Globale Tuberkulose-Situation

Im Jahr 1982 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den 24. März zum Welttuberkulosetag mit dem Ziel, auf die Tuberkulose aufmerksam zu machen. Die Tuberkulose, früher Schwindsucht genannt, kommt immer noch weltweit vor. In vielen afrikanischen und asiatischen Ländern ist sie mit Inzidenzen von über 150 Tuberkulose-Erkrankungen auf 100.000 Einwohner besonders häufig, während z. B. die USA, Kanada und Westeuropa niedrige Inzidenzen aufweisen. Zu den im Jahr 2022 am meisten betroffenen Ländern zählten laut WHO-Tuberkulose-Report Hochinzidenzländer wie Bangladesch, China, Indien, Indonesien, Nigeria, Pakistan, die Philippinen und Südafrika.1

Es wird geschätzt, dass etwa ein Viertel der Weltbevölkerung mit Tuberkulose-Bakterien (v. a. Mycobacterium tuberculosis) infiziert ist1. Bei Menschen mit kompetentem Immunsystem werden die Tuberkulosebakterien meist erfolgreich bekämpft und abgekapselt. Man spricht von einer latenten Infektion, solange Betroffene nicht erkranken. Etwa 5-10 Prozent der Infizierten erkranken im Laufe ihres Lebens, das heißt, Wochen, Monate, Jahre oder auch Jahrzehnte nach dem zur Infektion führenden Kontakt, an Tuberkulose. In den ersten beiden Jahren ist das Erkrankungsrisiko am höchsten. Ein geschwächtes Immunsystem, wie bei HIV, Unterernährung oder Diabetes führen außerdem zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit und Lebensumstände wie Obdachlosigkeit, ein früherer Haftaufenthalt und Armut. Laut WHO erkranken jedes Jahr 10 Millionen Menschen an Tuberkulose1. Obwohl es sich um eine vermeidbare und heilbare Krankheit handelt, sterben jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen an Tuberkulose1.

Die Krankheit befällt vor allem die Lunge, aber auch andere Organe, z. B. die Lymphknoten können befallen sein. Ein Leitsymptom der Lungentuberkulose ist Husten, der auch blutig sein kann. Bei jedem länger als drei Wochen ohne Besserung bestehenden Husten und bei jedem Husten mit blutigem Auswurf sollte Tuberkulose differentialdiagnostisch berücksichtigt werden. Auch unspezifische Symptome, wie ein schlechtes Allgemeinbefinden, Appetitmangel, unbeabsichtigte Gewichtsabnahme, leichtes Fieber, vermehrtes Schwitzen (besonders nachts) können Tuberkulose-Symptome sein2.

Nicht alle Tuberkulose-Kranken sind ansteckend. Eine Ansteckungsgefahr geht von denen aus, welche an einer offenen Lungentuberkulose leiden. Die Übertragung erfolgt durch die Luft, wenn die Betroffenen husten, niesen oder spucken. Die Ansteckung erfolgt jedoch nicht so leicht wie bei anderen über die Luft übertragbaren Krankheiten. So sind bei einem Aufenthalt im selben Raum meist 8 Stunden und mehr nötig, um sich anzustecken. Das Ansteckungsrisiko steigt mit der Häufigkeit, Dauer und Enge des Kontakts zu Erkrankten.


Meldung und Kontrolle der Tuberkulose

Dem Gesundheitsamt werden gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) als sogenannte Arztmeldungen die Erkrankung und der Tod an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose, auch wenn kein bakteriologischer Nach­weis vor­liegt, na­ment­lich ge­mel­det2. Das heißt, die ärztliche Diagnose gilt hier auch ohne Labornachweis. Zusätzlich ist dem Gesundheitsamt gemäß § 6 Abs. 2 IfSG mitzuteilen, wenn Personen, die an einer behandlungsbedürftigen Lungentuberkulose leiden, eine Behandlung verweigern oder abbrechen2.

Als sogenannte Labormeldungen werden gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 34 IfSG der direkte Erregernachweis von Mycobacterium (M.) tuberculosis/africanum und M. bovis, sowie nachfolgend das Ergebnis der Resistenzbestimmung und vorab auch der Nachweis säurefester Stäbchen im Sputum, namentlich gemeldet2. Ein positiver Tuberkulinhauttest oder Interferon-Gamma-Test ohne tuberkulosetypischen Organbefund gelten nicht als Erkrankung an Tuberkulose, auch wenn eine Chemoprävention durchgeführt wird. Diese immunbasierten Tests können nicht zwischen aktiver Tuberkulose-Erkrankung und latenter Infektion unterscheiden.

