Prof. Dr. Uwe Ebmeyer
Prof. Dr. Uwe Ebmeyer

Am 26. Juni 2021 fand die konstituierende Sitzung der neuen Kammerversammlung statt. Mit der Wahl des Vorstandes, des Präsidiums und erster Ausschüsse wurden wichtige Grundlagen für das kontinuierliche Funktionieren der Selbstverwaltung unseres Berufsstandes in der VIII. Wahlperiode geschaffen. Ausführliche Informationen zur Kammerversammlung und deren Beschlüsse finden Sie in einem Beitrag in diesem Ärzteblatt.

Als Ihr neuer Präsident möchte ich mich an dieser Stelle, auch im Namen aller gewählten Kolleginnen und Kollegen, für das in uns gesetzte Vertrauen bedanken. Ebenso möchte ich Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, dazu ermutigen, aktiver Teil unserer Selbstverwaltung zu sein. Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich jeder von Ihnen einbringen kann, darf und sollte. Ihre Erfahrungen, Ihr Urteil und Ihr Rat sind mir sehr wichtig! Nehmen Sie teil an der Gremienarbeit, genauso wie bei der Weiterbildung junger Kollegen, mit Engagement an Ihren Wirkstätten und in Ihren Kommunen, mit neuen Ideen und konstruktiver Kritik. Die vor uns stehenden Aufgaben sind genauso vielfältig wie die Ärzteschaft selbst. Selbstverständlich gibt es bei unserer gemeinsamen Arbeit auch Schwerpunkte.

Ein zentraler Schwerpunkt ist die Sicherung unseres Berufsstandes selbst. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört die Gewinnung des ärztlichen Nachwuchses. Egal ob in der ambulanten Versorgung oder im Krankenhaus, in vielen Bereichen fehlen inzwischen ärztliche Kollegen. In Krankenhäusern fällt es zunehmend schwerer, verbindliche Arbeitszeitregelungen korrekt umzusetzen; immer häufiger wird es für Praxisinhaber schwierig, Nachfolger zu finden. Tendenz: steigend. Wenig überraschend ist immer häufiger der Ruf nach mehr Studienplätzen zu hören. Heißt das erste Gebot der Stunde wirklich, die Zahl der Studienplätze zu erhöhen? Könnten unsere beiden Fakultäten überhaupt mehr Studenten verkraften? Die beiden Medizinischen Fakultäten in Halle und Magdeburg haben zusammen jährlich knapp 400 Absolventen. So viele junge Ärzte für Sachsen-Anhalt – das wäre gut. In der Realität sind von diesen Absolventen, bei einer mittelfristigen Betrachtung, weit mehr als die Hälfte gar nicht in unserem Land tätig. Versucht man zu ergründen, warum das so ist, so stößt man unweigerlich auf Zulassungsprozeduren zum Medizinstudium. Hier gilt es, gemeinsam mit der Politik neue Wege zu finden. Es muss möglich sein, dass auch ohne einen Bruch mit dem Staatsvertrag der Anteil an „Landeskindern“ bei den Studierenden deutlich erhöht wird. Aber! Zur Attraktivität einer ärztlichen Tätigkeit in unserem Land gehört für die Absolventen zweifelsohne die Qualität der Weiterbildung.

Wir befinden uns noch immer im Übergangszeitraum zwischen der alten und der neuen Weiterbildungsordnung. In der Praxis hat es häufig den Eindruck, dass sich zahlreiche, in Weiterbildung befindliche Kollegen und auch ein Teil ihrer Weiterbilder, auf die neuen Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend eingestellt haben. Nur eine attraktiv gestaltete Weiterbildung wird uns in die Lage versetzen, junge Kolleginnen und Kollegen zu motivieren, im Land, und vor allem auf dem Land, eine Tätigkeit aufzunehmen. Fragen Sie sich doch bitte einmal selbst, ob Sie sich schon auf die Bedingungen der neuen Weiterbildungsordnung eingestellt haben. Befinden Sie sich in Weiterbildung oder sind Sie weiterbildungsbefugt, so brauchen Sie einen Zugang zum eLogbuch. Haben Sie einen? Am besten nutzen Sie dafür den Zugang über das Ärztekammerportal. Das hat den Vorteil, dass Sie auf den Mitgliederseiten parallel noch andere wichtige Informationen erhalten, Ihr Fortbildungskonto einsehen oder Meldedaten aktualisieren können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in der Kammerversammlung habe ich Friedrich Wilhelm I. mit den Worten zitiert: „Nur Einigkeit macht stark, und da wir stark sein müssen, so müssen wir auch einig sein.“ Für die kommende Wahlperiode wünsche ich mir, dass wir gemeinsam respektvoll und in einem kollegialen Umgang miteinander die vor uns stehenden Aufgaben lösen. Ob Telemedizin, die Einführung neuer medizinischer Assistenzberufe oder immer breitere Anwendungsmöglichkeiten digitaler Systeme – es liegt an uns, diese Prozesse zu optimieren. Machen Sie mit, bitte bringen Sie sich ein … sonst regeln es andere für uns. Ich bin der Überzeugung, dass wir gemeinsam die kommenden Aufgaben erfolgreich meistern werden.

Prof. Dr. med. habil. Uwe Ebmeyer
Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt