Dr. med. Jörg Böhme
Dr. med. Jörg Böhme

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Leserinnen und Leser,

nachdem mein Vorstandskollege Peter Wolf noch in der Mai-Ausgabe des Ärzteblattes Sachsen-Anhalt geschrieben hat, der Masterplan 2020 sei erst einmal zu Grabe getragen worden, haben ihn Bund und Länder Anfang April nun doch auf den Weg gebracht. Das Medizinstudium soll kompetenzorientierter, praxisbezogener und patientennäher werden. Es sollen kommunikative und wissenschaftliche Kompetenzen der angehenden Mediziner gestärkt werden. Das Auswahlverfahren soll verändert und über Quoten soll häufiger als bisher eine Niederlassung auf dem Land realisiert werden. Für die Hausarztmedizin und für die hausärztliche Versorgung der Patienten ist dies ein großer Erfolg. Als erstes Bundesland will Bayern eine Landarztquote einführen. Es sollen bis zu 5 Prozent der Studienplätze an Bewerber gehen, die sich verpflichten, als Hausarzt in Regionen zu arbeiten, die unterversorgt sind oder in denen eine Unterversorgung droht. Hier ist das Land der Frühaufsteher gefordert, den Bayern zeitnah zu folgen. Ob durch diese Entscheidung ein Nachteil für andere Fachrichtungen entsteht, wird diskutiert. Dieser Masterplan wurde auch notwendig, nachdem auf dem Deutschen Ärztetag 2016 in Hamburg Forderungen nach einer Stärkung der Hausarztmedizin mit großer Mehrheit abgelehnt wurden. Nun hat die Politik diese Themen aufgegriffen. Es wird ein Quartal des praktischen Jahres in der ambulanten Medizin abzuleisten sein. Die ursprüngliche Forderung des Deutschen Hausärzteverbandes war, ein Tertial in einer hausärztlichen Praxis zu verbringen. Da dieser Antrag auf dem Deutschen Ärztetag 2016 nicht mehrheitsfähig schien, wurde dieser kurzfristig auf ein Tertial in der ambulanten Medizin geändert. Noch nicht einmal dieser Antrag zur Stärkung der ambulanten haus- und fachärztlichen Versorgung in Deutschland fand bei den Delegierten eine Mehrheit. Nun haben es die Gesundheitsministerkonferenz und die Kultusministerkonferenz entschieden. Keinem ärztlichen Kollegen schadet es, einmal in seinem Berufsleben einen 3-monatigen Einblick in eine ambulante Einrichtung zu bekommen. Wenn man diese Zeit effektiv nutzt, kann man davon in seinem weiteren beruflichen Werdegang nur profitieren. Für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Sektoren – für das Verständnis untereinander – ist es immer sinnvoll, auch die andere Versorgungsebene zu kennen. Sicher sind dafür 3 Monate auch zu wenig. Aber immer noch besser als gar nichts. Jeder Hausarzt und Facharzt, der im ambulanten Sektor tätig ist oder tätig wird, hat einen Teil seiner Weiterbildung in einer stationären Einrichtung abgeleistet. Schon kommen Forderungen auf, auch die Krankenhäuser hätten Ambulanzen...

Solange es aber nicht mehr Absolventen gibt, wird auch mit diesem Masterplan nur der Mangel verwaltet. Ich sehe schon die Diskussionen auf dem nächsten Deutschen Ärztetag. Auch in unserer Kammer wird dies nicht nur zustimmend zur Kenntnis genommen. In einem sollten wir uns alle einig sein, es darf keinen Hausarzt light geben. Wir verwahren uns gegen Modellstudiengänge, deren Grundlage nicht die bisher gültige Approbationsordnung ist. Mit dem immer größer werdenden Ärztemangel auf dem Land und der Fehlverteilung der Ärzte wird uns als Selbstverwaltung das Zepter des Handelns mehr und mehr aus der Hand genommen. Erste Eingriffe der Politik sind schon festzustellen.

Ob der Masterplan 2020 tatsächlich für die hausärztliche Versorgung auf dem Land Verbesserungen bringen wird, kann man frühesten in etlichen Jahren sehen. Er gehört aber zu einem riesigen Maßnahmenkatalog, um die hausärztliche Versorgung auch in der Fläche zu sichern. Es finden Informationsveranstaltungen in den Gymnasien statt. Über das veränderte Aufnahmeverfahren zum Studium ist schon viel geschrieben, aber in Sachsen-Anhalt noch nicht umgesetzt worden. Das Herbstsemester steht bald vor der Tür. Für die Studenten, die sich frühzeitig für die Haus- und Familienmedizin entscheiden, gibt es finanzielle und ideelle Unterstützung im Studium. Nach dem Studium wird mittels KOSTA, Weiterbildungsverbünden und den Kompetenzzentren für Allgemeinmedizin die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin fachlich aufgewertet und praxisnäher gestaltet. Auch bei der Planung der Niederlassung steht mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt ein kompetenter Partner zur Verfügung. In den Kommunen ist die medizinische Versorgung neben vielen anderen Dingen als weicher Standort erkannt worden. Das Thema der haus- und fachärztlichen Versorgung wird dort eifrig diskutiert. Erste Maßnahmen sind beschlossen.

Nun noch einmal zum Masterplan 2020 zurück. Auch ich habe einen Masterplan. Der heißt Masterplan 2030. In 2030 werde ich meinen Ruhestand vorbereiten wollen. Ich hoffe, dass unsere Hausarztpraxis dann in 3. Generation weitergeführt wird. Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Sommer- und Urlaubszeit.

Dr. med. Jörg Böhme