Die Krise als Chance

Dr. med. Thomas Langer
Dr. med. Thomas Langer
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Im Rahmen der aktuellen Pandemie erleben wir eine empfindliche Einschränkung des weltweiten Warenverkehrs. Überoptimierte globalisierte Prozesse zeigen unbarmherzig ihre Schattenseiten. Selbst der Austausch von Waren und Arbeitskräften innerhalb Europas kommt ins Stocken. Was man im Falle der Spargelernte, abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden, je nach individueller Vorliebe vielleicht noch hinnehmen könnte, bedeutet im medizinischen Bereich unter Umständen mittelbar Lebensgefahr. Dies betrifft nicht zuletzt Medikamente. Es hat mich überrascht und erschreckt, dass das banale Medikament Cotrimoxazol nicht mehr verfügbar war. Der Produktionsstandort sei Indien, wurde mir mitgeteilt und wegen der aktuellen Krise könne man nicht liefern. Immunsupprimierte Patienten bekommen unter anderem dieses Mittel prophylaktisch in niedriger Dosierung, um opportunistische Infektionen zu verhindern.

Die initiale Ausbreitung des Corona-Virus wurde sicherlich begünstigt, weil chinesische Behörden den Arzt, der als erster vor der neuen Krankheit warnte, anfangs mundtot machen wollten. Der Druck der Realität hat ein Umdenken bewirkt. Es folgten die bekannten drastischen Maßnahmen des chinesischen Staates.

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TSVG und seine (Neben)wirkung

Dipl.-Med. H. Thurow
Dipl.-Med. H. Thurow
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Erregung, Unruhe, Herzrasen, Magendruck, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen. Kommen Ihnen diese Probleme auch bekannt vor?

Ich jedenfalls leide seit September 2019 daran. Es beginnt pünktlich morgens um 8:00 Uhr mit dem ersten Patienten. In der offenen Sprechstunde begegnen mir häufig keine akut Erkrankten. Patienten schildern mir stattdessen Beschwerden, die sie schon seit Monaten begleiten, aber hier und jetzt sofort abgeklärt werden müssen. Selbstverständlich unter Berücksichtigung sämtlicher mitgebrachten Befunde der vorbehandelnden Ärzte.

Es folgt ein Blick in die Warteliste, in der schon zahlreich bestellte Patienten stehen. Ich verspüre Unruhe und Herzrasen. Wie schaffe ich das zeitlich? Wie werde ich den Patienten gerecht, die chronisch krank sind und die zu Recht von mir erwarten, dass ich sie wie bisher medizinisch begleite und ihnen die nötige Aufmerksamkeit schenke?

In der Pause dann Magendrücken, weil das Essen wieder mal schnell gehen muss und die MFA mir ihren Unmut über den Stress und die Auseinandersetzungen mit verärgerten Patienten aufgrund zu langer Wartezeiten und nicht realisierbarer Terminwünsche kundtun.

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Organspende: Widerspruchslösung als erfolgreich gelebtes Konzept der Solidarität einer intakten Gesellschaft – abgelehnt

Prof. Dr. Walter Brandstädter
Prof. Dr. Walter Brandstädter
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Im Bundestag wurde am 16.01.2020 die „Erweiterte Zustimmungslösung“, wobei jede Organspende eine Zustimmung voraussetzt, mit 432 gegen 200 Stimmen angenommen. Die Widerspruchslösung wurde damit abgelehnt. Dabei gibt es keine Gewinner wie man lesen konnte – nur Verlierer: Kranke auf der Warteliste. Eine große Chance wurde vertan, dafür statistisch belegbares, demokratisch legitimiertes Sterben auf der Warteliste fortgeführt.

