Prof. Dr. med. habil. Udo Rebmann bedankte sich für das Ehrenzeichen
Prof. Dr. med. habil. Udo Rebmann bedankte sich für das Ehrenzeichen

Die kürzlich gewählte Kammerversammlung traf sich am 6. November unter Berücksichtigung der geltenden Hygiene- und Abstandregelungen zur 2. Sitzung der VIII. Wahlperiode im Haus der Heilberufe in Magdeburg.

Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt wurde verliehen

Die Sitzung wurde eingeleitet mit der Ehrung und Würdigung zweier herausragender Persönlichkeiten, die sich für die ärztliche Selbstverwaltung verdient gemacht haben.

„Professor Rebmann ist ein Arzt und Kollege, der sich stets über seine ärztlichen Verpflichtungen hinaus berufspolitisch sehr eingebracht hat.“

Vizepräsident Thomas Dörrer ehrte Dr. med. Anna-Elisabeth Hintzsche
Vizepräsident Thomas Dörrer ehrte Dr. med. Anna-Elisabeth Hintzsche

Im festlichen Rahmen, der von einem Streicher-Duo musikalisch begleitet wurde, ehrte der Präsident der Ärztekammer, Professor Dr. Uwe Ebmeyer, das Schaffen und Engagement von Professor Dr. Udo Rebmann.

In seiner Laufbahn bewegte er viel für die Ärztinnen und Ärzte Sachsen-Anhalts. Der Kammerpräsident dankte ihm für sein, neben der Tätigkeit als Chefarzt und ärztlicher Direktor, berufspolitisches Wirken als Vorstandsmitglied, Delegierter des Deutschen Ärztetages, Mitglied und späterer Vorsitzender der Fach- und Prüfungskommission für das Gebiet der Urologie. Besonders hob er das Engagement von Prof. Dr. Rebmann auf dem Gebiet der ärztlichen Weiterbildung auf Bundes- und Landesebene als Vorsitzender des Weiterbildungsausschusses und Vertreter der Kammer in den Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer hervor.

„Frau Dr. Hintzsche verfolgte mit ihrer berufspolitischen Arbeit das Ziel, die Verbesserung der Wahrnehmung und Gleichstellung der Allgemeinmedizin mit anderen Fachrichtungen voranzutreiben“

Herr Thomas Dörrer, Vizepräsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, ehrte Frau Dr. med. Anna-Elisabeth Hintzsche in seiner Laudatio und unterstrich ihren unermüdlichen Einsatz in der  hausärztlichen Weiterbildung und für die Ärzte in Weiterbildung und ihre einmalige menschliche Art und Weise.

Dr. med. Anna-Elisbath Hintzsche bedankte sich für das Ehrenzeichen
Dr. med. Anna-Elisbath Hintzsche bedankte sich für das Ehrenzeichen

Im Anschluss dankte der Präsident Herrn Dr. Peter Eichelmann für dessen jahrelanges unermüdliches Engagement für die Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Herr Dr. Eichelmann war seit 1990 Mitglied der Kammerversammlung und Vorsitzender der Geschäftsstelle Magdeburg und ist nach über dreißigjähriger berufspolitischer Tätigkeit mit dem Ende der letzten Wahlperiode aus allen Ämtern ausgeschieden.

Mit den Ausführungen des Präsidenten zur aktuellen politischen Lage wurde der offizielle Teil der Sitzung eröffnet. Dabei nahm er Bezug auf die gesundheitspolitischen Entwicklungen in Sachsen-Anhalt und die von der Landespolitik avisierte umfassende Analyse des Gesundheitssektors mit dem Ziel, ein „Krisenfestes Gesundheitssystem, sektorübergreifende Versorgung“ den Bürgerinnen und Bürgern gewährleisten zu können. Als größte Herausforderung verwies er dabei auf die zentrale Rolle der zukünftigen ländlichen Versorgung. Die Digitalisierung eröffne dabei große Chancen, die man nutzen müsse.

Danksagung an Dr. med. Peter Eichelmann (r.)
Danksagung an Dr. med. Peter Eichelmann (r.)

Sektorübergreifende Zusammenarbeit könne durch digitale Tools unterstützt werden, um den Arbeitsalltag aller Gesundheitsakteure zu erleichtern. Einen weiteren Schwerpunk legte er auf die Nachwuchssicherung, die oberste Priorität haben müsse. Die alte Forderung der Kammer nach der Erhöhung der Verbleibens-Quote der Medizinstudierenden muss wieder in den Fokus der Anstrengungen rücken und ebenso muss die Studienkapazität erweitert werden.

„Unsere Landesregierung hat sich für den Gesundheitssektor sehr viel vorgenommen. Als Ärztekammer werden wir uns in die Umsetzungsprozesse konstruktiv aber ggf. auch konfliktiv einbringen.“


Auf Bundesebene, so erörterte Professor Ebmeyer weiter, werden die Sondierungsgespräche verfolgt und kritisch bewertet, welche Punkte letztendlich Einzug in den Koalitionsvertrag halten werden. Die Forderungen der Ärzteschaft gegenüber der künftigen Bundesregierung wurden in einem 12-Punkte-Papier zusammengefasst und waren Teil der Diskussionen auf dem 125. Deutschen Ärztetag.

