Dr. Michael Büdke

Das Editorial des Kollegen Thurow vom April über ärztliche Kommunikation und kollegiale Zusammenarbeit hat mich lange beschäftigt. Zustandsbeschreibung, kritische Reflexion und Schlussfolgerungen zur Verbesserung sind überzeugend. Jeder kann dem Artikel zustimmen. Warum funktioniert es trotzdem manchmal so schlecht? Vielleicht liegt es nicht nur an Arbeitsüberlastung, Gedankenlosigkeit, der gesundheitspolitisch gewollten strikten Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung und kollegialen Animositäten.

Der Informationsaustausch erfolgt über Schnittstellen, im Idealfall reibungslos, ohne Verzögerung und mit allen benötigten Daten. Zum Begriff „Schnittstelle“ (engl. Interface) finden sich Definitionen, die zu denken geben: zwei Systeme als Black Boxes, die nur die ihnen zugewandte Grenze der anderen Box kennen müssen, um die Kommunikation zu gewährleisten. „Für die beiden beteiligten Boxes ist es ohne Belang, wie die jeweils andere intern mit den Botschaften umgeht, und wie die Antworten darauf zustande kommen“ (Wikipedia). Diese Art der Kommunikation reicht wohl in der Medizin nicht aus, so sinnvoll und effektiv sie in vielen alltäglichen Belangen ist.

Ich würde gern für weitere Überlegungen und Verbesserungen die Naht, die eine enge Verbindung schafft, und an der länger, und wohl auch von beiden Seiten, gearbeitet werden muss, ins Spiel bringen. „Mit einer Naht wird…etwas zusammengehalten, was sonst auseinander gerissen wäre“ (Wiktionary).

Das Bild vom den Patienten umhüllenden Mantel, den die Palliativmedizin im Namen trägt, scheint mir für die gesamte Heilkunde sinnvoll. Wir arbeiten zusammen an ihm, manche Nähte müssen ganz fest sein, manche weich, einige wollen kaum je gelingen. Aber nur im engen Austausch kann es uns gelingen, den Mantel brauchbar zu machen.

Wenn der Brustschild der Kardiologin mit der Nackenstütze des Orthopäden, dem Nierenwärmer, der Haut kühlenden Seide, integrierter Kapuze mit Ohrenschützern, einem Teil mit durchsichtigem Material und auch den vielleicht dilettantisch eingearbeiteten aber wichtigen Knöpfen und Knopflöchern einen geeigneten und schützenden Mantel ergibt, wenn alle Nähte aufeinander abgestimmt sind und halten, dann können wir zufrieden sein – erst dann. Und es ist von großem Vorteil, den Stoff und den Faden der Fachkollegen zu kennen und zu wissen, wie er am eigenen Teil anschließen sollte. Der Austausch über die je verschiedenen Arbeitsvoraussetzungen und -methoden ist unerlässlich.

Manchmal, wenn Sachargumente nicht mehr wirken, kann es hilfreich sein, in Bildern zu denken.

Wohl wissend, dass einige mich als Märchenonkel oder meine Gedanken als „Wort zum Sonntag“ verspotten werden, als Hausarzt aber spottgestählt und gern bereit zur Diskussion, grüßt Sie herzlich Dr. Michael Büdke.