Dipl.-Med. H. Thurow
Dipl.-Med. H. Thurow
Foto: Archiv

Ja, so könnte ein Scherz beginnen. Aber geht ein Arzt tatsächlich regelmäßig zum Arzt? Achten wir Ärzte in genügendem Maße auf unsere Gesundheit, so wie wir es unseren Patienten tagtäglich raten? Ich bin aufmerksam und nachdenklich geworden, nachdem ich einen neuen Passus des aktuellen, überarbeiteten ärztlichen Gelöbnisses gelesen habe.

Auf dem Kongress des Weltärztebundes im Oktober 2017 in Chicago wurde folgender Satz neu eingefügt: „I will attend to my own health, well-being and abilities in order to provide care oft the highest standard.“ (Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlbefinden und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können).

Es ist also tatsächlich nötig, dass das Achten auf die eigene Gesundheit im ärztlichen Gelöbnis verankert wird? Nach dem, was man dazu in Statistiken und Publikationen finden kann, offensichtlich schon. Es gibt eine kanadische Studie aus dem Jahr 2015. Diese offenbart, dass 40 % der Ärztinnen und Ärzte keine Brustkrebs-, bzw. Prostatavorsorgeuntersuchung haben machen lassen, so wie es empfohlen wird. Umfragen unter Ärzten in Deutschland haben ergeben, dass 90% aller Ärzte sich selbst behandeln, nur 20 % haben einen Hausarzt! Wir sind häufiger depressiv als unsere Patienten, die Suizidrate unter Ärzten ist deutlich höher als im Bevölkerungsdurchschnitt und auch Abhängigkeitserkrankungen sind bei Medizinern häufiger. Sorge für und um die eigene Gesundheit sieht anders aus!

Wann waren Sie, liebe Kollegin, lieber Kollege, zuletzt bei einer empfohlenen Vorsorgeuntersuchung, haben Symptome vom Facharzt abklären lassen? Die Gründe, warum wir trotz besseren Wissens so nachlässig mit unserer Gesundheit umgehen, sind sicher äußerst vielfältig und individuell. Dabei haben wir es doch so leicht. Wir kennen die besten Experten (bekommen vermutlich auch zeitnah einen Termin), wir sind in perfekter Weise der gut aufgeklärte, also der viel beschworene und mündige Patient und zumindest die Niedergelassenen unter uns haben etwas Spielraum in ihrer Zeitplanung.

Also, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Sie jeden Tag so viel Gutes tun, Ihr Wissen, Ihre Kraft und Zeit einsetzen für Andere, tun Sie dasselbe auch für sich und lassen Sie bei sich, wie bei Ihren Patienten auch, keine Ausreden gelten. Gehen Sie zur Vorsorge oder zur schon lange verschobenen ärztlichen Untersuchung. Treiben Sie Sport, achten Sie auf Ihre Ernährung (gönnen Sie sich dazu auch eine ordentliche Pause im Praxis- bzw. Klinikalltag!), pflegen Sie Ihre Hobbys und Ihre Freundschaften!

Setzen Sie wenigstens einige der guten Ratschläge, die Sie jeden Tag Ihren Patienten mit auf den Weg geben, für sich selbst um.

Zum Schluss muss ich Ihnen leider mitteilen, dass es noch nicht mal einen Witz darüber gibt, in dem es darum geht, das ein Arzt zu einem Arzt kommt. Ich jedenfalls habe keinen finden können. Ein schlechtes Zeichen? Geben Sie auf sich Acht und bleiben sie gesund!

Ihr Holger Thurow