am 17. April 2013 in Halle/Saale

Tagungsort der Frühjahrssitzung der Kammerversammlung am 17.04.2013 war die Deutsche Akademie der Naturforscher LEOPOLDINA in Halle. Diese altehrwürdige Einrichtung bildete somit einen feierlichen Rahmen für die alljährliche Verleihung des Ehrenzeichens der Ärztekammer Sachsen-Anhalt an zwei verdiente Allgemeinmediziner Sachsen-Anhalts. Geehrt wurden in diesem Jahr Frau Dr. med. Gitta Kudela aus Magdeburg und Herr Dr. med. Frank Stahl aus Lutherstadt Eisleben.

Beide Mediziner wurden in den Laudationes für ihr herausragendes Engagement für ihren Arztberuf gewürdigt. Die Präsidentin Dr. med. Simone Heinemann-Meerz hob in ihrer Laudatio für Frau Dr. Kudela deren langjährige Tätigkeit in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung sowie in der ärztlichen Selbstverwaltung hervor. Das Vorstandsmitglied Dr. med. Petra Bubel betonte das unermüdliche Engagement von Herrn Dr. Stahl für seine Patientinnen und Patienten, der seinen Beruf als Dienst für die Bevölkerung ansieht.

Nach diesem festlichen Teil der Kammerversammlung begrüßte die Präsidentin neben den Mitgliedern der Kammerversammlung insbesondere die anwesenden Gäste, darunter Josef Hecken (unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses – GBA), Dipl.-Volksw. Norbert Butz sowie Dr. med. Johannes Schenkel (Dezernat Telemedizin und Telematik der Bundesärztekammer – BÄK), Vor-standsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Dr. Burkhard John, und Peter Löbus, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V.

Während Herr Dr. John in seinem Statement u. a. auf die neue Bedarfsplanung, den Hausarzt- sowie Facharzt-EBM und die Imagekampagne der KBV einging, legte Herr Löbus in seinem Statement den Schwerpunkt u. a. auf die Überarbeitung der Krankenhausplanung 2013 und die Verordnung zum pauschalierenden Entgeltsystem für psychiatrische sowie psychosomatische Einrichtungen für 2013 (PEPPV 2013).

Im Anschluss stellte Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), dessen Aufgaben und Tätigkeiten vor. Inhaltlich richtete er dabei den Fokus auf die Themen der frühen Nutzen- und der Bestandsmarktbewertung bei Arzneimitteln sowie der sektorenübergreifenden Versorgung. So stellte er das Bewertungsverfahren für patentgeschützte Medikamente vor. Der Bewertungs- und Preisbildungsmechanismus sei vor dem Hintergrund steigender Arzneimittelausgaben unerlässlich. Nicht zuletzt weil sich aus den Bewertungen Konsequenzen für das Verordnungsverhalten ergeben, müsse die Bewertung mit Sinn und Maß durchgeführt werden. Herr Hecken verwies darauf, dass während eines Nutzungsprüfverfahrens der Arzt auf den ausgewiesenen Zusatznutzen vertrauen könne. Ab dem Zeitpunkt der Entscheidung des GBA über den Zusatznutzen muss dies in das Verordnungsverhalten des Arztes einfließen. Aktuelle Informationen können hierzu auf den Internetseiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter www.kbv.de abgerufen werden. Im Weiteren verwies Herr Hecken auf die Notwendigkeit einer Bestandsmarktbewertung. Er informierte dabei über den am nächsten Tag erfolgenden Bestandsmarktaufruf. Bei diesem werden 388 Präparate aus sechs verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Bewertung aufgerufen. Die Hersteller müssen hierfür umfangreiche Dossiers für die Nutzenbewertung einreichen. Abschließend berichtete Herr Hecken über den Beratungsstand bei der ambulant spezialfachärztlichen Versorgung nach § 116b SGB V. So hat der GBA die in Frage kommenden Erkrankungen und Leistungen zu konkretisieren und anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse regelmäßig zu überprüfen und zu ergänzen.

