das Stipendium stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereit. Innerhalb des Förderzeitraums können Zuschüsse von insgesamt 8.100 Euro für beliebig viele förderfähige Weiterbildungen beantragt werden. Das sind jährlich ca. 2.700 Euro – bei einem Eigenanteil von 10 Prozent je Fördermaßnahme. Der Eigenanteil schmälert nicht den Gesamtförderbetrag von 8.100 Euro.

Interessenten für die Mitarbeit im Prüfungsausschuss für die Berufsausbildung der Medizinischen Fachangestellten gesucht

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt ist zuständig für die Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten und nimmt u. a. Informations-, Beratungs-, Aufsichts- und Prüfungs-funktionen wahr. Für die Durchführung der praktischen Abschlussprüfungen der Medizinischen Fachangestellten werden Prüfungsausschüsse, die je Ausschuss aus mindestens drei Prüfern bestehen, aufgestellt. Der Ausschuss setzt sich aus den folgenden Mitgliedern zusammen:

  • einem Arzt als Beauftragter der Arbeitgeber
  • einer Arzthelferin oder einer Medizinischen Fachangestellten als Beauftragte
  • einem Lehrer einer berufsbildenden Schule.


Halbjährlich finden die praktischen Abschlussprüfungen – im Januar und Juni – in den Prüfungsräumen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt in Magdeburg statt. In zwei Räumen, die als „Miniarztpraxen“ eingerichtet wurden, kann unter realistischen Bedingungen praxisnah geprüft werden. Die Tätigkeit im Prüfungsausschuss ist ehrenamtlich. Für bare Auslagen und Zeitversäumnis wird, soweit eine Entschädigung von anderer Seite nicht gewährt wird, eine angemessene Entschädigung gezahlt, deren Höhe von der Ärztekammer mit Genehmigung der obersten Landesbehörde festgesetzt ist. Für die Abnahme der praktischen Abschlussprüfungen werden interessierte Ärzte gesucht. Wünschenswert wären Erfahrungen in der Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten. Bei Interesse können Sie sich gern an Nicolle Ebert und Kerstin Uterwedde, Mitarbeiterinnen des Referates MFA der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, wenden. Telefonisch sind sie unter 0391 6054-7920 bzw. 0391 6054-7900 oder per Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar.

Kerstin Uterwedde
Referatsleiterin MFA

* Aus Gründen der Lesbarkeit werden die männliche und weibliche Form alternierend verwendet.