Dipl.-Med. H. ThurowIch finde es wichtig, im Bedarfsfall einen kompetenten Kollegen in der niedergelassenen Praxis oder im Kranken-haus ans Telefon zu bekommen, der mein Anliegen sofort versteht und gewillt ist, mir zu helfen, zum Beispiel bei Fragen zum Entlassungsbericht, Medikation, sozialer Nachsorge, Verordnung von Hilfsmitteln usw. Es geht einfach um notwendige Informationen und deren Übermittlung.
Im Idealfall funktioniert alles. Ich erreiche meinen Kollegen, habe alle gewünschten Informationen in kürzester Zeit vorliegen. Das bedeutet für mich wenig Zeitaufwand, keinen Frust und eine sichere Versorgung des Patienten, geringe Kosten, keine Doppeluntersuchungen. Damit kann ich gut arbeiten.
Wie sieht die Realität aus?
Im Krankenhaus nimmt ein Kollege einen Patienten stationär auf. Auf dem Einweisungsschein fehlen die bisherige Medikation, Allergiehinweise bzw. Unverträglichkeiten, wegweisende Laborbefunde – ganz einfach relevante krankheitsbezogene Informationen. Der stationär tätige Kollege versucht Rückfragen zu stellen – vergeblich:
niemand geht ans Telefon, ständig ist besetzt, außerhalb der Sprechzeiten ist niemand zu erreichen usw..
Im anderen Fall wird der Patient Freitagmittag entlassen mit Pflegebett und anderem Hilfsmittelbedarf sowie umfang-reicher, meist neuer Medikation. Der Hausarzt ist nicht mehr erreichbar. Das Dilemma ist vorausbestimmt, diesmal für den Patienten und dessen Angehörige. Umfangreiche und belastende Improvisationen sind die Folge.
Ein weiterer Casus soll hier beschrieben werden:
Ein Patient wird aus dem Krankenhaus entlassen. Da der Stationsarzt nicht zur Verfügung steht, muss ein Kollege, der den Patienten nicht kennt, die vorläufige Epikrise schreiben. In dieser finden sich Ungereimtheiten bezüglich der weiterführenden Therapie. Mittels Telefonat versucht nun der weiterbehandelnde Arzt, die offenen Fragen zu klären. Der Kollege, welcher die Entlassung vorgenommen hat, ist inzwischen in Folge dienstlicher Aktivitäten nicht erreichbar. Zum Leidwesen von Hausarzt und Patient ist es nur in sehr aufwendigen Schritten möglich, eine definitive Auskunft zu bekommen.
Aus den hier angeführten Beispielen ist zu erkennen, wie nützlich und wichtig eine gute Kommunikation und kollegiale Zusammenarbeit ist. Nur leider funktioniert sie in der Realität oft nicht.

Was können wir tun und was wären mögliche Ansatzpunkte, um dem gewünschten Ziel näher zu kommen?

-     gemeinsame Themenabende im kleinen Kreis (Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte einer Region) mit Fehler-und Konfliktanalysen,
-      Suche nach Vernetzungsmöglichkeiten von stationärer und ambulanter Versorgung mit oder ohne Gesundheitskarte,
-     interdisziplinäre Stationsvisiten für niedergelassene Kollegen,
-     Abrechnungstechnische Anreize für bessere Kommunikation,
-     wiederkehrende Appelle für mehr kollegiale Achtung

Dies sind Vorschläge, die diskutiert werden sollten. Fest steht bei alledem jedoch, dass eine bessere Kommunikation und kollegiale Zusammenarbeit uns mehr Sicherheit, persönliche Zufriedenheit, weniger Zeitaufwand, geringeren finanziellen Aufwand, mehr Patientenzufriedenheit und weniger Konfliktpotential bringen.
Auf gute Zusammenarbeit!

Dipl.-Med. H. Thurow
Geschäftsstelle Dessau