Nach den Ausführungen des Vorsitzenden des GBA berichteten Herr Butz und Herr Dr. Schenkel aus dem Dezernat Telematik der BÄK über die Rolle der Ärztekammern bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und den Aufbau einer Telematikinfrastruktur für das Gesundheitswesen in der Bundesrepublik Deutschland. Sie stellten zunächst die Mitarbeiter und Aufgabenbereiche des Dezernates Telemedizin und Telematik der BÄK vor, um anschließend die Rahmenbedingungen des Projekts näher zu erläutern, u. a. den gesetzlichen Auftrag der Bundesärztekammer gemäß § 291a (7) SGB V. Neben zahlreichen weiteren Organisationen ist die BÄK an der Schaffung der für die Einführung und Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte erforderlichen Informations-, Kommunikations- und Sicherheitsinfrastruktur beteiligt. Nach der Darstellung der Mitwirkungspflicht der Landesärztekammern bei der Herausgabe des elektronischen Arztausweises wurden insbesondere die Gründe und der zeitliche Rahmen des Aufbaus einer Telematikinfrastruktur näher erläutert. Weiterhin stellten Herr Butz und Herr Dr. Schenkel die Anwendungen und den Nutzen dieser Infrastruktur vor, wie z. B. die Prüfung auf Gültigkeit und Aktualisierung der Versichertenstammdaten, der sichere Internetzugang der Arztpraxis und der Zugriff auf Notfalldaten der Patienten. Schwerpunkt der Ausführungen war es zudem, die nach wie vor in der Ärzteschaft bestehenden Aversionen gegen die Telematikinfrastruktur und die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte durch die Darstellung und Erläuterung der derzeit in der Bearbeitung befindlichen Prozesse zu entkräften. So liegt nunmehr die Projektleitung für den Notfalldatensatz auf der eGK in den Händen der BÄK, die ihrerseits sehr genau und unter Heranziehung des erforderlichen ärztlichen Sachverstands darauf achten wird, dass eine für die Ärzte sinnvolle und nutzbringende Information aufgebracht wird und nur Berechtigte auf diese Notfalldaten Zugriff haben werden. Betont wurde noch einmal ausdrücklich, dass über die Telematikinfrastruktur gerade keine zentrale Speicherung von Patientendaten erfolgen und die Nutzung freiwillig sein wird.

Beschlüsse der 5. Sitzung der Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt am 17. April 2013 in der Leopoldina

Richtlinie über die ärztlichen Qualifikationen im Rettungsdienst in Sachsen-Anhalt (Veröffentlichung in der Juni/Juli-Ausgabe 2013 des Ärzteblattes Sachsen-Anhalt)

Tätigkeitsbericht 2012 der Ärztekammer Sachsen-Anhalt (Veröffentlichung auf der Homepage der Ärztekammer Sachsen-Anhalt)

Weiterbildung in der Allgemeinmedizin:
Der Vorstand wird gebeten zu prüfen, ob und welche Möglichkeiten bestehen, die Institutionalisierung der Weiterbildung im Rahmen eines Pilotprojektes zu fördern. Ziel soll die Errichtung eines Institutes mit Arbeitgeberfunktion sektorübergreifend (stationär und ambulant) für die Ärzte in Weiterbildung im Gebiet Allgemeinmedizin in Sachsen-Anhalt sein.

Kammerversammlungstermine:
Samstag, 26. April 2014,
Beginn 9.00 Uhr in Dessau

Samstag 8. November 2014,
Beginn 9.00 Uhr in Magdeburg

Laudatio anlässlich der Verleihung des Ehrenzeichens der Ärztekammer Sachsen-Anhalt an Frau Dr. med. Gitta Kudela

Heute wollen wir eine Persönlichkeit mit dem Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt auszeichnen, die sich seit mehr als 20 Jahren in zahlreichen Funktionen und Gremien für die Entwicklung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt eingesetzt hat - und bis zum heutigen Tag aktiv ist.

