Mehr Ärzte braucht das LandDM Stefan Andrusch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein neues Jahr hat begonnen und damit die Hoffnung auf Beendigung der lähmenden Regierungsarbeit, bedingt durch zähe Koalitionsverhandlungen. Nun steht der Vertrag und soll schnellstens mit Leben erfüllt werden. Mich interessierte besonders, ob in ihm etwas über Ärztemangel und dessen Behebung steht.

Obwohl in Deutschland die Anzahl der Ärzte stetig steigt, wird doch vielerorts ein Mangel spürbar. Dieses vermeintliche Paradoxon erklärt sich beim näheren Betrachten.

Folgende Gründe müssen angeführt werden:

• Unterversorgung in strukturschwachen Regionen, Überversorgung in Ballungszentren
• stete Zunahme des Anteils weiblicher Ärzte
• zunehmender Anteil von Ärzten, die keinen Vollzeitjob ausüben
• generelle Senkung der Wochenarbeitszeiten durch gesetzliche Vorgaben (Arbeitszeitgesetz im stationären Bereich, Strukturveränderungen im ambulanten Bereich)

Wo und wie kann zukünftig gegengelenkt werden? Welche Ansätze finden sich dazu im Koalitionsvertrag? Drei Ansätze habe ich gefunden. Es wird ein Masterplan Medizinstudium 2020 erarbeitet. Zur Behebung von Unterversorgung sollen neue Anreize zur Niederlassung in entsprechenden Gebieten geschaffen werden. Die Förderung der Weiterbildung Allgemeinmedizin soll um 50 % erhöht werden.

Der Masterplan wird uns, wenn überhaupt, neue Ärzte frühestens in 12 Jahren bringen. Anreize zur Niederlassung können vielleicht die ärgsten Sorgen in ländlichen Gebieten abmildern. Der 3. Punkt offeriert mir kurzfristig die größten Chancen für das Land.

Wenn es uns damit gelingt, die Anzahl der Ärzte in Weiterbildung in Sachsen-Anhalt dauerhaft um 10-15 % zu erhöhen, würde dies sowohl den Krankenhäusern als auch dem am-
bulanten Bereich eine gewisse Stabilisierung verschaffen. Wenn durch funktionierende Weiterbildungsverbünde Allgemeinmedizin den Krankenhäusern kontinuierlich allgemeinmedizinischer Nachwuchs zugeführt wird, wird deren Tätigkeit planbar.

Dass dies nicht zu Lasten der Weiterbildung anderer Fachgebiete geschehen darf, versteht sich von selbst. Wo kommen dann die benötigten Ärzte her? Der Koalitionsvertrag kann es nicht beantworten, jedenfalls nicht für die nächsten 12 Jahre.

Deshalb werden wir wohl gezwungen sein, in der Region uns alle zusammenzusetzen und nach Möglichkeiten einer reibungsärmeren Zusammenarbeit über Schnittstellengrenzen hinweg nachzudenken. Ein erster Schritt in diese Richtung in der Harzregion war die Gründung eines weiteren Ärztenetzes (MEDI-Netz Harz), noch ein ganz zartes Pflänzchen, welches aber beginnt seine Wurzeln in alle Richtungen der Gesundheitsversorgung sprießen zu lassen. Dieses Pflänzchen benötigt ständig Nahrung und Wasser, will heißen Engagement, gute Ideen und Zeit. Und trotzdem glaube ich daran, dass es uns und unseren Patienten in Zukunft mehr geben wird, als ein Warten auf mehr Ärzte.

Alles Gute zum Neuen Jahr wünscht
DM Stefan Andrusch.