Der Kammerpräsident äußerte sich zur aktuellen Gesundheitspolitik
Der Kammerpräsident äußerte sich zur aktuellen Gesundheitspolitik

Er ging zudem auf die Ergebnisse der Klausurtagung ein, die am 15. und 16. Oktober in Magdeburg stattfand. Hierzu gehört ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Land und beiden medizinischen Fakultäten. Dieses soll zukünftige Abiturientinnen und Abiturienten des Landes, die sich für das Medizinstudium interessieren, beim Bewerbungsprozess an den anhaltischen Universitäten unterstützen, um ein Studium und ein Verbleib im Land zu ermöglichen.

Ein weiterer Punkt waren kritische Versorgungsbereiche, die nicht weiter von betriebswirtschaftlichen Überlegungen dominiert werden dürfen. Es entstand die ausdrückliche Forderung nach finanzieller Sicherstellung dieser Bereiche.

Abschließend thematisierte er die anbrechende vierte Corona-Welle und die damit entstehende Verknappung der Versorgungskapazitäten. Er stellte noch einmal deutlich heraus, dass alle Gesundheitsakteure bisher Außergewöhnliches geleistet haben, der Preis dafür sehr hoch war und nun ein noch nie dagewesener Personalengpass zu schließen sei.

v. l.: Dr. rer. medic. Alexander Kluttig und Andreas Wolter
v. l.: Dr. rer. medic. Alexander Kluttig und Andreas Wolter

Geschäftsführung der KKR gGmbH stellt sich vor

Die neuen Geschäftsführer der Klinischen Krebsregister Sachsen-Anhalt gGmbH, Dr. rer. medic. Alexander Kluttig und Andreas Wolter, nutzen die Gelegenheit sich der Kammerversammlung persönlich vorzustellen und von ihren ersten Eindrücken aus der Arbeit im Krebsregister zu berichten. Nachdem der Eintrag in das Handelsregister erfolgt ist, werden sie vollumfänglich einsatzfähig sein und ihr Handlungsspektrum zielführend nutzen können, um die Arbeit des KKR zügig voranzutreiben.


Entschließungen

Im Ergebnis der Aussprache zur aktuellen berufspolitischen Lage wurden vier Entschließungen von Kammerversammlung verabschiedet.

Kritisch hinterfragt wurde das aktuelle Vorgehen zur Digitalisierung in der Medizin. Daraus resultierte die Forderung, die Einführung von den digitalen Anwendungen solange zurückzustellen, bis diese ihre einwandfreie Funktion und ihren Nutzen für die ärztliche Behandlung an Patientinnen und Patienten unter Beweis stellen konnten.

Zudem wurde auch die epidemiologische Lage zum zentralen Thema. Die Entwicklung der Infektionen und die damit verbundene zunehmende Belastung der medizinischen Gesundheitsversorgung wurden mit großer Sorge bewertet. Es wurde nach Ansätzen gesucht, die dieser Entwicklung entgegenwirken können. Ergebnis des konstruktiven Austausches war ein erneuter Aufruf zur Impfung, zur Einhaltung der Hygieneregeln und die Empfehlung zur Auffrischungsimpfung. Zudem kam die Kammerversammlung zu der Auffassung, dass das 2-G-Modell eine geeignete Möglichkeit darstellt, Infektionsketten zu vermeiden.

Eine weitere Entschließung wurde zur stationären kinder- und jugendmedizinischen Versorgung gefasst. Aufgrund der jahrzehntelangen Unterfinanzierung der stationären kinder- und jugendmedizinischen Versorgung kommt es zu erheblichen Kapazitätsengpässen. Dieser Situation könne man nur mit einer zukunftsorientierten Finanzierung der sachsen-anhaltischen Kinderkliniken und -stationen, die kurzfristig realisiert und so strukturiert wird, dass die hohen Vorhaltekosten und Auslastungsschwankungen ausgeglichen werden, begegnen.

Zu den entsprechenden Entschließungen wurden Pressemitteilungen herausgegeben, welche die Entschließungstexte wiedergeben.  Diese finden Sie auf unserer Webseite www.aeksa.de. Ausgenommen hiervon ist die Entschließung zum Physician Assistant, die wir Ihnen im Folgenden zur Verfügung stellen:


Physician Assistant – Hand in Hand mit Ärzteschaft

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt begrüßt die Ausbildung und den gezielten Einsatz von Physician Assistant in der Gesundheitsversorgung. Aktuell hat sich auch der 125. Deutsche Ärztetag mit dem Thema befasst und klare Beschlüsse gefasst. Klarer Leitgedanke in der medizinischen Versorgung muss das Wohl und die Sicherheit unserer Patienten sein. Daher müssen Ärztinnen und Ärzte auch zukünftig die Leitprofession in der Patientenversorgung sein. Die Grundlage eines erfolgreichen Miteinander der Gesundheitsfachberufe ist dessen umfassende Qualifikation. Unter diesen Aspekten befremden Äußerungen aus den Medien, dass der Physician Assistant (PA) zukünftig in der Aus- und Weiterbildung junger Ärzte eingesetzt werden könnte. Bereits der Eindruck, der PA könne eine einfache Lösung für die zunehmende Verknappung versorgungsrelevanter ärztlicher Arbeitszeit sein, muss ausgeschlossen werden. Ärztliche Weiterbildung kann nur von Ärzten mit Befugnis erfolgen.