Eine frühe Diagnose und eine dementsprechend frühzeitige Behandlung sind wichtig, um die Ansteckung anderer Personen und die Ausbreitung resistenter Bakterienstämme zu verhindern. Deshalb ist es notwendig, dass die namentliche Arzt- und Labormeldung gemäß § 9 Abs. 3 unverzüglich erfolgt und nach Möglichkeit alle wichtigen Kontaktdaten und bis dato bekannten klinischen Informationen enthält. Bei der Tuberkulose sind auch das Geburtsland und die Staatsangehörigkeit und ggf. das Jahr der Einreise meldepflichtig. Wird einem Gesundheitsamt ein Fall von offener Lungentuberkulose gemeldet, begleitet und überwacht das zuständige Gesundheitsamt die Therapie der betroffenen Person und ermittelt außerdem ihre Kontaktpersonen, um diesen eine entsprechende Vorsorge oder Therapie zu empfehlen. Diese Umgebungsuntersuchungen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst sind von großer Bedeutung, um eine weitere Übertragung von Tuberkulose zu stoppen.

Die Meldedaten dienen jedoch auch dazu, das Auftreten von Tuberkulose zu beschreiben und die regionale Situation anhand der epidemiologischen Erkenntnisse zu bewerten, um Maßnahmen ableiten zu können. In Sachsen-Anhalt ist das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) die zuständige Landesbehörde für die Annahme der Übermittlungen meldepflichtiger Krankheiten und Krankheitserreger von den Gesundheitsämtern und die Weiterleitung dieser Übermittlungen an das Robert Koch-Institut (RKI).


Tuberkulose-Situation in Sachsen-Anhalt

Im Folgenden werden die gemäß IfSG an das LAV übermittelten Meldedaten mit Stand 03.04.2023 verwendet, die der Referenzdefinition des RKI entsprechen. Für die Berechnung von Inzidenzen werden, wenn nicht anders angegeben, die Daten der Bevölkerungsstatistik des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt mit Datenstand 31.12.2021 verwendet.

Abbildung 1: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) nach Wohnort/Aufenthaltsort, Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022. Berücksichtigt wurden alle 89 Fälle. LAV Stand: 03.04.2023
Abbildung 1: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) nach Wohnort/Aufenthaltsort, Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022. Berücksichtigt wurden alle 89 Fälle. LAV Stand: 03.04.2023

Fallzahlen und Wohnorte der Tuberkulosefälle in Sachsen-Anhalt 2022

Im Jahr 2023 wurden dem LAV mit Stand 03.04.2023 bisher 23 Tuberkulose-Meldefälle von den Gesundheitsämtern in Sachsen-Anhalt übermittelt. In den 3 Jahren vor der Pandemie wurden in Sachsen-Anhalt im Schnitt 140 Tuberkulose-Neuerkrankungen pro Jahr registriert. Mit der Pandemie sank die jährliche Zahl an Meldefällen auf 62 in 2020 und 79 in 2021. Im Jahr 2022 wurden mit 89 gemeldeten Tuberkulose-Fällen 4,1 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner registriert. Damit lag Sachsen-Anhalt in 2022 etwas unter der bundesweiten Tuberkulose-Inzidenz von 4,9 Fälle/100.000 Einwohner (SURVSTAT@RKI 2.0; Stand: 13.03.2023).

Die meisten Neuerkrankungen in Sachsen-Anhalt wurden in den Großstädten Magdeburg und Halle (Saale) registriert (Abbildung 1). Die höchsten Inzidenzen fanden sich in Magdeburg, Dessau-Roßlau und Halle (Saale) (Tabelle 1).