Mit der Wende hat nicht nur die Treuhand Trittbilder in der Wirtschaft hinterlassen, sondern auch in anderen Bereichen bemühen wir uns im Sinne einer vernünftigen Beseitigung dieser Konturen und Schäden um die weitere innere Einheit in Deutschland. So wurde der uralte Begriff der Poliklinik verteufelt, weitgehend eliminiert und durch das zeitgemäß inhaltlich modernisierte medizinische Versorgungszentrum ersetzt. Gelebte Gegenwart, wie es im Interesse der Patienten gehen kann, bei allen Problemen. Andererseits gab es wieder „Blutbanken“, die in der DDR durch staatliche Regelungen 1962 die Bezeichnungen „Blutspendezentrale“ oder „-Institut“ führten. Zufall oder getrübter Weitblick? Ich zitiere aus dem Standardwerk „Physiologie und Klinik der Bluttransfusion“ von H. Möller (1960) „die amerikanische Bezeichnung ‚Blutbank‘ wird bei uns allgemein abgelehnt. Das Blutbanksystem ist nach dem Prinzip einer Bank eingerichtet mit Kontenführung über ‚Blutschuld‘ und ‚Blutkapital‘. Jede Blutkonserve muß vom Empfänger bezahlt werden, oder durch die Blutspende eines Angehörigen oder Bekannten abgegolten werden“. Dort wollten wir nie hinkommen – weder mit Blut, noch mit Organen – und nach Möglichkeit auch die Organspende von lebenden Angehörigen vermeiden.

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Resilienz – Trainieren Sie das!

Dr. Simone Heinemann-Meerz
Dr. Simone Heinemann-Meerz
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Die Fähigkeit, mit Druck umzugehen, ist entscheidend für unser Wohlbefinden.

Hochresiliente Menschen sind nicht nur gelassener, gesünder und glücklicher, sondern auch erfolgreicher. Wenn man versucht einen Schwamm zu zertreten, wird dieser nach kurzer Zeit immer wieder die Form annehmen, die er ursprünglich hatte. Übertragen auf den Menschen/den Arzt bedeutet das, egal wie niedergeschlagen man mental ist, egal welchen Tiefpunkt man erreicht hat, irgendwann erholt man sich normalerweise wieder, man ist wieder der Alte. Je schneller man das schafft, um so zügiger ist man wieder im Wohlfühlbereich. Das ist Resilienz.

Die Fähigkeit, mit Druck umzugehen, ist also entscheidend für unser Wohlbefinden. Und je schneller wir in Stresssituationen unser Gleichgewicht wiederfinden, desto besser ist das für den Erfolg unseres Tuns, egal ob beruflich oder privat. Die Politik rechnet ganz offensichtlich mit hochresilienten Ärzten. Anders ist die täglich zu bewältigende Regelungswucht des Gesetzgebers auch nicht auszuhalten.

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Sicherung der Patientenversorgung – alte und neue Lösungsansätze

Henrik Straub
Henrik Straub

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Unser ärztliches Handeln wird vom allgegenwärtigen und zunehmenden Ärztemangel bestimmt, auch in den nächsten Jahren. WAS TUN?
Die verantwortlichen Politiker in Sachsen-Anhalt beschlossen im Jahr 2019 das Landarztgesetz mit der Einführung der Landarztquote. Dieses Gesetz ist ein Baustein für die Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung, doch bereits jetzt ist absehbar, dass die Absolventenzahlen in ca. 15 Jahren (!!!), wenn die ersten „Landärzte“ ihre Ausbildung beendet haben, keinesfalls ausreichen werden. Und was passiert bei dem allgegenwärtigen Ärztemangel, der ebenso bei niedergelassenen Fachärzten, in Krankenhäusern und im öffentlichen Gesundheitsdienst besteht?

Diskussionen und Absichtserklärungen, die den Ärztemangel als sektorübergreifendes Problem erkennen, dem mit der Bündelung von Aktivitäten zur Nachwuchsgewinnung und Nutzung der (in den Kinderschuhen steckenden) Digitalisierung begegnet werden kann, sind doch für die aktuelle und mittelfristige Sicherung einer qualifizierten Versorgung wenig wert. Hiermit wird nur das unter Sparzwängen seit Jahrzehnten gelebte Prinzip der verbalen Aufgeschlossenheit bei praktizierter Verhaltensstarre fortgesetzt.

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