Dr. Simone Heinemann-MeerzOder wird die Landesregierung den Rotstift ansetzen und auf Nachhaltigkeit verzichten?

So etwas hat es lange nicht gegeben. Studentinnen und Studenten, Hochschullehrer, der Rektor, der Dekan, Patientinnen und Patienten, Bürger von Halle haben gemeinsam mit Studenten aus Magdeburg und anderen Hochschulen aus Sachsen-Anhalt demonstriert. Mehr als 7.000 waren es auf dem halleschen Marktplatz - Gänsehaut.
Eine online-Petition „Halle bleibt“ brachte bis zum Redaktionsschluss mehr als 100.000 Unterstützer zusammen. Die Unterschriften wurden bereits dem Landtag übergeben.

Worum geht es? Sachsen-Anhalt ist hochverschuldet, der Landeshaushalt muss saniert werden, keine Frage.
Zwei Universitäten mit hohem Landesetat stehen auf dem Prüfstand. Hier möchte man das Einsparpotential heben. Schulden minus Einsparungen an den Universitäten gleich weniger Schulden - diese Rechnung geht jedoch nicht auf. Man kann ein Land nicht mit Exceltabellen regieren, sagte eine Rednerin auf der Demo. Sachsen-Anhalt vergreist, sagt Sozialminister Bischoff. Unsere Bevölkerung wird immer älter und die sie versorgenden Ärzte auch. Wir brauchen den Zuzug von jungen Leuten mit ihren Familien, die hier leben, die hier einkaufen, die Kulturlandschaft bereichern und damit dem Land ein Gesicht geben. Wenn in Halle 2.000 Studenten weniger durch die Stadt laufen und 1.300 in Magdeburg, dann ist das ein Gesichtsverlust für beide Städte.
Die Kosten pro Studienplatz und Jahr sollen offenbar ein Totschlagsargument sein. Auch das ist wenig schlüssig: Ein Medizinstudienplatz pro Jahr kostet z. B. in Halle ca. 26.000 € und im Bundesdurchschnitt ca. 29.000 €!
Von den Medizinabsolventen melden sich nach dem Studium knapp zwei Drittel bei der Ärztekammer Sachsen-Anhalt an. Das ist doch was! Warum möchte man hierauf verzichten? Der demographischen Entwicklung entgegenzutreten sollte oberste Priorität haben. Das ist nachhaltig, das ist strategisch klug, das ist eine Investition in die Zukunft.

Einsichtig mit Weitsicht handeln, damit die Aussichten gut werden - das ist das Erfordernis der Stunde.

Die Ärztekammer tritt für den Erhalt beider Standorte ein. Sicher können sich beide weiter profilieren und durch Spezialisierung noch effizienter werden. Jeder Standort muss nicht alles vorhalten. Die Ärztekammer bietet sich als Moderator an. Als Mitglied der Demographie-Allianz sollte das eine mögliche Handlungsoption sein.

Wir wollen auf unsere Universitäten nicht verzichten!

Dr. Simone Heinemann-Meerz
Präsidentin Ärztekammer Sachsen-Anhalt