Willkommen in der eMedizin

Dr. med. Peter Wolf
Dr. med. Peter Wolf

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Jahr 2016 neigt sich langsam dem Ende zu und während viele gedanklich mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsfest beschäftigt sind, läuft fast unbemerkt die Umsetzung des E-Health-Gesetzes auf Hochtouren. Schon 2004 hatte der Gesetzgeber mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz die Grundlagen für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der Telematikinfrastruktur gelegt. Nun sind 12 Jahre vergangen und die eGK ist flächendeckend bei den Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung angekommen, was fehlt sind die Anwendungen. Die Ärzteschaft hat diesem Prozess von jeher eher skeptisch ablehnend gegenüber gestanden. Auf jedem deutschen Ärztetag gab es seitdem zum Großprojekt „Elektronische Gesundheitskarte“ kontroverse Diskussionen, regelmäßig wurden Entschließungen verabschiedet, die die Bedenken der Delegierten zum Ausdruck brachten. Der 109. Deutsche Ärztetag 2006 in Magdeburg forderte „Mehr Zeit für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte“ und dass die finanziellen und organisatorischen Aufwendungen der Ärzte und Leistungserbringer angemessen vergütet werden. 2014 in Düsseldorf hieß es dann im Antrag VII-76: „In den vergangenen acht Jahren hat sich herausgestellt, dass das eGK-Projekt nicht geeignet ist, eine moderne, sichere, patienten- und arztdienliche elektronische Kommunikation im Gesundheitswesen zu befördern.“

Seit dem 1. Januar 2016 ist nun das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen in Kraft und Minister Gröhe macht gewaltig Druck bei der Umsetzung sowie bei der Implementierung der Anwendungen der digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen. Mit seiner Überzeugung „Mit dem E-Health-Gesetz treiben wir den Fortschritt im Gesundheitswesen voran. Dabei stehen Patientennutzen und Datenschutz im Mittelpunkt.“ und einem im Gesetz verankerten straffen Zeitplan sollen bis Mitte 2018 Arztpraxen und Krankenhäuser flächendeckend an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein. Sonst drohen Sanktionen, Haushaltskürzung in Höhe von 10-15 %. Jetzt stehen Ärzte, Kassen und Industrie „gleichermaßen in der Pflicht, die gesetzlichen Vorgaben im Sinne der Patienten zügig umzusetzen.“ Als Vorspiel haben ab dem 01.10.2016 die Versicherten Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan - BMP. Danach wird es für uns interessant: 01.01.2017 Versand von eArztbriefen, 01.01.2018 Notfalldaten und Medikationsplan auf der eGK, 01.01.2019 eine ePatientenakte unter Verfügungsgewalt des Patienten. Und für all diese Funktionen benötigt der Arzt einen eArztausweis. Dazu kommt die elektronische Prüfung des Versicherungsnachweises auf der eGK und Aktualisierung der Versichertenstammdaten (Versichertenstammdatenmanagement – VSDM), die bisher vehement von der Ärzteschaft abgelehnt wurde. Bis spätestens zum 01. Juli 2018 müssen dafür alle Vertragsärzte an die Infrastruktur angeschlossen sein und das VSDM durchführen. Andernfalls droht ihnen ein Honorarabzug in Höhe von 1 %. Spätestens jetzt dürfte dem Letzen klar sein, dass sich eine Diskussion zur Sinnhaftigkeit des eArztausweises erübrigt hat. Es hilft auch kein Lamentieren, das vor allem wir Niedergelassenen mal nebenbei auch für die gesamte benötigte Infrastruktur zuständig gemacht wurden. Da fragt man sich schon, wer am großen Lobby-Rad gedreht hat. Denn den eArztausweis gibt es selbstverständlich nicht umsonst, monatliche Kosten z. Zt. 7,90 €. Um ihn benutzen zu können, benötigt man einen Kartenleser (60 bis 100 €). Über den verschlüsselten Kommunikationskanal KV-Connect können Ärzte und Psychotherapeuten auf elektronischem Weg Nachrichten und Daten sicher austauschen. Voraussetzung für die Nutzung von KV-Connect ist ein Zugang zum Sicheren Netz der KVen, idealerweise mit KV-SafeNet. Das gibt es ab 10 €/Monat von einem zertifizierten Anbieter. Einrichtung inklusive Technikerbesuch ab 200 € aufwärts. Da sind die 300 € Förderung von der KV schnell aufgebraucht. Aber dafür bekommt man dann auch was: 0,55 € dürfen sich Sender und Empfänger vom eArztbrief teilen. Die Kostenpauschale EBM-Nr. 40120 für den Briefversand auch per Fax beträgt ebenfalls 55 Cent. Ich denke, wenn man den eArztbrief wirklich fördern will, muss man noch eine kleine Motivation nachlegen.
Wer sich jetzt spontan zur Beantragung des eArztausweises entschlossen hat, nutzt hierzu am bequemsten das Kammerportal unserer Ärztekammer.

