Professor Dr. med. habil. Walter Brandstädter
Professor Dr. med. habil. Walter Brandstädter

Am 21. Oktober 2021 feierte Herr Professor Dr. Walter Brandstädter seinen 90. Geburtstag. Der spätere Mitbegründer und erste Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt wurde in Lyck (Ostpreußen) geboren. Nach der gemeinsamen Flucht mit seiner Familie zum Ende des 2. Weltkrieges, begann er in Mecklenburg zunächst eine Handwerkslehre. Später konnte er sein Abitur nachholen, um 1952 das Medizinstudium in Jena beginnen zu können. Nach dem Physikum wechselte Herr Brandstädter an die neu gegründete Medizinische Akademie Magdeburg. Der Student war von den Professoren Emmrich, Perlick und Lembke begeistert. Als Vorbild blieb ihm nicht zuletzt der Mikrobiologe Hudemann in Erinnerung.

Nach Beendigung seines Studiums im Jahr 1957 promovierte Herr Brandstädter mit seiner Arbeit „Über Blutungen im Postklimakterium und in der Menopause unter der Berücksichtigung der gutartigen Blutungsursachen und der Abrasionsergebnisse“.

Während seiner Facharztweiterbildung im Bereich „Bakteriologie und Serologie“ weckte Prof. Hudemann sein Interesse für das neu geschaffene Gebiet „Transfusionsmedizin“. Hier war Prof. Brandstädter bereits während seiner Weiterbildung mit dem Aufbau einer Blutbank und einem Institut für Transfusionsmedizin an der Medizinischen Akademie Magdeburg betraut. Er leitete dieses von der Medizinischen Akademie unabhängige Bezirksinstitut für Blutspende- und Transfusionswesen ab 1963. Das Institut wurde nach 1989 unter seinem Direktorat 1993 Teil der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums.

Bereits 1969 konnte Prof. Brandstädter unter dem Titel „Probleme der Transfusionsbakteriologie“ die erste Habilitationsschrift in der Transfusionsmedizin in Deutschland verteidigen. Die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Tätigkeit wurden in zahlreichen Publikationen veröffentlicht. Prof. Brandstädter wurde im Jahr 1972 zum Honorardozenten und später zum Honorarprofessor für Blutspende- und Transfusionswesen an der Medizinischen Akademie Magdeburg ernannt. In seiner Arbeit als Institutsdirektor betreute er viele Doktoranden und einen Habilitanden. Zudem war Prof. Brandstädter von 1969 bis 1971 Vorsitzender der Gesellschaft für Hämatologie und Transfusionsmedizin der DDR und seit 1973 Mitglied der Arzneibuchkommission der DDR.
Frühzeitig engagierte er sich für die Fortbildung der Ärzte in der Transfusionsmedizin und die Qualitätssicherung ärztlicher Arbeit. Stets forderte er, dass diese in Eigenverantwortung der Ärzte durchgeführt werden sollte.

Zum Jahreswechsel des Jahres 1989/1990 wurde er zu einer führenden Person der demokratischen Umgestaltung des Gesundheitswesens. Mit Gleichgesinnten gründete er 1990 die Ärztekammer. Er wurde ihr Vorsitzender und von der Kammerversammlung zum ersten Präsidenten der Ärztekammer Sachsen-Anhalt gewählt.

Im Rahmen des ersten gesamtdeutschen Ärztetages 1991 in Hamburg, bewegte er viele der Delegierten und Gäste mit seiner Grundsatzrede. Er engagierte sich ab 1995 als Vizepräsident der Bundesärztekammer, in deren Ausschüssen und in der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Sein Arbeitsstil war stets von seinen organisatorischen Fähigkeiten und seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn geprägt.

Seine Präsidentschaft endete 1999 nach achtjähriger Amtszeit. Im selben Jahr würdigte die Kammerversammlung seine Verdienste beim Aufbau der Körperschaft und wählte ihn zum Ehrenpräsidenten der Ärztekammer Sachsen-Anhalt.

Im Rahmen des 104. Deutschen Ärztetages im Jahr 2011 wurde Herr Professor Dr. Brandstädter in Ludwigshafen mit der Paracelsus-Medaille der Deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet. In seiner Rede blickte er auf die Leistung der Ärzteschaft in der DDR zurück und forderte eine Würdigung ihrer Leistungen ein. Nach dem historischen Rückblick erklärte er: „Paracelsus sollte für uns aber nicht nur verblasste Medizingeschichte sein. Wir finden in seiner Arbeit Vergleichbarkeit mit unserer derzeitigen Tätigkeit und auch zukunftsweisende Gedanken. So versuchte Paracelsus, die Widersprüche zwischen Buchautorität und der Realität zu lösen. Er (…) betrachtete Bücher als Hindernis für den Fortschritt (…) verlegte das theoretisch orientierte Universitätsstudium an das Krankenbett (…) Vielleicht fehlt uns heute der durchsetzungsfähige Paracelsus.“

Er beendete seine Rede mit den Worten: „Unsere moderne, reiche und aufgeklärte Gesellschaft befindet sich in einem ungeheuren Aufbruch und Wertewandel – leider auch der ethischen Werte. Wir appellieren an die Ärzteschaft und unsere Öffentlichkeit, dass die Grundlagen des ärztlichen Handelns, wie sie beginnend im Eid des Hippokrates und letztlich im Gelöbnis zu unserer Berufsordnung formuliert worden sind, auch unter den Bedingungen der fortschreitenden Globalisierung nicht verlassen werden.“

Die Rolle der Ärzteschaft in der Gesellschaft war zugleich das Hauptthema seiner Ansprache auf dem 109. Deutschen Ärztetag in Magdeburg.
Auch nach der beruflichen Tätigkeit, engagierte sich der Ehrenpräsident in  der Kammerarbeit, wie als Gast der Vorstands- und Kammerversammlung oder wie bis vor Kurzem noch in seiner Tätigkeit im Redaktionsbeirat.

Entspannung findet Herr Prof. Brandstädter im Kreise seiner Familie oder beim Angeln auf seinem Boot an den Havelseen.


Sehr verehrter Herr Ehrenpräsident, Professor Dr. Walter Brandstädter, wir gratulieren Ihnen von Herzen zu Ihrem Ehrentag. Für Ihr unentwegtes Engagement für die Ärzteschaft danken wir Ihnen und wünschen Ihnen für die Zukunft vor allem Gesundheit und eine schöne Zeit mit Ihrer Familie und Freunden.
 
Prof. Dr. Uwe Ebmeyer
Dr. Peter Eichelmann

Foto: Archiv