Frau Dr. med. Gitta Kudela erblickte am 30. März 1946 als Tochter eines Tischlermeisters und einer Hausfrau in der Harzstadt Wernigerode das Licht der Welt. Sie wurde in eine Zeit hineingeboren, in der Deutschland noch durch Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs geprägt war. Die Schulzeit schloss sie mit dem Abitur an der Erweiterten Oberschule Wernigerode ab. Danach absolvierte sie ein „Vorpraktisches Jahr“ im Krankenhaus Wernigerode und begann schließlich ihr Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Akademie Magdeburg. Im Sommer 1971 bestand sie das Staatsexamen und erhielt ihre Approbation als Ärztin. Im selben Jahr heiratete sie den Ingenieur Udo Kudela.
Die Poliklinik Mitte war über zwei Jahrzehnte der berufliche Mittelpunkt von Frau Dr. Kudela. 1976 schloss sie die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin ab. Im Sommer 1984 verteidigte sie erfolgreich ihre Promotion an der Akademie für ärztliche Fortbildung in Berlin zum Thema „Arbeitsunfähigkeiten in Abhängigkeit sozialer Faktoren bei Verkäuferinnen“. Von 1985 bis 1990 leitete Frau Dr. Kudela die Abteilung Allgemeinmedizin der Poliklinik Mitte. In dieser Zeit wurde sie Mitglied des Bezirksvorstandes der Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Diese Aufgabe füllte sie bis 1990 aus. Im Januar 1991 ging Frau Dr. Kudela in die eigene Niederlassung. Neben der hausärztlichen Versorgung liegen ihre Spezialisierungen in den Schwerpunkten Rheumatologie und Infektiologie. Geprägt von dem hohen Engagement ihrer Mutter, folgten die Söhne Torsten und Holger und traten in deren medizinische Fußstapfen.
 
Nicht nur für die unmittelbare Patientenversorgung engagiert sich Frau Dr. Kudela, sondern ebenso in der Selbstverwaltung ihres Berufsstandes, sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene. Dabei war und ist ihr die qualitativ hohe Aus- und Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte in der Fachrichtung Allgemeinmedizin immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Dies zeigt sich deutlich in ihren Tätigkeiten in diversen Ausschüssen und Gremien, insbesondere auch als Lehrbeauftragte der Universitätsklinik Magdeburg. Ihre zahlreichen praktischen Erfahrungen als Ärztin kann sie so den angehenden Medizinerinnen und Medizinern in Vorlesungen und Seminaren sowie bei Praktika und Famulaturen vermitteln.
Von 2003 bis 2011 war Frau Dr. Kudela Mitglied der Kammerversammlung und des Vorstandes der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Seit 1992 ist sie auch Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt. Auf Bundesebene lagen ihre Aktivitäten im Beirat des ständigen Ausschusses „Deutsche Akademie für Allgemeinmedizin“ der Bundesärztekammer. Seit 1991 ist sie stellvertretende Vorsitzende im Berufsverband der Allgemeinmediziner bzw. Hausärzte Sachsen-Anhalt.
Hervorzuheben ist das Engagement von Frau Dr. Kudela in der Fach- und Prüfungskommission Allgemeinmedizin der Ärztekammer, seit 1991 als Mitglied und ab 1994 als Vorsitzende. Dafür nochmals ganz besonderen Dank. Dieses immense berufliche Engagement über viele Jahre war und ist nur durch die intensive Unterstützung und den Rückhalt der Familie möglich gewesen. Ihr Ehemann war ihr im besonderen Maße eine große Stütze, der seine eigene Berufstätigkeit zugunsten der Praxis und ihrer Berufspolitik aufgegeben hat und mit ihren eigenen Worten voll und ganz in seiner Funktion des „Praxismanagers“ aufgegangen ist. Sein Tod im Jahre 2002 ist bis heute ein schmerzlicher Verlust für die ganze Familie.
Gestatten Sie mir, Ihnen Frau Dr. Kudela, auch meinen ganz persönlichen Dank auszusprechen. Wir haben an vielen Fronten zusammen gekämpft, wir haben zusammen geplant und gedacht. Sie waren mir immer eine absolut zuverlässige und loyale Kollegin.
Für Ihre langjährige Tätigkeit in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung aber auch für Ihre besonderen Verdienste um das Gesundheitswesen und die ärztliche Selbstverwaltung Sachsen-Anhalts möchte ich Sie im Namen des Vorstands mit dem „Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt“ auszeichnen.