Ich habe bewusst auf eine polemische Auseinandersetzung mit dem Thema verzichtet. Die jungen Kollegen hätten mir sonst wenig aufgeschlossene Haltung dem digitalen Fortschritt gegenüber attestieren können. Ich fürchte allerdings, dass ein Bürokratieabbau und eine Erleichterung der täglichen Arbeit nicht Ziel des E-Health-Gesetzes war. Kommunikation unter Ärzten hat es immer gegeben, die Qualität des Austausches an Informationen lag eher in der Hand der Beteiligten. Die Idee mit dem Notfalldatensatz ist sicher gut, aber ob im Notfall immer auch ein Lesegerät zur Stelle ist, muss bezweifelt werden. Profitieren werden sicher wieder andere, zum einen die Industrie und zum anderen die Krankenkassen, zu deren Erfüllungsgehilfen wir uns wieder machen lassen mussten.

Dr. med. Peter Wolf

„Durchbruch“ bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Dr. med. Thomas Langer
Dr. med. Thomas Langer

Unlängst verfingen sich meine Augen beim Surfen im Internet an einer Schlagzeile. Der unmittelbar bevorstehende Durchbruch bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen sei zu erwarten. Der Angsthase in mir assoziierte sofort und unwillkürlich mit diesem Wort den Begriff Dammbruch und verheerendes Hochwasser. Die genaue Lektüre des Textes einer Bank, der sich auf eine Befragung unter Medizinern bezog, konnte meine primäre Skepsis aber auch nicht ganz auslöschen. Alles Mögliche wurde da in einen Topf geworfen: Telemedizin und Vernetzung, Assistenzsysteme ärztlicher Leistungen, Patientenplattformen, computergestützte Diagnostik und Therapie. Letzlich belegte aber das Ergebnis der Befragung keinen Hype, der mir immer verdächtig wäre. Lediglich 30 Prozent der Mediziner rechnen damit, das sich die „Digitalisierung“ im Gesundheitswesen in den nächsten vier Jahren durchsetzt.

Sicherlich ist eine gesunde Skepsis immer angezeigt, wenn es um angesagte Techniken geht. Schließlich werden auch neue Medikamente auf Herz und Nieren geprüft, bevor diese auf die Menschheit und auf das Krankenkassenbudget losgelassen werden. Negative Beispiele aus jüngster Zeit belegen diese These. So hat der sogenannte Autopilot des Elektroautos Tesla S einen tödlichen Unfall nicht verhindern können. Ganz aktuell war die Nachricht, dass selbst Apples iPhone eine Sicherheitslücke aufwies. Der medizinische Sektor wurde nicht verschont. So hatte in diesem Jahr ein Erpressungstrojaner mehrere Kliniken in Deutschland durch Verschlüsselung der Datenträger zeitweise lahmgelegt.

Wie ist der Stand der Dinge bei robotergestützten Eingriffen? – wobei der Begriff Roboter hier ebensowenig passt wie das Etikett „Autopilot“ für ein Spurhalte- und Geschwindigkeitsregelsystem im Kraftfahrzeug. Nach dem initialen Versagen der robotergestützten Technik im Bereich der Hüftchirurgie scheint im Besonderen das DaVinci-System bei abdominellen und speziell urologischen Eingriffen hilfreich zu sein. Ein natürliches Zittern der Hand des Chirurgen wird kompensiert und die vielfache optische Vergrößerung des Operationsgebietes bringt Vorteile. Allerdings gehört auch zu dieser Methode eine Lernkurve. Gut zu wissen, auf welchem Punkt dieser Kurve sich der jeweilige Akteur befindet. So mancher Operateur, der sowohl mit konventioneller Technik als auch mit dem neuen Verfahren mehrhundertfache Erfahrungen hat, stellt fest, dass bei ihm die medizinischen Ergebnisse beider Verfahren auf gleichem Niveau liegen. Aufgrund der Außenwirkung wirbt natürlich jede Klinik mit dem Zugpferd neuer Technik, was andere dazu zwingt, gleichfalls aufzurüsten.
Viel spannender als die schon heute im Feldversuch eingesetzten Techniken ist für mich die Frage nach dem Stellenwert der künstlichen Intelligenz in der Medizin. Sind Menschen und damit auch Ärzte algorithmisierbar? Nach den Schach- und Go-Weltmeistern könnten vielleicht in Zukunft auch Mitglieder der Zunft der Mediziner geschlagen werden. Bemerkenswert ist, dass z. B. die auf Gesundheits- und Biotechnologie spezialisierte chinesische Fondsgesellschaft Deep Knowledge eine Software namens VITAL (Validating Investment Tool for Advancing Life Sciences) als stimmberechtigtes Mitglied in ihren Vorstand aufgenommen hat. Das System soll Markttrends besser als entsprechende Analysten erkennen können.

