Dr. Simone Heinemann-MeerzDer Physicans Payment Sunshine Act in den USA ist jetzt in Kraft. Damit soll verstärkt Transparenz in die industriellen Zuwendungen an die Ärzteschaft gebracht werden.

Sämtliche Zahlungen der Hersteller von Arznei- und Heilmitteln an Ärzte und Krankenhäuser müssen im Detail offengelegt werden. Jede Zahlung, die 10 US $ im Einzelfall und 100 US $ im Jahr übersteigt, muss von der Firma unter Angabe des Zwecks der Zahlung gemeldet werden. Jeder Patient muss also im Internet nachschauen können, wieviel Geld sein Doktor oder sein Krankenhaus von einem oder mehreren Pharmafirmen erhält. Transparenz nicht nur zu fordern, sondern sie auch zu leben, das ist nunmehr zeitgemäß.

Ob der Patient in der Lage ist, aus einer komplexen Datenmenge die ihn interessierenden Fragen richtig zu beantworten, wird man sehen. Der permanent im Raum stehende Vorwurf der Korruption wäre aber unter den Bedingungen des Sunshine Act für viele, Journalisten, Krankenkassen, Politiker, Patienten oder neidvolle Kollegen, nur schwer oder gar nicht aufrecht zu erhalten.

In unserem Gesundheitssystem gibt es viel Hinterfragenswertes, was auch mit Interessenkonflikten zu tun hat. Leider wurde dieses Thema, im Gegensatz zu den USA, in Deutschland viele Jahre nur wenig diskutiert. Aber dieser Zustand ändert sich aufgrund von medienträchtigen Negativschlagzeilen stetig. Interessenkonflikte sind in der Medizin allgegenwärtig und niemand ist ohne. Die Gleichsetzung von Interessenkonflikten mit Bestechlichkeit und Korruption ist jedoch nicht nur falsch, sondern auch schädlich im Umgang mit solchen Konflikten.

Lieb et al. formulierten die Definition: „Interessenkonflikte sind definiert als Situation, die ein Risiko dafür schaffen, dass professionelles Urteilsvermögen oder Handeln, welches sich auf ein primäres Interesse bezieht, durch ein sekundäres Interesse unangemessen beeinflusst wird.“
Interessenkonflikte können auch förderlich sein. Die enge Kooperation zwischen akademischer Forschung und industrieller Begleitung Neues zum Wohle unserer Patienten zu entwickeln, ist nur dann problematisch, wenn das primäre Interesse an valider Evidenz dem Marketing nachgeordnet wird. Hier ist die eigene Wahrnehmung kein guter Ratgeber. Die Interessenkonflikte müssen aus der „Schmuddelecke“ geholt werden. Ein professioneller Umgang, der Vertrauen schafft und für jedermann nachvollziehbar ist, wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Nur so können die gesellschaftliche Stellung und das Ansehen des Arztberufes erhalten bleiben. Ganz oben an steht dabei NICHT die Vermeidung von Interessenkonflikten, sondern die Transparenz.
Bisher existiert leider kein einheitlicher verbindlicher Verhaltenskodex für den Umgang mit Interessenkonflikten im Gesundheitswesen. Es gibt zahlreiche freiwillige Kodizes z. B. „Kodex Medizinprodukte“ und „FSA-Kodex“. Diese sind wichtig und zeigen den Weg.
Die Kooperation der Akteure im Gesundheitswesen braucht allgemein akzeptierte Spielregeln! Diese nicht nur zu erarbeiten und zu konsentieren, sondern dann in die Köpfe zu transportieren, wird die Herausforderung der nächsten Jahre.
„Werte kann man nur durch Veränderung bewahren.“
(R. Löwenthal, Politologe)

Dr. Simone Heinemann-Meerz

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