profilbild Dr. Uwe EbmeyerLiebe Kolleginnen und Kollegen,
„wer nicht redet, wird nicht gehört“ (H. Schmidt) – unter diesem Motto stehend haben die Mitglieder des Vorstandes in den zurückliegenden Monaten mit ihren Editorials Themen gewählt, die unser berufliches Miteinander und die Verankerung unseres Berufsstandes in der Gesellschaft aufgreifen.

Sie haben nunmehr die letzte Ausgabe des 25. Jahrganges unseres Ärzteblattes in Ihren Händen. Es ist Dezember. Es ist die Zeit des Rückblickens, des Besinnens und des Wünschens. Allerdings habe ich heute Wünsche an Sie.

Mehrmals wurde in diesem Jahr der Themenkreis Ärztemangel, Arbeitszeit und Generationswechsel aufgegriffen. Gerade das letzte Editorial machte noch einmal deutlich, dass das Thema „Ärztemangel“ dringend neu analysiert und erörtert werden muss. Ärztemangel?! Die Politik und die Kostenträger rechnen uns stets vor, dass heute mehr Ärzte denn je ihren Beruf ausüben. Ja, der nominelle Mitgliederbestand unserer Kammer hat in den letzten Jahren zugenommen. Aber wieviel Arzt-Arbeitszeit damit wirklich zur Verfügung steht, weiß niemand genau.

Es kann auch niemand verlässlich sagen, wo die Weiterbildungsassistenten geblieben sind? Freie Weiterbildungsplätze an Universitätskliniken – noch vor wenigen Jahren ein unvorstellbares Szenario, heute traurige Realität. Wir haben zwei medizinische Fakultäten im Land, die um ihr Überleben kämpfen. Trotz katastrophaler wirtschaftlicher Lage werden an beiden Unis Jahr für Jahr fast 400 gut ausgebildete Mediziner ins Berufsleben entlassen. Wohin gehen eigentlich unsere Absolventen? Es muss dringend darüber nachgedacht werden, wie zumindest ein Teil der abwandernden Absolventen in Sachsen-Anhalt gehalten werden kann. Darf/kann/ muss man da eventuell auch alte Tabus brechen?

Also, wie viele Ärzte braucht das Land? Um in Gesellschaft und Politik vernünftig argumentieren zu können, brauchen wir belastbare Fakten. Ich bitte Sie deshalb schon jetzt, die im Rahmen der Beitragserhebung 2015 geplante Erfassung der Arbeitszeiten unserer Kammermitglieder aktiv zu unterstützen. Das war mein erster Wunsch.

Auch mein zweiter Wunsch kostet Sie nichts. Lassen Sie uns im kommenden Jahr wieder mehr miteinander reden. Ja, ich weiß, die Bedeutung von Kommunikation wird häufig überbewertet. Aber lassen Sie es uns trotzdem versuchen. Ein Telefonat oder ein kurzer handgeschriebener Arztbrief tun manchmal Wunder. Der Hausarzt kann sich besser um seinen vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten kümmern, der Kollege in der Fachambulanz erfährt, warum sein Kollege in der Praxis die von ihm zuvor angesetzte Therapie nicht fortgesetzt hat, die kleine Medikamentenliste hilft dem Notarzt bei der Erstversorgung ….

Lassen Sie es uns im kommenden Jahr doch einfach versuchen, ein paar alten Werten und Tugenden unseres Berufsstandes im täglichen Chaos des Arztseins wieder mehr Bedeutung zu geben. Dies sollte auch helfen, auf einer weiteren „Dauerbaustelle“ der Ärzteschaft weiter zu kommen: der Novellierung der Weiterbildungsordnung. Nicht zuletzt unter dem Einfluss zahlreicher Partikularinteressen hat sich nämlich die Novellierung de facto festgefahren.

Ob es die Ärzteschaft 2015 schaffen wird, sich bei diesem wichtigen Thema am Schopf zu fassen? Nun bin ich aber schon bei den ganz großen Wünschen angekommen. Für GOÄ, DRG und Gesundheitskarte bleibt hier leider kein Platz mehr.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wünsche Ihnen, Ihren Familien, Mitarbeitern und Kollegen eine frohe, sorgenfreie und besinnliche Weihnachtszeit. Für das kommende Jahr erhoffe ich für uns alle Gesundheit, Glück und persönliches Wohlergehen – und bitte vergessen Sie meinen kleinen Wunschzettel nicht.

PD DR. Uwe Ebmeyer
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