Um noch einmal auf die Assistenzsysteme im Straßenverkehr zurückzukommen: auch hier ist der Trend zur (teilweisen) Autonomie der Fahrzeuge unverkennbar. Eine Vielzahl von Sensoren am Fahrzeug und Programme auf der Grundlage neuronaler Netze haben vermutlich das Potenzial, trotz aller noch zu lösender Fragen den Straßenverkehr sicherer zu machen.

Droht also auch mancher ärztlichen Profession das Schicksal von Milchmann, Weber und Gaslaternenanzünder? Nun, wenn wir uns auf ökonomisch ausgerichtete „Behandlungspfade“ reduzieren lassen (z. B. DRG-System), wenn wir rein abrechnungsgesteuert agieren, wird es eine Ärzte-App möglicherweise auch richten können.

Nutzen wir hingegen das uns eigene neuronale Netzwerk zwischen den Schultern, verbunden mit den über Tausende von Jahren evolutionserprobten biologischen Sensoren, sind wir so schnell nicht zu schlagen. Natürlich sind elektronische Assistenzsysteme nach adäquater Evaluierung hoch willkommen. Pure Modetrends sollten wir allerdings nicht bedienen.

Vielleicht ist es aber gerade die uns mögliche Empathie für den Patienten, so sie denn zur Anwendung kommt, die uns vor der künstlichen Intelligenz noch viele Jahre Vorsprung gewährt.

Dr. med. Thomas Langer

Fachkräftemangel?

Dipl.-Med. H. Thurow
Dipl.-Med. H. Thurow

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

diesmal kein klagen über Ärztemangel in der Niederlassung, im Krankenhaus oder im öffentlichen Gesundheitswesen. Es geht mir vielmehr um diejenigen, ohne die unsere ärztliche Arbeit undenkbar wäre. Es geht mir um die Krankenschwestern, MFA/MTA, Kranken- und Altenpfleger und Physiotherapeuten etc.

Vor ca. 8 Wochen haben viele von ihnen ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, haben Arbeitsverträge unterschrieben, sind an den Ausbildungsplätzen geblieben oder haben neue Arbeitsorte gefunden. Jetzt, Anfang September, hat der Unterricht für die neuen Azubis begonnen. Für viele von ihnen ist es die erste Ausbildung, einige haben aber auch die Chance ergriffen, einen Neustart in einem völlig neuen Beruf zu wagen. Die allermeisten von ihnen werden, so die Prognose, keine Probleme haben, nach der Ausbildung eine Anstellung zu finden.

Eine steigende Zahl von Anrufen in der Geschäftsstelle und auch Gespräche mit Kollegen weisen darauf hin, dass der Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal zunimmt und die Suche danach ein immer größeres und zudem zeitraubendes Problem darstellt.

Auch in unserer Praxis vollzieht sich gerade aus Altersgründen ein Personalwechsel. Ich weiß also, wovon ich spreche. Durch Kontakt zur Jobbörse, durch Stellenausschreibung im Internet und in den lokalen Medien gingen eine Reihe von Bewerbungen bei uns ein. Interessant sind die mitunter „bunten“ beruflichen Biographien! So vollziehen einige Bewerber/innen, aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund des Wunsches nach beruflicher Neuorientierung, spannende Wechsel zwischen den Berufszweigen (z. B. von einem Handwerk in den Gesundheitsbereich).

Hierbei stellt sich mir jedoch die Frage, ob diese Quereinsteiger die erforderlichen Qualifikationen in der kurzen Zeit einer Einarbeitung in ausreichendem Maß erlangen können, um einen direkten Einstieg zu bewältigen und vor allem den hohen fachlichen Anforderungen gerecht zu werden. Ich gebe zu bedenken: in vielen anderen Ausbildungsberufen ist es undenkbar, ungelerntes Personal in kurzer Zeit anzulernen, um es dann hochqualifizierte Tätigkeiten ausführen zu lassen.

