Henrik Straub
Henrik Straub

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Beim anstehenden Jahreswechsel zum Jahr 2016 und dem damit verbundenen Rückblick auf das Jahr 2015 bleiben uns allen verschiedene Ansichten. Was bewahre und verinnerliche ich für das Jahr 2015? Bei mir sind es im Wesentlichen drei Punkte:

Erstens: Die schockierenden Terroranschläge arabischer Fanatiker, die hunderte unschuldiger Menschen das Leben kosteten. Auf der ganzen Welt ist offensichtlich kein wirksamer Schutz dagegen möglich und es fällt schwer, davon unbeeindruckt und unbeschwert den Urlaub für das kommende Jahr zu planen.

Zweitens: Ganz viele 25-Jahr-Feiern. Diese 25-Jahr-Feiern sind und waren angebracht, weil sie uns an all die wiederbelebten deutschen Gemeinsamkeiten der letzten 25 Jahre nach dem Mauerfall erinnern. Innerdeutsche Mauern wurden eingerissen, wir haben als Deutsche mit einigen Schwierigkeiten und Problemen voneinander gelernt und sinnvolle Lösungen in der Alltagsproblematik erarbeit. So heißen zum Beispiel unsere DDR-Polikliniken heute MVZ und bewähren sich im täglichen Leben, sind sogar bis in den Freistaat Bayern vorgestoßen. Auch das „Grillen bei Doctor Eisenbarth“ zum 25-jährigen Jubiläum der ärztlichen Selbstverwaltung war wichtig und fand eine angemessene Resonanz seitens unserer Landespolitiker und weiterer wichtiger Partner im Gesundheitswesen.

Drittens die Flüchtlingsproblematik. Während die 25-Jahr-Feiern 25 Jahre nach der deutschen Einheit noch verständlich sind, habe ich mit der Flüchtlingsfrage so meine Probleme. Die medizinische Betreuung der Betroffenen scheint durch den Einsatz auch von schon berenteten Ärzten abgesichert zu sein. Das erleben wir zumindest in der ZASt in Halberstadt. Auch die Versorgung bei den im alten Maritim-Hotel in Halle untergebrachten Menschen funktioniert. Hochmotivierte Ärzte treffen hier auf Menschen in Not und handeln menschlich, wie es sich für unseren Berufsstand gehört. Die Menschen in Not erfahren Zuwendung und Wärme, was uns Deutschen sicher die Achtung und Dankbarkeit der Betroffenen sichert. Ein großes Dankeschön an unsere Kollegen für ihr intensives Engagement, ohne das die Bewältigung der Situation kaum möglich wäre. Uns allen wäre eine ähnliche Kompetenz der in der Sache mehr als zerstrittenen Politiker sicher mehr als recht. Unsere gewählten Vertreter beschäftigen sich wie schon gewohnt mehr mit Parteienzwistigkeiten als mit den vordringlichen Problemen unserer Gesellschaft.
Für 2016 kann daher nur gelten: luminaire dominis regentis, wir hoffen darauf.

Was erwartet uns 2016? Ganz sicher noch mehr Flüchtlinge, die dann einen nicht unbeachtlichen Teil der in Deutschland ansässigen Gesamtbevölkerung stellen werden und mit uns in Wohlstand leben wollen. Hoffentlich keine weiteren Terroranschläge.

Was noch? Im Jahr 2016 haben wir Wahlen in Sachsen-Anhalt. Wir wählen einen neuen Landtag und sicher nicht nur ich fürchte einen verstärkten Einfluss von Außenseitern wie der AfD, die mit ihrem rechten Gedankengut zur Verschärfung der Flüchtlingsproblematik beitragen werden und dennoch Zuspruch von so einigen Menschen unserer Gesellschaft erhalten.
Aber wir wählen auch unsere eigenen Interessenvertreter. Sowohl die Kammerversammlung der Ärztekammer als auch die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt werden als Legislative unserer Ärzteschaft neu gewählt. Bitte beteiligen Sie sich an diesen Wahlen! Wählen Sie aus Ihren Regionen die Vertreter, die für Kontinuität UND Wandel stehen. Wir benötigen in der Berufspolitik sowohl erfahrene Kollegen als auch „junge Wilde“, die die zu erwartenden Änderungen konstruktiv begleiten und sich mit den Nicht-Standespolitikern produktiv auseinandersetzen. Also wählen Sie klug auf allen Ebenen, damit es bei uns in Sachsen-Anhalt vorwärts geht.

Uns allen einen friedlichen Jahreswechsel und ein erfolgreiches 2016.

Ihr Henrik Straub