Tabelle 1: Kreisspezifische Inzidenzen der gemäß IfSG an das LAV übermittelten Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition). Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022, LAV Stand: 03.04.2023
Tabelle 1: Kreisspezifische Inzidenzen der gemäß IfSG an das LAV übermittelten Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition). Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022, LAV Stand: 03.04.2023

Alter, Geschlecht und Herkunft der Tuberkulosefälle in Sachsen-Anhalt 2022

Mit Meldedatum im Jahr 2022 wurden 19 (21 %) weibliche und 70 (79 %) männliche Tuberkulose-Fälle übermittelt. Knapp 40 % der 2022 in Sachsen-Anhalt gemeldeten Tuberkulose-Fälle stammten aus Deutschland. Der größere Teil wurde im Ausland geboren (Tabelle 2, S. 13). Damit wird deutlich, dass die Erkrankung innerhalb der im Verhältnis größeren in Deutschland geborenen Bevölkerung weiterhin selten ist. Auch bei der Unterscheidung nach Staatsangehörigkeit zeigte sich, dass ausländische Staatsangehörige mit einer Inzidenz von 44 Neuerkrankungen auf 100.000 Personen etwa 26-mal häufiger betroffen waren als Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft und einer Inzidenz von 1,7 Neuerkrankungen auf 100.000 Personen (Bevölkerungsstand 2021; Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt; Stand: 13.03.2023).

Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass bei Asylbewerbenden gesetzlich vorgeschriebene Tuberkulose-Untersuchungen stattfinden, sobald sie in Deutschland ankommen und in eine Erstaufnahmeeinrichtung aufgenommen werden. Durch diese Screeninguntersuchungen werden vermutlich mehr Erkrankungen registriert als in anderen Bevölkerungsgruppen.

Menschen, die aus Tuberkulose-Hochprävalenzländern kommen, haben sich häufig schon in jüngeren Jahren infiziert. Die Bedingungen auf der Flucht sind oft mit einer großen psychosozialen Belastung verbunden, die zum Ausbruch der Erkrankung führen können. Im Jahr 2022 trat in Sachsen-Anhalt ein hoher Anteil (65 %) der Tuberkulose-Erkrankungen bei Migrantinnen und Migranten innerhalb der ersten 5 Jahre seit ihrer Ankunft in Deutschland auf. Berücksichtigt werden konnten 48 Tuberkulose-Fälle mit Angabe zum Jahr der Einreise nach Deutschland. Bei 94 % lag die Einreise bis zu 10 Jahre zurück und bei 6 % 20 Jahre und länger.

Abbildung 2: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) nach Altersgruppen und Geburtsland, Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022. Berücksichtigt wurden 87 Fälle mit Angabe zum Geburtsland. LAV Stand: 03.04.2023
Abbildung 2: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) nach Altersgruppen und Geburtsland, Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022. Berücksichtigt wurden 87 Fälle mit Angabe zum Geburtsland. LAV Stand: 03.04.2023

Von 53 im Ausland geborenen Tuberkulose-Fällen, die 2022 in Sachsen-Anhalt gemeldet wurden, waren 42 (79 %) jünger als 40 Jahre (Abbildung 2) und 39 (74 %) waren männlich. Von 35 in Deutschland geborenen Tuberkulose-Fällen, die 2022 in Sachsen-Anhalt gemeldet wurden, waren 27 (77 %) 40 Jahre und älter (Abbildung 2) und 30 (86 %) waren männlich.

Manifestationsorgane der Tuberkulosefälle in Sachsen-Anhalt 2022

Bei 67 (76 %) von 88 Fällen mit Angabe zum betroffenen Hauptorgan lag eine pulmonale Manifestation vor, bei 12 (14 %) waren hauptsächlich die Lymphknoten betroffen (Tabelle 3). Von den 12 Fällen mit Lymphknoten-Tuberkulose kamen 6 aus Indien, 5 aus verschiedenen afrikanischen Ländern und bei einem Fall war das Geburtsland nicht bekannt.

Tabelle 2: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) mit Angabe zum Geburtsland. Berücksichtigt wurden 88 Fälle. Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022, LAV Stand: 03.04.2023
Tabelle 2: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) mit Angabe zum Geburtsland. Berücksichtigt wurden 88 Fälle. Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022, LAV Stand: 03.04.2023

Resistenzen der Tuberkulosefälle in Sachsen-Anhalt 2022

Zur Behandlung der medikamentensensiblen Tuberkulose werden die vier Medikamente der Standardtherapie Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Ethambutol (EMB) und Pyrazinamid (PZA) eingesetzt. Informationen zu Diagnostik und Therapie der Tuberkulose und der latenten tuberkulösen Infektion finden sich in den AWMF S2k-Leitlinien für Erwachsene und Kinder3.

Eine multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) ist gemäß aktueller WHO-Definition durch Resistenzen gegenüber mindestens INH und RMP gekennzeichnet. Eine prä-extensiv resistente Tuberkulose (prä-XDR-TB) liegt vor, wenn zusätzlich gegen mindestens eines der Fluorchinolone aus der WHO-Gruppe A (Moxifloxacin, Levofloxacin) eine Resistenz besteht und eine XDR-TB, wenn darüber hinaus gegen ein weiteres Medikament (Bedaquilin, Linezolid) aus der WHO-Gruppe A eine Resistenz besteht.

