Priv.-Doz. Dr. med. Uwe EbmeyerLiebe Kolleginnen und Kollegen!

Diskussionen um und über das Thema Ärztliche Weiterbildung sind keine Erfindung des letzten Ärztetages. Die unlängst in Hannover teilweise heftig geführten Debatten haben jedoch gezeigt, wie sehr dieses Thema unsere tägliche Berufsausübung beeinflusst. Frei nach Schwier gilt wohl: „Die (Weiter-)Bildungspolitik ist ein Teil von einer Kraft, die stets das Gute will und oft Probleme schafft“.

Da ist zum einen eine neue Generation an Weiterbildungsassistenten. Unsere in den 80er und 90er Jahren geborenen Kollegen haben klare Vorstellungen von der Art und Weise, wie ihre Weiterbildung ablaufen sollte, wie sich diese Weiterbildung mit ihrem Privatleben vereinbaren kann und welche Positionen sie in der traditionell eher hierarchischen Welt der Medizin einnehmen wollen. Können diese Komponenten nicht ausreichend in Einklang gebracht werden, so ist die Bereitschaft, in alternative Tätigkeitsfelder zu wechseln, relativ hoch. Die häufig auch als Generation Y Bezeichneten „wissen die Macht der Demographie hinter sich“ – wie es kürzlich in einem Beitrag des Ärzteblattes hieß. Diese durchaus berechtigten Erwartungen an eine moderne Weiterbildung in die Tat umzusetzen, wird in der Realität zunehmend schwieriger. Die ärztliche Weiterbildung – ein Gordischer Knoten? Die Legende vom Gordischen Knoten und dessen Lösung ist ja bekannt. Den Knoten zu lösen bedurfte es eines dramatischen, im wahrsten Sinne des Wortes einschneidenden Mittels, nämlich das des Schwertes. Die Diskussionen in der letzten Zeit lassen befürchten, dass sich die verschiedenen Aspekte der ärztlichen Weiterbildung nunmehr zu einem Gordischen Knoten entwickeln. Wer aber hält das Schwert in der Hand, diesen Knoten noch rechtzeitig zu lösen? Wer wird dieses „Schwert“ finanzieren?

Auf dem 116. Deutschen Ärztetag wurde das Thema ambulante ärztliche (Pflicht-) Weiterbildung und deren Finanzierung fast zu einer Zerreißprobe in der deutschen Ärzteschaft. Unstrittig ist, dass bestimmte Krankheitsbilder heute quasi nur noch im ambulanten Bereich gesehen, behandelt und eben auch nur dort den in Weiterbildung befindlichen Mitarbeitern vermittelt werden können. Eigentlich besteht bei nüchterner Betrachtung in diesem Punkt weitgehende Einigkeit. Nun aber kommt, wie es so oft in der Medizin der Fall ist, das Geld ins Spiel. Zu Recht wurde im wichtigsten Gremium der Deutschen Ärzteschaft die Frage nach der Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung im ambulanten Sektor thematisiert und intensiv diskutiert. Es ist wohl klar, dass mit einer maximal zulässigen weiterbildungsbezogenen Leistungssteigerung von 3 % de facto in keiner Praxis die Finanzierung von Weiterbildungsassistenten – noch dazu unter Berücksichtigung tarifgerechter Bezahlung – erwirtschaftet werden kann. Die Forderung unserer niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, die für die ärztliche Weiterbildung im ambulanten Sektor notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, ist uneingeschränkt berechtigt und unterstützungswürdig. Gleichermaßen berechtigt wird aber auch von den an der Weiterbildung teilnehmenden Krankenhäusern (von denen es auch immer weniger gibt!) angemahnt, dass es auch für diese Form der Weiterbildung keine eigene, geschweige ausreichend gesicherte Finanzierung gibt. Ob der Facharzt im Krankenhaus selbst oder aber der in Weiterbildung befindliche Assistenzarzt unter fachärztlicher Aufsicht eine Prozedur durchführt, auf die Abrechnung im DRG-System hat dies bislang keine Auswirkung.

Gerät unter den gegebenen, zunehmend unter wirtschaftlichem Druck stehenden, Bedingungen die ärztliche Weiterbildung in Deutschland in Gefahr? Wie gehen WIR Ärzte mit dieser Situation um? Welch eine Überraschung: Wieder einmal haben die unterschiedlichen Bereiche der Ärzteschaft im Kern dasselbe Problem. Wieder einmal gibt es einen Punkt, an dem nur DIE ÄRZTESCHAFT geschlossen ihre berechtigten Forderungen gegenüber der Politik und der Gesellschaft artikulieren und durchsetzen kann. Wann lernen wir, dass das „teile-und-herrsche-Prinzip“, in welches sich die Ärzteschaft in der Vergangenheit nur allzu bereitwillig hat verwickeln lassen, in der Endkonsequenz immer nur zum Nachteil für den ganzen Berufsstand geführt hat? Zum Glück hat es der 116. Deutsche Ärztetag 2013 geschafft, in dieser wichtigen Frage der ärztlichen Selbstverwaltung einen für alle Beteiligten tragbaren Konsens herzustellen. Alles andere wäre eine Katastrophe mit verheerender Signalwirkung gewesen! Wie so oft ist nun die Politik am Zuge! Wird die ärztliche Weiterbildung nicht bald auf gesicherte finanzielle Beine gestellt, so wird es in naher Zukunft schwer werden, eine qualitativ hochwertige Weiterbildung unserer Assistenzärzte zu gewährleisten, egal ob in der niedergelassenen Praxis, dem Krankenhaus oder der Hochschulambulanz. Wir brauchen dringend eine neue Form der Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung. Die Politik sollte begreifen, es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Weiter-Bildung, keine Weiter-Bildung (nach John F. Kennedy).

Priv.-Doz. Dr. med. Uwe Ebmeyer