Dr. Michael Büdke
Dr. Michael Büdke

(nach der Wahl ist vor der Wahl)

Schon im Januar habe ich mir dieses Thema für das Juni-Heft gewählt, wegen der Wahlentscheidungen, die wir im Land und in unserem Kammerbereich dieses Halbjahr zu treffen haben. Statt nachträglicher Kommentare ein Artikel in Etappen. Vielleicht werden Denkprozesse erkennbar. Oder angeregt für später?

7. März In wenigen Tagen ist Landtagswahl. Der Zustrom der Flüchtlinge überlagert als Thema alles andere. Werden wir Politiker wählen, die sich der Probleme mit Menschlichkeit, Realismus und Augenmaß annehmen? Viele Menschen haben Angst. Nicht wenige glauben Hassparolen und unhaltbaren Versprechungen. Bei vielen vermisse ich das eigene Nachdenken. Es wäre gerade vor der Wahl so wichtig.

Die medizinische Versorgung der Asylbewerber funktioniert. Wir müssen nicht händeringend nach ärztlichem und pflegerischem Personal suchen. Darauf können wir stolz sein. Auch Kandidaten für unsere Selbstverwaltung gibt es wieder reichlich. Das ist ein gutes Zeichen.

14. März Gestern war Landtagswahl. Die Wahlbeteiligung ist drastisch gestiegen. Also denken doch viele der bisherigen Nichtwähler, ihre Stimme kann etwas bewirken. Das ist gut. Ob aber die dramatischen Veränderungen im Parlament die Lösung der Aufgaben erleichtern? Ich bezweifle es. Die Neuen im Landtag müssten zur politischen Arbeit finden, statt wohlfeil „dagegen“ zu sein. Und den Etablierten ist es nicht gelungen, das Wahlvolk mit Argumenten zu überzeugen. Nun sind sie geschwächt. Jede mögliche Koalition wird labiler sein als die bisherige. Die Herausforderungen aber bleiben.

3. April Eine hohe Beteiligung an unserer Kammerwahl, wenn auch leider fast die Hälfte der Ärzteschaft nicht teilnimmt. Die immer noch häufige Frage nach Sinn und Aufgaben der Ärztekammer müssen wir weiter geduldig und überzeugend beantworten, dann erreichen wir hoffentlich in fünf Jahren 60 %. Fragen Sie. Bringen Sie sich ein! Denken Sie (rechtzeitig) mit! Fremdbestimmung haben wir genug.

Anfang Mai Die letzte Kammerversammlung liegt hinter uns. Die konstituierende der neuen Legislaturperiode steht bevor, mit Präsidiums- und Vorstandswahlen. Jetzt wird viel gedacht und geplant, eher weniger öffentlich geredet. Ich wünsche unserer Standesvertretung weise Entscheidungen. Nicht Haus- gegen Fachärzte, nicht niedergelassene gegen Klinikärzte, sondern Kolleginnen und Kollegen, die sich auch mit der Sichtweise der anderen ernsthaft auseinandersetzen und die in der Lage sind, ein Stück in den Schuhen der anderen zu gehen. Es ist paradox, aber so kommt man besser voran. Und gewählt sind wir für unsere gesamte Ärzteschaft.

Es ist gut, vor dem Wählen zu denken und danach nicht damit aufzuhören. Wir alle wissen: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Beruflich, politisch und in unserer Ärztekammer sollten wir immer geistig aktiv bleiben und unsere Belange selbst gestalten, eingedenk des Spruches von Curt Goetz (1888-1960): „Das Denken ist allen erlaubt. Vielen bleibt es erspart“. Sparen wir nicht an der falschen Stelle.

Danke, dass Sie auch das vierte Wahl-Editorial in Folge gelesen haben. Aber ich dachte, keine andere Wahl zu haben.

Ihr Dr. Michael Büdke

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