In den Jahren 2017 bis 2022 wurden 19 MDR-TB-Fälle aus Sachsen-Anhalt übermittelt (Tabelle 4). Im Jahr 2023 sind es mit Stand 03.04.2023 bisher 4 MDR-TB-Fälle, davon 3 aus der Ukraine und 1 aus Indien.

Die Ergebnisse zu Resistenztestungen waren nicht immer vollständig. Im Jahr 2022 wurden bei 74 von 89 Tuberkulose-Meldefällen in Sachsen-Anhalt Ergebnisse zu mindestens einem Standardmedikament übermittelt. Davon reagierten die nachgewiesenen Erreger überwiegend (mind. 77 %) sensibel auf die 4 Standardmedikamente (Tabelle 5).

Bei 9 von 73 Fällen mit bekanntem Resistenzergebnis für INH und RMP wurde eine Resistenz gegen mindestens ein Standardmedikament übermittelt. Darunter waren 5 Monoresistenzen (3-mal INH, je einmal PZA und RMP). Bei weiteren 4 Fällen (5,5 %) lag eine MDR-TB vor. Bei allen 4 MDR-TB-Fällen in 2022 handelte es sich um eine offene Lungentuberkulose, davon waren 2 mikroskopisch positiv (Nachweis säurefester Stäbchen). Von den 4 MDR-TB-Fällen kamen 2 aus der Ukraine und je einer aus Syrien und aus Vietnam (jeweils Geburtsland und Staatsangehörigkeit). Bei einem der 4 MDR-TB-Fälle bestand eine prä-XDR-TB.

Tabelle 3: Hauptsächlich betroffenes Organ der gemäß IfSG an das LAV übermittelten Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition). Berücksichtigt wurden alle 89 Fälle. Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022, LAV Stand: 03.04.2023
Tabelle 3: Hauptsächlich betroffenes Organ der gemäß IfSG an das LAV übermittelten Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition). Berücksichtigt wurden alle 89 Fälle. Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022, LAV Stand: 03.04.2023

Dieser einzige im Jahr 2022 in Sachsen-Anhalt gemeldete und übermittelte prä-XDR-TB-Fall betraf eine 22-jährige Frau aus Vietnam. In ihrem Sputum wurden säurefeste Stäbchen, ein Hinweis auf eine hohe Infektiosität, nachgewiesen. Laut Übermittlung der Meldedaten erfolgt bei ihr eine 5-fach Therapie mit Clofazimin, Terizidon, Bedaquilin, Linezolid und Amikacin, da Resistenzen gegen INH, RMP und Levofloxacin vorliegen. Zu weiteren Resistenztestungen wurden keine Ergebnisse angegeben.

Bei den 3 MDR-TB-Fällen, die nicht als prä-XDR-TB klassifiziert wurden, handelt es sich um 2 Männer aus der Ukraine (42 und 57 Jahre) und eine 34-jährige Frau aus Syrien.

Bei der (ebenfalls mikroskopisch positiven) Syrerin wurden neben Resistenzen gegen INH und RMP Resistenzen gegen die Zweitlinienantibiotika Protionamid und Rifabutin festgestellt. Die Testungen gegen weitere Zweitlinienantibiotika ergaben keine weiteren Resistenzen, u. a. reagierte der Stamm auf alle WHO-Gruppe A-Medikamente (Moxifloxacin, Levofloxacin, Bedaquilin, Linezolid) sensibel. Auch auf EMB und PZA reagierte der Stamm sensibel.
Bei dem 57-jährigen Ukrainer ergaben die Testungen, dass der Stamm Resistenzen gegen INH, RMP und Rifabutin aufwies, gegen weitere getestete Zweitlinienantibiotika, darunter Moxifloxacin, Bedaquilin und Linezolid sowie gegen PZA und EMB aber empfindlich war.

Bei dem 42-Jährigen aus der Ukraine lagen Resistenzen gegen alle 4 Standardmedikamente vor. Auf Moxifloxacin, Bedaquilin und Linezolid sowie weitere getestete Zweitlinienantibiotika regierte der Stamm empfindlich.

In Sachsen-Anhalt wurden keine XDR-TB-Meldefälle aus dem Jahr 2022 übermittelt.

