Dr. Simone Heinemann-Meerz
Dr. Simone Heinemann-Meerz

oder „Der nächste Urlaub kommt (hoffentlich) …“

„Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue Dich auf’s Neue. Und war es schlecht, dann erst recht.“ (Söhler)

Das Jahr 2020 ist vorbei, es hat uns allen viel abverlangt. Hinter uns liegt ein Jahr im Ausnahmezustand, auch ein Jahr geprägt von Entsetzen, Ungläubigkeit und Empörung, ein Jahr mit sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf die Realität. Ich bin sicher, alle freuen sich auf das Jahr 2021 mit hoffentlich besserer Aussicht, vermehrter Einsicht und gereifter Durchsicht. Über unsere freiheitlichen Grundrechte muss nicht diskutiert werden. Sie müssen erhalten bleiben. Die Beschränkung dieser Rechte obliegt dem Parlament. Das Gefühl, dass in einem abgeschlossenen Kreis das Schicksal des Landes detektiert wird, darf sich bei den Bürgern nicht festsetzen.

„Wer Recht erkennen will, muss zuvor in richtiger Weise gezweifelt haben.“ (Aristoteles)

Die dialogische Disputation haben die alten Griechen nicht nur erfunden, sondern auch beherrscht. Hierzulande hat jedoch die Kakophonie von Meinungen, Hinweisen und Ratschlägen viel Vertrauen der Menschen zerstört. Das ist in diesen Zeiten der Corona-Pandemie alles andere als hilfreich. Kommunikation und Aufklärung in solchen oder ähnlichen Situationen hat in Deutschland schon besser geklappt. Zu Beginn der HIV-Epidemie gab es verständliche und eingängige Aufklärungskampagnen, die großen Anklang fanden. Da war z. B. die Komikerin an der Supermarktkasse, die ruft : „Tina, was kosten die Kondome ?“ „Gib AIDS keine Chance.“ Das hat funktioniert und war volksnah. Die Menschen konnten dabei auch mal schmunzeln. Das Video der Bundesregierung zu den Corona-Helden, die „faul wie die Waschbären“ zu Hause blieben, war ein derber Griff daneben und konterkariert die Arbeit vieler Menschen im Homeoffice, die schwierige Kinderbetreuung nebenbei, die Existenzängste in vielen Branchen und und und … Das war im höchsten Maß albern, teuer und sinnfrei. Die Pandemie ist auch eine Krise medizinischer Expertise. Im Orchester der Experten erklären die Virologen das Virus, Hygieniker erklären, was wir anfassen dürfen, Infektiologen reden über Therapiemöglichkeiten, Epidemiologen erklären uns den R-Wert, Physiker simulieren Szenarien … den Medien steht es frei, jede Woche neue Experten zu detektieren. Dem Orchester fehlt der Dirigent! Ein Experten-Karajan hätte hier für Ordnung sorgen und die Einsätze bestimmen müssen, damit Musik entsteht. Ebenso lässt die „Vorbereitung“ der Impfkampagne gegen Corona erwarten, dass wir noch viel Aufklärungsbedarf haben. Die Impfwilligkeit lässt nach Umfragen zu urteilen, sehr zu wünschen übrig. Das hätte besser vorbereitet werden müssen. Dazu gehört ebenso, dass man echte Diskussionen und den Meinungsaustausch zulassen muss, keiner darf wegen seiner Meinung – die selbstverständlich sachlich vorgetragen werden muss – in irgendeine Ecke gestellt werden. Die Bereitschaft zum Dialog bedeutet auch, durch den Austausch von Argumenten den eigenen Erkenntnisgewinn voranzutreiben. Angst verbreiten ist keine gute Idee – nur Einsicht, der Wille zur Mitarbeit und eine positive optimistische Grundhaltung können motivieren. Manöverkritik muss erlaubt sein und bedeutet nicht, „Besserwisser“ oder gar Schlimmeres zu sein.

Außer dem Coronavirus und die Impfungen dagegen, hält das nun schon begonnene Jahr 2021 weitere Herausforderungen für die Ärzteschaft bereit. Die E-Patientenakte (ePA) wurde ab Januar für alle gesetzlich Versicherten zum Rechtsanspruch. Die Kassen müssen sie nach Anfrage anbieten. Ab dem 2. Quartal sollen alle Leistungserbringer angebunden werden, ab dem 1. Juli sind sie dazu verpflichtet, Daten auf Wunsch des Patienten in die Akte stellen zu können. E-Arztbriefe werden ab 1. April 2021 nur noch vergütet, wenn sie über einen KIM-Dienst verschickt werden. Die Übergangsfrist sollte zunächst zum 1. Januar 2021 auslaufen, hat sich aber im Herbst verlängert, weil Anbieter von KIM-Diensten erst später als geplant auf den Markt kamen. Mit ePA und elektronischem Arztbrief ist allerdings das Thema Digitalisierung längst noch nicht durch. Jeder von uns muss daran interessiert sein, dass jegliche Zettelwirtschaft in Praxis, Klinik und ÖGD ein Ende haben muss. Bundeseinheitliche Lösungen sind gefragt.
Zu einer guten Gesundheitspolitik gehört nicht nur, dass man es gut meint, sondern auch, dass man es gut macht. Dazu tragen die Ärzte gerne bei, sie müssen aber in Entscheidungsprozesse öfter und zeitiger eingebunden werden.

„Ein einziger Grundsatz wird dir Mut geben, nämlich der, dass kein Übel ewig währt.“ (Epikur von Samos)

Ich wünsche Ihnen allen ein gutes, erfolg- und aussichtsreiches Jahr 2021.

Ihre Dr. Simone Heinemann-Meerz