Der Pandemie zum Trotz: Notarztkurs Halle/Merseburg

Die Pandemie hat neben den weitreichenden Folgen für die Gesellschaft allgemein und die Versorgung von Patientinnen und Patienten in den letzten Monaten auch großen Einfluss auf die ärztliche Weiterbildung genommen. Einerseits waren viele Ärztinnen und Ärzte von Ihren Dienststellen nicht abkömmlich, weil sie vor Ort in jeder Minute für die Versorgung von Patientinnen und Patienten gebraucht wurden. Andererseits mussten viele Kurse abgesagt werden, weil die Eindämmungsverordnungen sie nicht zuließen oder Hygienekonzepte keine Zustimmung fanden. Von dieser Entwicklung betroffen waren vor allem Veranstaltungen mit mehrtägigem Verlauf.


Hoher Weiterbildungsbedarf um die notärztliche Versorgung

In der Folge dieser Einschränkungen kam die Ärztliche Weiterbildung in einigen Bereichen, die abhängig von der Teilnahme an mehrtägigen Kursen sind, während der zweiten und dritten Pandemiewelle nahezu zum Erliegen. Ein Beispiel dafür ist die Weiterbildung zum Erwerb der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Hier besteht ein hoher Weiterbildungsbedarf, um die notärztliche Versorgung in unserem Bundesland sicherzustellen. Die Voraussetzung zum Erwerb der Zusatzbezeichnung ist die Teilnahme an einem 80-Stunden-Kurs. Diese so genannten „Notarztkurse“ sind seit Beginn der Pandemie in vielen Teilen Deutschlands ausgefallen, viele Kliniken hätten aufgrund der genannten Ursachen ohnehin kaum geeignete Teilnehmer entsenden können. Nun, mit Abklingen der dritten Pandemiewelle, entsteht ein hoher Druck, die Defizite der Notarzt-Weiterbildung der letzten Monate aufzuholen.

Der bereits seit längerer Zeit für September 2021 geplante Notfallmedizin-Kurs in Magdeburg ist bereits ausgebucht. Mit dem Ziel, schnellstmöglich neue Weiterbildungskapazitäten zu schaffen und die zukünftig in unserem Bundesland eingesetzten Notärzte auch regional auszubilden, entstand so die Idee, einen zusätzlichen Notarztkurs der Landesärztekammer im Süden des Landes anzubieten. Dank enger Abstimmung zwischen der Ärztekammer mit der Fach- und Prüfungskommission „Notfallmedizin“ und der Abteilung Fortbildung, der Kassenärztlichen Vereinigung (gesetzlich verantwortlich für die Notarztgestellung in Sachsen-Anhalt) und den Initiatoren vor Ort wurde aus der Idee Ende März die Durchführung des Kurses im Juni Wirklichkeit.


Wirklichkeitsnahe Ausbildung zukünftiger Notärzte

Eine besondere Herausforderung dabei war das im Oktober 2020 erschienene neue Musterkursbuch „Allgemeine und spezielle Notfallbehandlung“ der Bundesärztekammer, welches die Kursdurchführung regelt. Wichtigste Neuregelung des Kursbuches war dabei ein Praxisanteil von ca. 50 %. Die Umsetzung einer Praxis-Ausbildung in Kleingruppen mit Inhalten aus allen Bereichen der Notfallmedizin ist dabei für alle Ausrichter der 80-Stunden-Kurse eine sehr große organisatorische, materielle, personelle und didaktische Herausforderung. Diese konnte durch eine Ausrichtung im Dorothea-Erxleben-Lernzentrum am Medizincampus Magdeburger Straße in Halle realisiert werden. Hier finden sich alle Voraussetzungen für eine wirklichkeitsnahe Ausbildung zukünftiger Notärzte: neben zahlreichen Möglichkeiten zur Übung medizinischer Notfallsituationen, können Geburten, Kinder-Notfälle, Schockraum-Situationen und Einzelfertigkeiten wie Thoraxdrainagen, Notfallkoniotomien und Spezialzugänge trainiert werden. Durch Schauspielpatienten werden wirklichkeitsnahe Einsatz-Situationen von Gewaltkonfrontation über Reanimationsumgebungen bis hin zu Schockraum-Kommunikation simuliert. Ergänzt wird die wirklichkeitsnahe Ausbildung durch die Simulation von Leichenschau und Großschadenslagen in Virtueller Realität. Die Fachvorträge zur theoretischen Wissensvermittlung wurden durch Referenten zahlreicher Kliniken, Niedergelassene, Vertreter der KV und – per Videostream – internationale Referenten beigesteuert.

Notarztkurs Halle/MerseburgUnter Einhaltung eines konsequenten Hygienekonzeptes war es somit möglich, vom 3. bis 11.06.2021 22 Teilnehmern in einem Kursformat, das die aktuellen Empfehlungen der Bundesärztekammer umsetzt, das notärztliche Handwerkszeug zu vermitteln. Abgerundet wurde der modular aufgebaute Ausbildungs-Mix aus Fachvorträgen und wirklichkeitsnahen Einsatzsimulationen durch einen Praxis-Ausbildungstag bei der Berufsfeuerwehr Halle (Saale). Hier wurden abschließend Möglichkeiten technischer Rettung und die wichtige Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und anderen Hilfsorganisationen trainiert. Die sehr detaillierte Evaluation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lässt den immensen Aufwand der Organisation einer solchen Großveranstaltung innerhalb weniger Wochen lohnenswert erscheinen: mit einer durchschnittlichen Gesamtschulnote von 1,2 über alle Module wurde das Ziel einer praxisnahen Ausbildung, die Wissen schafft und Vorfreude auf die notärztliche Tätigkeit macht, offenbar erreicht.

Harmut Stefani,
Dietrich Stoevesandt,
Karsten zur Nieden,
Mathias Rudzki


Korrespondenzanschrift:
Dr. med. Hartmut Stefani, Leitender Arzt
Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis gGmbH, Zentrum für Notfallmedizin
Weiße Mauer 52, D-06217 Merseburg
Tel.: 03461 273200, Fax: 03461/273202
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Web: www.klinikum-saalekreis.de

Fotos: Dorothea-Erxleben-Lernzentrum Halle