Digitalisierung um jeden Preis!?

Thomas Dörrer
Thomas Dörrer

Die Zeiten unserer Kommunikation mittels Fax und Postbrief scheinen wohl gezählt zu sein. Die Telematikinfrastruktur wurde uns aufgezwungen und wird unser dienstliches Leben mehr und mehr bestimmen. Nach dem Beginn im ambulanten Bereich mit dem Datenabgleich folgen nun die stationären Einrichtungen. Und dann kommen Schlag auf Schlag die eAU, das eRezept und die ePatientenakte. Klingt ja alles schön und gut. Allerdings werden verschiedene Probleme einfach negiert.

In unserem Flächenland gibt es nicht „an jeder Milchkanne“ Internet. Da stellt sich mir schon die Frage, wie das Bundesministerium das alles durchsetzen will, ohne die Grundvoraussetzung flächendeckend zu schaffen. Ich sehe schon unsere Kollegen aus den Tälern des Harzes oder den weiten Flächen der Altmark mit einem Stick und Laptop auf einen Gipfel oder an einen Funkmast fahren, um die ePA zu bestücken!

Und was für eine Farce ist denn bitte die Umsetzung der eAU und des eRezepts! Das solle schließlich Bürokratie abbauen! Nun liebe Kolleginnen und Kollegen, genau das tut es nicht. Es verschiebt sie nur in unsere Praxen. Da lobe ich mir die skandinavischen Länder, wo das Rezept über einen sicheren Zugang an eine Apotheke der Wahl des Patienten übermittelt wird und der Patient es dann da abholen kann, ohne Papier, einfach mit der Chipkarte. Wie machen wir es? Wir schieben das Rezept in eine Wolke und drucken dem Patienten einen Zugangscode aus, den wir natürlich mit einer Online-Signatur versehen müssen! Warum? Damit die freie Apothekenwahl gewährleistet wird und natürlich der Patient das Rezept selbst jederzeit einsehen kann. Ist das eine Erleichterung für das Gesundheitssystem? Auf keinen Fall!

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Heißer Herbst 2020: Corona und andere Probleme

Henrik Straub Foto: Archiv
Henrik Straub
(Foto: Archiv)

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
Die weltweite Corona-Pandemie ist noch allgegenwärtig und wird uns mit all ihren Problemen die kommenden Monate begleiten. Sie wird ein Garant für einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag sein und uns dynamische Veränderungen mit deutschlandweit schwer überschaubaren, uneinheitlichen Verordnungen bescheren. Und als ob das nicht schon des Guten genug wäre, drängt sich mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen ein weiteres eher ungeliebtes Thema in unseren Fokus. Nach DVG folgen DVG II, PDSG und damit weitere gesundheitspolitische Segnungen für die Modernisierung des Arztberufes.

Es wird wichtig sein, über das fehlende Augenmaß unseres jungen, überaus dynamisch agierenden Gesundheitsministers hinaus beim Umgang mit dem „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale-Versorgung-Gesetz – DVG)“ und dem „Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG)“ Bedacht walten zu lassen, um die angestrebte bessere Patientenversorgung damit überhaupt ermöglichen zu können. Sorgen bereitet mir zum Beispiel beim gut gemeinten DVG (wie so oft bei von Beamten ohne ausreichende Kenntnisse der schnöden Alltagsarbeit kreierten Gesetzen) die Umsetzbarkeit aufgrund der nur begrenzt verfügbaren Ressourcen und der bisher äußerst überschaubaren Vernetzung des ambulanten und stationären Versorgungsbereiches.

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30 Jahre Selbstverwaltung - Freiberuflichkeit reflektieren und bewahren

Dr. Simone Heinemann-Meerz
Dr. Simone Heinemann-Meerz
(Foto: Archiv)

„Bestimme dich aus dir selbst.“ (Schiller)

Mit diesen Worten verwies Friedrich Schiller – einst selbst Arzt – bereits 1793 auf die Werte Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit. Die Freiberuflichkeit steht sinnbildlich für diese Werte. Zugleich war das Kern des Handelns, welcher vor 30 Jahren zur Gründung unserer Ärztekammer führte.

Unmut trieb nicht zuletzt Mediziner spätestens 1989 auf die Straße. Die Unzufriedenheit über das bestehende zentralistische Gesundheitswesen der DDR war groß.

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Das Jahr 2021 – ein Superwahljahr (?)

Dr. med. Peter Eichelmann
Foto: Archiv

Die letzten drei Monate haben durch den Ausbruch der COVID-19-Pandemie unser Privat- und Berufsleben stark geprägt. Die notwendige Einschränkung der persönlichen Kontakte zur Familie oder zu Freunden veränderte unser Leben. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Gesellschaft schon nach dieser kurzen Zeit nicht mehr so ist, wie sie vor der „Corona-Krise“ war. Noch sind Einschränkungen im Alltagsleben vorhanden. Diese können nur schrittweise wieder aufgehoben werden, um langsam in die neue Normalität mit der Virusbekämpfung zu gelangen. Die Bundesregierung und die Regierungen der Bundesländer haben gemeinsam gehandelt. Der deutsche Föderalismus hat sich trotz viel Kritik in dieser schweren Zeit bewährt. „Superwahljahr 2021“? – Es ist vielleicht ein nicht notwendiger Superlativ!

Die demokratischen Strukturen und Arbeitsweisen stehen bei vielen Wahlen in Deutschland im nächsten Jahr auf dem Prüfstand. Im Herbst findet die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag statt. Zwei Landesparlamente werden ebenfalls im September oder Oktober gewählt. Schon im März 2021 sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Wahl zum Landtag in Sachsen-Anhalt ist für Anfang Juni 2021 vorgesehen.

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Die Krise als Chance

Dr. med. Thomas Langer
Dr. med. Thomas Langer
Foto: Archiv

Im Rahmen der aktuellen Pandemie erleben wir eine empfindliche Einschränkung des weltweiten Warenverkehrs. Überoptimierte globalisierte Prozesse zeigen unbarmherzig ihre Schattenseiten. Selbst der Austausch von Waren und Arbeitskräften innerhalb Europas kommt ins Stocken. Was man im Falle der Spargelernte, abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden, je nach individueller Vorliebe vielleicht noch hinnehmen könnte, bedeutet im medizinischen Bereich unter Umständen mittelbar Lebensgefahr. Dies betrifft nicht zuletzt Medikamente. Es hat mich überrascht und erschreckt, dass das banale Medikament Cotrimoxazol nicht mehr verfügbar war. Der Produktionsstandort sei Indien, wurde mir mitgeteilt und wegen der aktuellen Krise könne man nicht liefern. Immunsupprimierte Patienten bekommen unter anderem dieses Mittel prophylaktisch in niedriger Dosierung, um opportunistische Infektionen zu verhindern.

Die initiale Ausbreitung des Corona-Virus wurde sicherlich begünstigt, weil chinesische Behörden den Arzt, der als erster vor der neuen Krankheit warnte, anfangs mundtot machen wollten. Der Druck der Realität hat ein Umdenken bewirkt. Es folgten die bekannten drastischen Maßnahmen des chinesischen Staates.

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