Dr. Torsten Kudela
Dr. Torsten Kudela

Nach einem aufregenden Frühjahr mit Lockdown, Impfkampagne und den Kammerwahlen, dem doch relativ entspannten Sommer mit etwas Normalität und der konstituierenden  Kammerversammlung, haben wir nun den heißen Herbst nach der Bundestagswahl und eine hoffentlich besinnliche Vorweihnachtszeit und Weihnachtszeit. Auch hier hoffe ich auf etwas mehr Normalität als im letzten Jahr.

Im Sommer durfte ich einige Wettkämpfe unter den entsprechenden Corona-Auflagen absolvieren, konnte wieder essen gehen und im Sportverein trainieren und war darüber sehr dankbar und hoffe, diese wiedererlangten Freiheiten weiter zu nutzen. Als Anfang Juli die ersten Neuinfektionen in Magdeburg auftraten, äußerte ich in der Praxis die Befürchtung, dass es sich um den Beginn der 4. Welle handelt. Seit Mitte August ist auch das RKI dieser Ansicht.

Im September begannen die niedergelassenen Kollegen und die verbliebenen Impfzentren mit der Drittimpfung für die vulnerablen Gruppen der Bevölkerung, auch um die Gefahr künftiger Lockdowns zu reduzieren. Mittlerweile haben wir neue Kennzahlen der Pandemiebewertung, die große Unbekannte ist allerdings das Post-Covid-19-Syndrom.

Die Pandemie hat viele Facetten. So hat einer Studie der technischen Universität München unter Prof. Hauner und Prof. Oberhöfen-Fritz zufolge der Durchschnittsdeutsche im Schnitt 5,5 Kilogramm zugenommen, bei den Adipösen mit einem BMI über 30 lag die Gewichtszunahme sogar bei 7,2 Kilogramm. Diese wurde kürzlich vom Hallenser Virologen Prof. Dr. Dr. Kekulé charmant als „Corona-Plautze“ bezeichnet. Die Ursachen waren vielschichtig. Hier liegen Probleme für die Zukunft, denn das Gewicht muss wieder runter, gerade auch im Hinblick auf die kardio-vaskuläre Gesundheit der Bevölkerung.

Ein weiteres Problem, das mich in den letzten Monaten bewegte, ist der Klimawandel mit den Schäden an der Natur und den zunehmenden Naturkatastrophen. Auch in Sachsen-Anhalt kann man die Probleme nicht mehr leugnen. Im Harz ist das Waldsterben nun nicht mehr zu übersehen. Nicht nur der Borkenkäfer, auch die Trockenheit ist allgegenwärtig.  Die immer wieder regional auftretenden Starkregenereignisse, ändern an der Trockenheit nichts, hinterlassen zusätzlich jedoch große Schäden. Denken wir immer daran, wir erben die Welt nicht von unseren Eltern, sondern leihen sie von unseren Kindern. Wir brauchen mehr Nachhaltigkeit, auch in der Medizin. In unserer Praxis produzieren wir trotz „papierfreier“ Praxis und Mülltrennung große Mengen Restmüll. Wir verbrauchen viel Einwegmaterial, teilweise doppelt verpackt, so zum Beispiel Scheren, scharfe Löffel, Pinzetten, Einmalhandtücher, Masken und vieles mehr. Nun kommen zwar das eRezept und die eAU, die derzeit weder wirklich Ressourcen noch Zeit und Nerven sparen. Einen Mehrwert für die Praxis kann ich, wie viele meiner Kollegen, noch nicht erkennen.

Jetzt im Oktober beginnt das neue Studienjahr, bei dem hoffentlich auch die Studierenden wieder zu mehr Normalität zurückkehren dürfen. Erinnere ich mich doch sehr gerne an meine Studentenzeit und würde der neuen Generation der Studierenden gleiches wünschen, mit Präsenzvorlesungen und Seminaren, Erstsemesterparty und Seminargruppenfeten. Wir sollten den Studierenden mit gutem Beispiel vorangehen und sie in der Famulatur und im PJ für unseren Beruf begeistern. Sie sind unsere Zukunft und damit das Wichtigste, was wir haben. Geben wir ihnen also gutes Rüstzeug, denn es sind die Kollegen (m/w/d), die uns später behandeln werden.

Ihr Torsten Kudela
Vorstandsmitglied der Ärztekammer Sachsen-Anhalt

Foto: Archiv