Laudatio anlässlich der Verleihung des Ehrenzeichens der Ärztekammer Sachsen-Anhalt an Herrn Dr. med. Frank Stahl

Herr Dr. Frank Stahl wurde am 03.08.1941 in Halle geboren. Seine Schulbildung endete 1960 mit dem Abitur am Luthergymnasium in Eisleben. Herr Dr. Stahl absolvierte in der Zeit von 1960 bis 1966 sein Medizinstudium an der Martin-Luther-Universität Halle und beendete 1966 diesen Bildungsabschnitt mit dem Staatsexamen und der Erteilung der Approbation im Jahr 1967. Neben seiner Pflichtassistenzzeit im Kreiskrankenhaus Eisleben von November 1966 bis November 1967 und seiner ambulanten Tätigkeit im Landambulatorium Hedersleben erfolgte seine Promotion im Jahr 1969.
Herr Dr. Stahl absolvierte von 1967 bis 1972 seine Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in den Fachabteilungen des Kreiskrankenhauses Eisleben und als Arzt im ambulanten Bereich im Landambulatorium Hedersleben und in der Betriebspoliklinik Röblingen. 1972 bekam er die staatliche Anerkennung als Facharzt für Allgemeinmedizin und übernahm die Leitung der allgemeinen Abteilung der Betriebspoliklinik Röb-lingen.
Als Facharzt für Allgemeinmedizin war er ab November 1972 erst Leiter der staatlichen Arztpraxis Eisleben Thälmannsiedlung und später von Februar 1975 bis März 1991 Leiter des Stadtambulatoriums Eisleben Thälmannsiedlung. 1986 wurde Herrn Dr. Stahl der Titel Medizinalrat verliehen.
Seit April 1991 ist Herr Dr. Stahl in eigener Praxis als Allgemeinmediziner tätig.
Diese kurze Aufzählung wichtiger Stationen seines beruflichen Werdegangs belegen: Dr. Frank Stahl ist ein waschechter Eisleber und im besten Sinn des Wortes ein „Mansfäller“. Er hat ein Herz für die Menschen in diesem Landstrich, die von Zugereisten und Besuchern zunächst als eher etwas rau empfunden werden – mit einer recht eigenwilligen Aussprache.
Dies allerdings haben Sie mit dem großen Sohn Eislebens – Martin Luther – gemein: Der dürfte ebenso eigen gesprochen haben und ein Dickschädel war er ja allemal auch.
Herrn Dr. Stahl aber ist es gelungen, das Vertrauen der Mansfelder zu gewinnen, das Wichtigste in der Beziehung zwischen Arzt und Patient. Die Patienten vertrauen seiner ärztlichen Kunst ebenso, wie sie sich aufgrund seiner bodenständigen Art von ihm akzeptiert wissen.

Dr. Frank Stahl hat nach der friedlichen Revolution, in den Zeiten des Umbruchs und vieler Veränderungen, gerade auch im Gesundheitswesen, über viele Jahre hin seine reichen Erfahrungen als Sprecher der Ärzteschaft im Mansfelder Land eingebracht. Seine Stimme wurde gehört und manch einer hätte ihn gern in einer höheren Funktion gesehen – über die Kreisgrenzen hinweg.
Sein Hauptaugenmerk jedoch gilt zuerst immer den Patienten, „seinen Patienten“. Ihnen ist er bis heute treu geblieben. Nach wie vor betreibt er seine Praxis – und das in einer Zeit, in der allenthalben über Vorruhestandsregelungen nachgedacht und über Rente ab 67 lamentiert wird.

Die Auszeichnung der Ärztekammer soll jenen Persönlichkeiten gewidmet sein, die dem Ansehen des Arztberufes in besonderer Weise gedient haben. Genau das hat Dr. Frank Stahl getan. Er verkörpert im besten Sinn das ärztliche Ethos, das auch heute gelten muss: Dieser Beruf ist Berufung – die Berufung, Menschen zu helfen, es ist Pflichterfüllung ohne großes Aufheben. Manch einer spricht in so einem Fall von „Helden des Alltags“. In seiner Bescheidenheit weist Herr Dr. Stahl das für seine Person sicher zurück.
Aber – sein Lebenswerk ist in höchstem Maße ehrenwert – er ist ein würdiger Träger dieser Auszeichnung.