Andererseits verlassen viele Fachkräfte des sogenannten „mittleren medizinischen Personals“ den Beruf. Und die Zahl der Bewerber/innen für einen Ausbildungsplatz im medizinischen Bereich schwindet. Was sind die Ursachen? Sicher ist dies vor allem der demographischen Entwicklung geschuldet. Aber warum sind vormals so attraktive und begehrte Berufe heute so viel weniger gefragt? Ist es zu geringe Entlohnung, sind es die unregelmäßigen Arbeitszeiten, die permanente Überbelastung, zu viele Überstunden und Dienste, psychische Überforderung, die scheinbar nicht mehr zu bewältigende überbordende Bürokratie, durch die die eigentliche Arbeit am Patienten immer mehr in den Hintergrund rückt!

Sicher spielt all das, für jeden Einzelnen in unterschiedlichem Maß, eine Rolle – und nicht alles können wir ändern. Aber wir müssen uns, so denke ich, in nächster Zeit Gedanken machen, wie wir die Attraktivität der medizinischen Fachberufe verbessern können, so dass sich eine gesunkene Zahl von Bewerber/innen wieder mehr für diese interessiert. Sonst stehen wir vielleicht in absehbarer Zeit ohne qualifiziertes Personal in der Praxis oder am Krankenbett.

Dipl.-Med. H. Thurow
Geschäftsstelle Dessau

Nicht nachlassen!

Dr. Simone Heinemann-Meerz
Dr. Simone Heinemann-Meerz

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

als ich mich vor fünf Jahren darum bewarb, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt zu werden, habe ich – frei nach Martin Luther – erklärt:

„hier stehe ich und kann nicht anders“

Vor der diesjährigen Wahl, habe ich gesagt:

„hier stehe ich und kann immer noch nicht anders“

Bei meiner Wiederwahl im Juni habe mich über die sehr große Zustimmung und das damit verbundene Vertrauen sehr gefreut. Dafür bedanke ich mich herzlich.

Zu Beginn meiner Präsidentschaft habe ich mich für eine Amtszeitbegrenzung ausgesprochen. Die entsprechende Regelung finden Sie heute in unserer Hauptsatzung. Ein Novum in Deutschland. In fünf Jahren wird es also einen Wechsel geben. Ein erstes Versprechen ist damit umgesetzt worden.

Auch andere Ziele wurden Realität. So kommt das Ärzteblatt mit neuer inhaltlicher Gestaltung und einem neuem Outfit daher. Mit unserem Facebook-Auftritt erreichen wir zahlreiche junge Kollegen sowie Studenten. Wir haben eine konstante Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eingeführt. Dadurch haben wir der Ärztekammer Stimme und Gesicht gegeben. Wir konnten Botschaften transportieren, werden ernst genommen und wir werden gefragt!

Die Kammer hat sich eingemischt und oft auch durchgesetzt.
Unsere Kollegen arbeiten nun auch in Gremien der Bundesärztekammer mit und sind zugleich weniger „berlinhörig“. Dies spiegelt sich beispielsweise in den gerade eingeführten Zusatzweiterbildungen „Krankenhaushygiene“ und „Transplantationsmedizin“ wider. Auch hier sind wir Vorreiter in Deutschland. Durchgesetzt hat sich die Kammer zudem als Zulassungsstelle für Gelbfieberimpfstellen oder der seit 2015 übernommenen Aufgabe der Fachsprachenprüfungen für ausländische Kollegen im Land. Schon 2007 habe ich nachlesbar geäußert:
„Ich möchte mich nachdrücklich dafür einsetzen, ein möglichst großes Maß an Konsens zwischen Haus-, Fach- und Krankenhausärzten herzustellen bzw. zu fördern.“

Dafür habe ich mich damals wie heute als Präsidentin engagiert. Beispielhaft dafür steht die verbesserte Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung mit regelmäßigem Austausch und gemeinsam organisierten Fortbildungen. Aber auch die KOSTA konnte mit viel Überzeugungsarbeit durch die beigetretene Krankenhausgesellschaft komplettiert werden.

Nur als Einheit und nicht als differente Parteien bilden wir eine wirkungsvolle Stimme, egal ob wir die Themen der Niedergelassenen oder der Krankenhausärzte aufgreifen.

Zusammenkommen ist ein Beginn,
Zusammenbleiben ein Fortschritt,
Zusammenarbeiten ein Erfolg.

(Henri Ford 30.07.1863, † 07.04.1947)

In der Ärztekammer ist kein Platz für Gezänk jedweder Art. KV, Hausarztverband, Facharztverband und Krankenhausgesellschaft können sich einbringen. Bestehende Differenzen müssen untereinander ausgetragen werden. Gerne ist die Ärztekammer bei Bedarf auch Moderator.

