Ärztekammer Sachsen-Anhalt warnt vor Chaos bei der Digitalisierung
Risiken & Nebenwirkungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Die Ärzteschaft in Sachsen-Anhalt warnt geschlossen vor einem drohenden Chaos bei der Digitalisierung in der Medizin. In der heutigen Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, die in Magdeburg stattfand, diskutierten die Delegierten über das schleppende Vorankommen der Digitalisierung in der Medizin. Am Ende forderten sie die Politik in einer Entschließung einstimmig dazu auf, die verpflichtende Einführung digitaler Anwendungen zu verschieben. „Digitalisierung kann und muss einen Mehrwert für Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Arzt darstellen. Eine Einführung unter Zwang, trotz aller technischen Probleme, wird die Akzeptanz digitaler Anwendungen auf ein Minimum reduzieren“, so Prof. Uwe Ebmeyer, Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt.

Die Digitalisierung in der Medizin, als Hauptprojekt des scheidenden Bundesgesundheitsministers, soll nach einem stringenten Zeitplan umgesetzt werden. Aktuell betrifft dies insbesondere die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und des elektronischen Rezeptes (eRezept). Bei Testphasen zu deren Funktionsfähigkeit wurden jedoch erhebliche Schwachstellen deutlich. Der Bundesgesetzgeber verlangt dennoch deren Umsetzung, was die Ärzteschaft in Sachsen-Anhalt deutlich kritisiert. „Ziel der Digitalisierung in der Medizin muss die Gewährleistung eines schnelleren Informationsflusses, vereinfachte Arbeitsabläufe und eine Entbürokratisierung sein. Dies zu gewährleisten, konnte bisher nicht umgesetzt werden. Es bedarf Unterstützung bei der Umsetzung und keine Sanktionen in Form von Kürzungen!“, so der Kammerpräsident. Er nimmt dabei darauf Bezug, dass Ärztinnen und Ärzten Sanktionen drohen, wenn diese die digitalen Anwendungen nicht umsetzen und dies, obwohl die technischen Probleme nicht gelöst sind. „Ärztinnen und Ärzte haben in der Pandemie Außerordentliches geleistet und zugleich ihren Teil dazu beigetragen, die Voraussetzungen für die digitalen Anwendungen zu schaffen. Die technischen Probleme haben Sie nicht in der Hand. Wer der Ärzteschaft nun mit Sanktionen droht, dem werfe ich mangelnde Sachkenntnis und Wertschätzung unserer Arbeit vor“, so Ebmeyer weiter.

Den Entschließungstext finden Sie auf unserer Internetseite www.aeksa.de unter der entsprechenden Pressemitteilung.



Ärztekammer Sachsen-Anhalt zur epidemiologischen Lage
Ärzte rufen zur Impfung auf

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt verfolgt mit großer Sorge die Entwicklung der Infektionen mit dem SARS-CoV2-Erreger. Sowohl die Entwicklung der Inzidenzen im Land, als auch die zunehmende Belastung der medizinischen Gesundheitsversorgung, verlangen nach Entscheidungen der Politik. Die Gesundheitsämter sind mittlerweile nicht mehr in der Lage, durch Rückverfolgung die Infektionsketten überwiegend zu identifizieren. Damit sind die Infektionen weitgehend außer Kontrolle.

Aufgrund der epidemiologischen Lage appellieren die Vertreter der Ärzte in Sachsen-Anhalt nachdrücklich an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen. Die Inzidenzen steigen, gerade unter ungeimpften Personen, exponentiell. Die stationäre Versorgung stößt schon heute an ihre Belastungsgrenzen. Maßnahmen zur Eindämmung der epidemiologischen Lage, wie das Tragen des medizinischen Mund-Nasen-Schutzes, das Einhalten von Abstand oder die Kontaktminimierung müssen wieder verstärkt in den Fokus der Bevölkerung rücken. Zur Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens und zum Schutz gefährdeter Personen appelliert die Ärzteschaft an das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen. Zudem empfiehlt die Ärztekammer geschlossen die COVID-Impfung. Hierzu können verbleibende Bedenken bei Ungeimpften durch verstärkte Aufklärung, insbesondere über die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), genommen werden. Zugleich empfiehlt die Ärztekammer die zeitnahe und umfassende Umsetzung der Auffrischungsimpfung.

Die Ärztekammer ist der Auffassung, dass das 2-G-Modell eine geeignete Möglichkeit darstellt, Infektionsketten zu vermeiden. Sie unterstützt die Möglichkeit für Veranstalter und in der Gastronomie, das 2-G-Zugangsmodell anzuwenden.



Ärztekammer Sachsen-Anhalt kritisiert jahrelange Unterfinanzierung
Stationäre kinder- und jugendmedizinischen Versorgung in Gefahr

Die Ärztinnen und Ärzte in Sachsen-Anhalt kritisierten die jahrzehntelange Unterfinanzierung der stationären kinder- und jugendmedizinischen Versorgung, die nun erhebliche Kapazitäts- und Versorgungsprobleme verursacht. In der heutigen Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, machen sie deutlich, dass eine zufriedenstellende kinder- und jugendmedizinische Versorgung so nicht mehr gewährleistet werden könne. Bedingt durch die erheblichen Mehrbelastungen im Zusammenhang mit der COVID-Pandemie, verschärft sich diese Situation zusehends. "Durch die kontinuierliche Rationalisierung der stationären kindermedizinischen Behandlungskapazitäten der vergangenen Jahre, droht Sachsen-Anhalt ein Versorgungsengpass", so Prof. Uwe Ebmeyer, Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. „Die Kinder-Intensivmedizin ist dabei im besonderen Maß betroffen, denn hier stehen keine Reservekapazitäten, wie es in der Erwachsenen-Intensivmedizin der Fall ist, zur Verfügung“, so Ebmeyer weiter. Eine Zunahme diverser Krankheitsbilder bei Kindern und Jugendlichen ist bereits jetzt zu verzeichnen, die auch durch COVID-Eindämmungsmaßnahmen steigen und über Jahre hinweg ambulante und stationäre Behandlungskapazitäten beanspruchen werden, obwohl diese schon jetzt nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Die drohenden Kapazitätsengpässe veranlassten die Ärztekammer die Politik in einer Entschließung dazu aufzufordern, eine zukunftsorientierte Finanzierung der sachsen-anhaltischen Kinderkliniken und -stationen kurzfristig zu realisieren und so zu strukturieren, dass die hohen Vorhaltekosten und Auslastungsschwankungen ausgeglichen werden können. Eine erhebliche Mehrbelastung von kinder- und jugendmedizinischen Praxen und Kliniken, die durch die dramatische Häufung ausgeprägter Atemwegsinfektionen im Zusammenhang mit COVID-19 verstärkt wurde, führt bereits seit Mitte des Jahres zu bedrohlichen Kapazitätsproblemen, die voraussichtlich über Monate hinweg andauern werden.

Den Entschließungstext finden Sie auf unserer Internetseite www.aeksa.de unter der entsprechenden Pressemitteilung.