Dr. med. Lutz Lindemann-Sperfeld
Dr. med. Lutz Lindemann-Sperfeld

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der 118. Deutsche Ärztetag vom 12. bis 15. Mai 2015 in Frankfurt am Main ist Geschichte. Hier wurden wichtige Entscheidungen getroffen. Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt mit ihrer Präsidentin, Frau Dr. Simone Heinemann-Meerz, hat Impulse gegeben. Die Arbeitsgruppe zur Neustrukturierung der BÄK-Gremien wird von ihr und ihrer Amtskollegin aus Bremen, Frau Dr. Heidrun Gitter, geleitet. Zu diesen und den weiteren, für unseren Berufsalltag wichtigen Entscheidungen fanden Sie im letzten Ärzteblatt Informationen auf den Seiten 18 und 19.

Mich hat aber ein anderes Thema besonders bewegt. Das war der Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, Herrn Dr. Tankred Stöbe, über den Einsatz zur Hilfe bei der Ebola-Katastrophe in Westafrika. Was die Ärzte und ihre Helfer dort geleistet haben und leisten, verdient meine absolute Hochachtung. Wie erkläre ich meiner Familie, dass ich aus humanitären Gründen mein trautes Heim und mein geregeltes Arbeitsumfeld verlasse, um totgeweihten Menschen auf einem anderen Kontinent zu helfen und dabei mein eigenes Leben riskiere.

Ich finde, diesen mutigen, aufopferungswilligen, tatkräftig Helfenden, die in schwierigster Umgebung, auch unter härtesten äußeren Bedingungen freiwillig helfen, gilt unser höchster kollegialer Respekt. Die deutsche Sektion „Médecins Sans Frontières“ („Ärzte ohne Grenzen“) wurde 1993 als gemeinnütziger Verein gegründet. Als Teil des internationalen Netzwerkes verfolgt sie das Ziel, Menschen in Not, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugung medizinisch zu helfen und zugleich auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

Die deutsche Sektion beteiligt sich an den Hilfseinsätzen des internationalen Netzwerkes auf vielfältige Weise. Sie stellt qualifiziertes Personal ein, wirbt Spenden und andere Gelder ein und informiert die Öffentlichkeit über die Aktivitäten der Organisation. „Ärzte ohne Grenzen“ leistet medizinische Hilfe in Ländern, in denen das Überleben von Menschen durch Konflikte, Epidemien oder natürliche Katastrophen gefährdet ist. Je nach Bedarf leistet sie basismedizinische Grundversorgung oder eine chirurgische Nothilfe, bekämpft Epidemien, führt Impfkampagnen durch, betreibt Ernährungszentren, konzentriert sich auf die Mutter-Kind-Versorgung. „Ärzte ohne Grenzen“ bietet aber auch psychologische Hilfe an und behandelt Infektionskrankheiten, wie HIV/Aids, Tuberkulose, Kala-Azar oder eben Ebola. Obwohl „Ärzte ohne Grenzen“ vorrangig medizinisch arbeitet, sorgt sie auch für sauberes Trinkwasser, Nahrungsmittel, Unterkünfte oder allgemeine Hilfsgüter, wenn Menschen dies zum Überleben benötigen. Für dieses Engagement wurde die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ 1999 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Das Ziel von „Ärzte ohne Grenzen“ ist es, in Krisensituation schnell und professionell auf akute medizinische Bedürfnisse der Bevölkerung zu reagieren. Da der Einsatz je nach Kontext unterschiedlich ist, sammelt „Ärzte ohne Grenzen“ vor jedem Hilfseinsatz Daten zu Art und Umfang der benötigten Hilfe. Anhand klar festgelegter Indikatoren treffen die Verantwortlichen daraufhin die Entscheidung, ob und wann ein Nothilfeeinsatz stattfinden soll. Anhand dieser Indikatoren werden die Strategien und Ziele eines Projektes definiert. Wichtig ist es auch, einheimische Ärzte und Assistenzpersonal zu schulen und auszubilden, so dass diese nach Beendigung eines Projektes die Vorortbetreuung auch weiterführen können. Dies ist extrem wichtig für die entsprechenden Länder. Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist ein Markenzeichen von „Ärzte ohne Grenzen“. Unser Kollege Tankred Stöbe erhielt für seinen Vortrag einen langanhaltenden Beifall. Dieser herzliche Beifall galt aber nicht nur seinem Vortrag, sondern dem hervorragenden Engagement seiner Kollegen von „Ärzte ohne Grenzen“, den sie unter Verzicht auf Familie, geregelte Arbeitsverhältnisse, unter widrigsten Bedingungen, mit bis zur Erschöpfung gehendem körperlichen Einsatz und unter eigener Lebensgefahr leisten. Dieser lange Beifall war auch Ausdruck der Dankbarkeit der deutschen Ärzteschaft an ihre vorbildlichen Helfer.

Dr. med. Lutz Lindemann-Sperfeld
Vizepräsident

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