Dr. Uwe Ebmeyer
Dr. Uwe Ebmeyer

Ausblick nach Landtags- und Kammerwahl

Vor wenigen Tagen endete die Wahlzeit für die kommende Wahlperiode unserer Selbstverwaltungsorgane. Nach den Ergebnissen der Landtagswahl finden Sie in diesem Heft auch die Ergebnisse der Wahl zur Kammerversammlung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt.

11.946 Kolleginnen und Kollegen hatten die Möglichkeit an der Wahl ihrer Standesvertreter teilzunehmen. Zur vorausgegangenen Wahl waren es nur 11.076 und bei der 1. Wahl 1991 gar nur 6.919 Kammermitglieder. Die Ärztekammer hat heute so viele Mitglieder wie noch nie. Ungeachtet dessen macht sich im Land ein stetig zunehmender Ärztemangel bemerkbar. Ist die derzeitige Form des Medizinstudiums noch geeignet, junge Leute zu motivieren, nach Beendigung des Studiums im Arztberuf praktisch tätig zu sein? Derzeit wird an einer umfassenden Novellierung des Medizinstudiums gearbeitet. Auf zahlreichen Ebenen von Politik, Wissenschaft und Hochschullehre gibt es Bemühungen, einen „Masterplan Medizinstudium 2020“ zu entwickeln. Zentrale Ziele der Reform sind es, zukünftig eine bessere Auswahl unter den Studienplatzbewerbern, mehr Praxisnähe und wissenschaftliches Arbeiten sowie die Förderung der Allgemeinmedizin im Studium zu erreichen. Stellungnahmen und Maßnahmenvorschläge verschiedenster Institutionen belegen das überaus große Interesse an diesem Prozess. Aber wie immer steckt der Teufel im Detail. Was sind eigentlich verlässliche Kriterien für die Auswahl der „richtigen“ Studienplatzbewerber; Abiturnote, Zulassungstest, soziales Engagement oder regionale Verbundenheit? Wer wird am Ende ein „guter Arzt“? Die Zahl potentieller Faktoren ist groß, aber Aussagen zur prädiktiven Verlässlichkeit fehlen. Wo kommt also unser Nachwuchs her? Die Politik ist gefordert, gemeinsam mit den Hochschulen Wege zu finden, dass noch mehr Absolventen unserer beiden eigenen Fakultäten in unserem Bundesland als Ärzte tätig werden.

Der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM) 2015 fordert ebenfalls eine verbesserte Praxisnähe im Medizinstudium. Eine zentrale Stellung bei der Umsetzung des NKLM nimmt die fachübergreifende Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten und eine intensivierte patientennahe Ausbildung ein. Die zukünftigen Ärzte (Ärzte – nicht nur Mediziner oder gar „Heil-Master“) sollen darüber hinaus vermehrt wissenschaftlich arbeiten. Wird es nach 2020 vielleicht sogar wieder ein „Diplom“ geben? Ein Berufsdoktorat möge uns jedoch bitte erspart bleiben. Wie auch immer, eine effektivere Ausbildung der Studierenden ist nicht zum Nulltarif zu haben; weder finanziell noch personell. Seit Jahren arbeiten beide Medizinischen Fakultäten am finanziellen Limit. In den Wahlversprechen vor den zurückliegenden Landtagswahlen wurde von nahezu allen Parteien eine finanzielle Stärkung der Universitäten versprochen; wir sollten unsere neugewählten Volksvertreter beim Wort nehmen.

Die Allgemeinmedizin schon vor dem Inkrafttreten des Masterplans 2020 zu stärken, ist unangefochten von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung einer funktionierenden Versorgungsstruktur im Land. Um die Allgemeinmedizin schon frühzeitig im Medizinstudium abzubilden, gehen beide Fakultäten unterschiedliche Wege. Seit Jahren streiten Befürworter und Gegner eines allgemeinmedizinischen Pflichtabschnittes im praktischen Jahr über die Sinnhaftigkeit einer derartigen Herangehensweise. Bei kritischer Betrachtung muss eingestanden werden, dass es für das Ziel, mehr junge Ärzte für die Fachrichtung Allgemeinmedizin zu gewinnen, momentan nur ein verlässliches Rezept gibt: hochmotivierte Kollegen, die sich mit Herz und Engagement in die studentische Ausbildung einbringen.

In der kommenden Wahlperiode wird es große Aufgaben zu lösen geben, denn neben der Neustrukturierung des Medizinstudiums geht es auch um die Implementierung einer neuen Weiterbildungsordnung. Die Herausforderungen in Aus- und Weiterbildung können wir nur gemeinsam bewältigen. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit aller Ärzte notwendig; in eigener Niederlassung, im Krankenhaus und in der Hochschullehre. Ich bitte Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, unterstützen Sie diese Prozesse, denn es geht dabei um unseren eigenen „Nachwuchs“, um den Erhalt unseres Berufsstandes und auch um unsere eigene ärztliche Versorgung.

Ihr Dr. Uwe Ebmeyer

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