In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von Netzwerken entstanden und viele persönliche Kontakte erleichtern heute die Arbeit. Das möchte ich dann gerne – später – planmäßig und geordnet übergeben.

Der Verantwortung für meine Wiederwahl bin ich mir bewusst. Ich freue mich auf fünf spannende und produktive Jahre, in denen wir zusammen noch viel erreichen müssen. Wir stehen Ihren Vorschlägen und Kritiken gleichermaßen offen gegenüber. Bitte sprechen Sie mit uns. Wir freuen uns auf Sie.

Ihre
Dr. Simone Heinemann-Meerz
Präsidentin

Denken und Wählen

Dr. Michael Büdke
Dr. Michael Büdke

(nach der Wahl ist vor der Wahl)

Schon im Januar habe ich mir dieses Thema für das Juni-Heft gewählt, wegen der Wahlentscheidungen, die wir im Land und in unserem Kammerbereich dieses Halbjahr zu treffen haben. Statt nachträglicher Kommentare ein Artikel in Etappen. Vielleicht werden Denkprozesse erkennbar. Oder angeregt für später?

7. März In wenigen Tagen ist Landtagswahl. Der Zustrom der Flüchtlinge überlagert als Thema alles andere. Werden wir Politiker wählen, die sich der Probleme mit Menschlichkeit, Realismus und Augenmaß annehmen? Viele Menschen haben Angst. Nicht wenige glauben Hassparolen und unhaltbaren Versprechungen. Bei vielen vermisse ich das eigene Nachdenken. Es wäre gerade vor der Wahl so wichtig.

Die medizinische Versorgung der Asylbewerber funktioniert. Wir müssen nicht händeringend nach ärztlichem und pflegerischem Personal suchen. Darauf können wir stolz sein. Auch Kandidaten für unsere Selbstverwaltung gibt es wieder reichlich. Das ist ein gutes Zeichen.

14. März Gestern war Landtagswahl. Die Wahlbeteiligung ist drastisch gestiegen. Also denken doch viele der bisherigen Nichtwähler, ihre Stimme kann etwas bewirken. Das ist gut. Ob aber die dramatischen Veränderungen im Parlament die Lösung der Aufgaben erleichtern? Ich bezweifle es. Die Neuen im Landtag müssten zur politischen Arbeit finden, statt wohlfeil „dagegen“ zu sein. Und den Etablierten ist es nicht gelungen, das Wahlvolk mit Argumenten zu überzeugen. Nun sind sie geschwächt. Jede mögliche Koalition wird labiler sein als die bisherige. Die Herausforderungen aber bleiben.

3. April Eine hohe Beteiligung an unserer Kammerwahl, wenn auch leider fast die Hälfte der Ärzteschaft nicht teilnimmt. Die immer noch häufige Frage nach Sinn und Aufgaben der Ärztekammer müssen wir weiter geduldig und überzeugend beantworten, dann erreichen wir hoffentlich in fünf Jahren 60 %. Fragen Sie. Bringen Sie sich ein! Denken Sie (rechtzeitig) mit! Fremdbestimmung haben wir genug.

Anfang Mai Die letzte Kammerversammlung liegt hinter uns. Die konstituierende der neuen Legislaturperiode steht bevor, mit Präsidiums- und Vorstandswahlen. Jetzt wird viel gedacht und geplant, eher weniger öffentlich geredet. Ich wünsche unserer Standesvertretung weise Entscheidungen. Nicht Haus- gegen Fachärzte, nicht niedergelassene gegen Klinikärzte, sondern Kolleginnen und Kollegen, die sich auch mit der Sichtweise der anderen ernsthaft auseinandersetzen und die in der Lage sind, ein Stück in den Schuhen der anderen zu gehen. Es ist paradox, aber so kommt man besser voran. Und gewählt sind wir für unsere gesamte Ärzteschaft.

Es ist gut, vor dem Wählen zu denken und danach nicht damit aufzuhören. Wir alle wissen: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Beruflich, politisch und in unserer Ärztekammer sollten wir immer geistig aktiv bleiben und unsere Belange selbst gestalten, eingedenk des Spruches von Curt Goetz (1888-1960): „Das Denken ist allen erlaubt. Vielen bleibt es erspart“. Sparen wir nicht an der falschen Stelle.

Danke, dass Sie auch das vierte Wahl-Editorial in Folge gelesen haben. Aber ich dachte, keine andere Wahl zu haben.

Ihr Dr. Michael Büdke