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt hat frühzeitig hohes Interesse an der fachlichen Begleitung der Thematik gezeigt und ihre Unterstützung bei der Umsetzung und Ausgestaltung angeboten. Für sie stand die koordinierte und qualitätsgesicherte Ausbildung der PA’s im Mittelpunkt und hat sich für die Etablierung einer staatlichen Prüfung eingesetzt, die in der Endkonsequenz eine bundesweite Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse ermöglicht. Dadurch werden PA‘s klare Einsatzmöglichkeiten vorgegeben und berufliche Entwicklungschancen eröffnet.

Vor diesem Hintergrund fordert die Kammerversammlung den Vorstand dazu auf, abermals das Gespräch mit allen Beteiligten zu suchen, um eine Entwicklung im Sinne einer zukunftssicheren Patientenversorgung zu forcieren.


Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt zieht Bilanz

Dr. Ulrich Kuminek, Vorsitzender des Vorstandes der Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt, präsentierte im Rahmen der Sitzung den Geschäftsbericht der Ärzteversorgung. Sie sieht sich für die verschiedenen Trends der sich abzeichnenden demografischen Entwicklung gut aufgestellt. Ausgehend vom Ergebnis konnten Sicherheitsrücklagen gebildet werden, die die eventuellen coronabedingten Entwicklungen auf den Kapitalmärkten abfangen können. Die zusätzlich gebildeten Rückstellungen dienen künftigen Leistungsverbesserungen. Nach ausführlicher Beratung im Vorstand und Aufsichtsrat schlug er der Kammerversammlung eine Anhebung der Anwartschaften und der laufenden Renten von jeweils 0,5 % zum 1. Januar 2022 vor.

Dr. med. Jörg Böhme würdigte das 30-jährige Jubiläum der Ärzteversorgung
Dr. med. Jörg Böhme würdigte das 30-jährige Jubiläum der Ärzteversorgung

Anschließend berichtete der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herr Dr. Jörg Böhme, von dessen Tätigkeit im vergangenen Jahr und von die Ärzteversorgung aktuell betreffenden Themen und Gesetzgebung. Abschließend würdigte er das 30-jährige Jubiläum der zum 01. Juli 1991 gegründeten Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt.

Informationsveranstaltungen, eine Urabstimmung, die Ausarbeitung einer Satzung – dies sind nur einige wenige Schritte auf dem Weg zur Gründung der Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt gewesen. Es hat einiges dazu gehört dieses Versorgungswerk zu errichten. Er bedankte sich bei allen, die die Entwicklung der Ärzteversorgung Sachsen-Anhalt der letzten 30 Jahre möglich gemacht und sich für das Versorgungswerk eingesetzt haben.

Abgerundet wurde der Tagesordnungspunkt durch Berichte von Herrn Frank Adelstein, Bereichsleitung Immobilien, und des Versicherungsmathematikers, Herrn Prof. Dr. Klaus Heubeck.

Im Anschluss fasste die Kammerversammlung die vorgeschlagenen Beschlüsse zur Feststellung des Jahresabschlusses, der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, den Leistungsverbesserungen und zur Änderung der Alterssicherungsordnung.


Ausschüsse der VIII. Wahlperiode

Im Rahmen dieser Herbstsitzung wurden die Ausschüsse für die VIII. Wahlperiode gewählt. Neben den bereits in den vergangenen Wahlperioden bestehenden Ausschüsse wurden ein neuer Ausschuss „Innovation, Technologie und Digitalisierung“ und ein Ausschuss „Junge Ärzte“ gebildet. Die gewählte Besetzung der Ausschüsse und Gremien sowie weitere Beschlüsse können Sie der Beschlussübersicht auf den nächsten Seiten entnehmen.


Finanzangelegenheiten

Nach dem Bericht der Vorsitzenden des Finanzausschusses, Frau Dr. Schneemilch, beschloss die Kammerversammlung den durch den Revisionsverband geprüften und mit dem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehenen Jahresabschluss 2020, bestehend aus der Bilanz zum 31.12.2020, der Erfolgsrechnung vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 und dem Anlagenachweis und erteilte dem Vorstand und der Geschäftsführung Entlastung.

Vor der abschließenden Beratung zum Haushalt 2022 beschloss die Kammerversammlung vorgeschlagene Anpassungen der Haushalts- und Kassenordnung und der Reisekosten- und Entschädigungsordnung.

Nach einem weiteren Bericht von Frau Dr. Schneemilch wurde auch dem vorgelegten Haushaltsplan 2022 zugestimmt. Die kommende Frühjahrssitzung der Kammerversammlung findet am 23. April 2022 statt.

Sandra Sambleben
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Fotos: ÄKSA