Dr. med. Uwe Rose
Dr. med. Uwe Rose

Hohe Qualität bei der Patientenversorgung zu erreichen, stellt für uns Ärzte eine Selbstverständlichkeit dar. Zur Evaluierung stehen uns Instrumente wie Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement zur Verfügung. Dagegen spricht erst einmal nichts. Auch, dass sich die Ärzteschaft für eine Förderung der Qualität aktiv engagiert und einsetzt, steht außer Frage.

Was bereitet uns aber in den letzten Jahren zunehmend Sorge? Dies sind eher nicht die internen Qualitätssicherungsmaßnahmen in den Praxen und Kliniken wie zum Beispiel Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen und Peer Reviews, die auch schon an sich einen verstärkten Dokumentations- und Arbeitsaufwand mit sich bringen. Zertifizierungen, Zen-trenbildungen, Audits und Re-Audits rauben Zeit, die für die Arbeit am Patienten nicht mehr zur Verfügung steht. Eine Vergütung für diese aufwendigen Maßnahmen erfolgt nicht durch die Kostenträger, so dass in der Regel auch keine Konsequenzen bezüglich eines Personalaufbaus durch die Kliniksträger erfolgen.

Mit dem Inkrafttreten des GKV-Reformgesetzes (§ 135a SGB V) im Jahr 2000 wurden die Leistungserbringer zu interner und externer Qualitätssicherung gesetzlich verpflichtet.
Wir Ärztinnen und Ärzte klagen seitdem über einen zunehmend überbordenden bürokratischen Aufwand, der kaum noch in einem möglichen Vorteil und Nutzen für die Patientenversorgung steht.

Nach Überführung der Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL) in die Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL) zum 01.01.2020 ist die Ärztekammer jetzt sogar nicht mehr vertragsbeteiligt. Wer soll das noch verstehen?

Die Arbeit bleibt bei der Ärztekammer und den sechs ärztlichen Fachgruppen, die für 2020 in Sachsen-Anhalt über 60.000 Datensätze beurteilen mussten. Insgesamt sind in den externen Qualitätssicherungsmaßnahmen 16 Leistungsbereiche sogenannte Module einbezogen, die Leistungen von Herzschrittmacherimplantationen über Operationen ver-schiedener Fachdisziplinen bis zur ambulant erworbenen Pneumonie und Dekubitus auswerten müssen. Die Bundesärztekammer hat in ihrem Memorandum „Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement 2020 aus ärztlicher Sicht – Mehrwert für die Patientenversorgung“ reagiert. Darin werden die immensen Dokumentationsanforderungen an QM/QS in ihrer Entwicklung zunehmend als Selbstzweck bewertet. „Der Fokus liegt nicht mehr auf dem eigentlichen Ziel der Qualitätsverbesserung, sondern vor allem auf der externen Kontrolle. QS/QM ist aus ärztlicher Sicht kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck“. Sie sollten effektiv und nicht bürokratisch überfrachtet und als gesetzlich formuliertes Kontrollsystem eingesetzt werden. Das eigentliche Ziel der qualitativen Verbesserung der Patientenversorgung muss das Hauptaugenmerk sein.

Die Bundesärztekammer hat eine Reihe von Vorschlägen und Lösungsansätzen in ihrem Referendum klar definiert. Interne Qualitätsmanagements müssen Vorrang vor G-BA-Kontrollbürokratie mit Sanktionierung haben. Externe Qualitätssicherung steht aufgrund der Ressourcenbindung in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen und gesetzlich definierte Qualitätsindikatoren sollten auch adäquat zum Einsatz kommen. Die Landesärztekammern haben QS-Maßnahmen seit 2000 vorgeschlagen und auch übernommen. Sie haben jedoch durch die G-BA-Richtlinien ihre Rolle als neutrales und beratendes Gremium verloren.

Wir Ärztinnen und Ärzte wollen unsere Patientinnen und Patienten nach hohen Qualitätsstandards behandeln und sehen in Qualitätssicherung und Qualitätsmanagements zentrale Werkzeuge dafür. Knappe Personalressourcen in Praxen und Krankenhäusern für externe QS-Maßnahmen als reines gesetzliches Kontrollsystem mit fraglichem Wert und Evidenz einsetzen zu müssen, wird zu weiterer Demotivation führen.

Dr. med. Uwe Rose
Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Sachsen-Anhalt

Quelle: Memorandum „Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement 2020 aus ärztlicher Sicht – Mehrwert für die Patientenversorgung“. Beschluss des Vorstands der Bundesärztekammer vom 21.08.2020

Foto: Diakoniewerk Martha-Maria e. V.