Tabelle 4: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte multiresistente Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) mit Angabe zum Geburtsland. Berücksichtigt wurden alle übermittelten 23 MDR-TB-Fälle. Sachsen-Anhalt, Meldejahre 2017-2023, LAV Stand: 03.04.2023
Tabelle 4: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte multiresistente Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) mit Angabe zum Geburtsland. Berücksichtigt wurden alle übermittelten 23 MDR-TB-Fälle. Sachsen-Anhalt, Meldejahre 2017-2023, LAV Stand: 03.04.2023


Zusammenfassung

Tabelle 5: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) mit Angabe zur Resistenz gegen Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Ethambutol (EMB) und/oder Pyrazinamid (PZA).  Berücksichtigt wurden 74 Fälle. Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022, LAV Stand: 03.04.2023
Tabelle 5: Gemäß IfSG an das LAV übermittelte Tuberkulose-Meldefälle (Referenzdefinition) mit Angabe zur Resistenz gegen Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Ethambutol (EMB) und/oder Pyrazinamid (PZA). Berücksichtigt wurden 74 Fälle. Sachsen-Anhalt, Meldejahr 2022, LAV Stand: 03.04.2023

Im 3. Pandemiejahr wurden in Sachsen-Anhalt wieder etwas mehr Tuberkulose-Erkrankungen registriert als 2020 und 2021, jedoch deutlich weniger als in präpandemischen Jahren. Die höchsten Fallzahlen und Inzidenzen fanden sich, wie andernorts auch, in den Großstädten.

Die Tuberkulose-Situation und die besondere Herausforderung der multiresistenten Tuberkulose wird durch Migrationsbewegungen beeinflusst. Tuberkulose ist weiterhin in der sachsen-anhaltischen Bevölkerung selten, tritt häufiger bei Männern auf und häufiger bei Menschen mit Herkunft aus Tuberkulose-Hochinzidenzländern. Letztere erkranken im Vergleich zu Menschen, die in Deutschland geboren wurden, oft schon in jüngerem Alter. Von extrapulmonalen Manifestationen waren 2022 überwiegend Menschen aus Indien und afrikanischen Ländern betroffen. Die Resistenztestungen zeigten zu einem geringen Anteil unterschiedlich ausgeprägte Empfindlichkeiten der Tuberkulosestämme gegen Erst- und Zweitlinienmedikamente, darunter auch MDR- und prä-XDR-TB, bei TB-Erkrankten mit ausländischer Herkunft.

Seit 2020 kommt ein Großteil der Flüchtlinge aus der Ukraine. Die Ukraine weist eine höhere Tuberkulose-Prävalenz als Deutschland und einen hohen Anteil von MDR-TB auf. In der bundesweiten Auswertung des RKI für 2022 lag bei einem Viertel der übermittelten, in der Ukraine geborenen Fälle eine MDR-TB vor4. Auch in Sachsen-Anhalt zeigt der aktuelle Stand der Jahre 2022 und 2023 bereits, dass mit weiteren MDR-TB-Fällen aus der Ukraine zu rechnen ist.

Für eine kalkulierte Therapie von Tuberkulose-Patientinnen und Patienten mit und ohne Migrationshintergrund sind Kenntnisse zur Empfindlichkeit gegen Medikamente notwendig, die zu Beginn der Behandlung oft noch nicht vorliegen. Mithilfe der Meldedaten-Surveillance werden kontinuierlich aussagekräftige Daten zur epidemiologischen Tuberkulose-Lage erhoben. Die hierbei übermittelten Ergebnisse von Resistenzen bei Meldefällen können bei guter Datenqualität dazu beitragen, dass je nach Herkunft der Betroffenen, schon initial eine zielgerichtete differenzierte Medikation abgeleitet werden kann.

Landesamt für Verbraucherschutz
Freiimfelder Straße 68
06112 Halle (Saale)
Tel.: 0345/5643-0, Fax 0345/5643-439
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Ansprechpartner
Dr. Carina Helmeke
Landesamt für Verbraucherschutz
Große Steinernetischstraße 4
39104 Magdeburg
Tel.: 0391/2564-176
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Referenzen
1    https://www.who.int/teams/global-tuberculosis-programme/tb-reports/global-tuberculosis-report-2022
2    https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tuberkulose.html
3    https://www.dzk-tuberkulose.de/aerzte/leitlinien-und-empfehlungen/
4    https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2023/Ausgaben/11_23.pdf?__blob=publicationFile