Kassenärztliche VereinigungDie Versorgung geriatrischer Patienten in Sachsen-Anhalt ist unter dem Aspekt der demografischen Entwicklung und der Diskussion über die zukünftige Gestaltung des Gesundheitssystems ein zentrales Thema aller an der medizinischen Versorgung und Betreuung dieser Patienten Beteiligten.

Im Folgenden erhalten Sie eine kurz gefasste Übersicht über Ziele, Inhalte und Angebote der in das Geriatriekonzept einbezogenen Partner, Abb. 1.
Abb. 1: Das geriatrische NetzwerkDas bereits 1995 vom Land erstellte Geriatriekonzept erfuhr 2009 seine erste Überarbeitung, und es befindet sich gegenwärtig in einer zweiten Phase der Anpassung an aktuelle Entwicklungen. Dem liegt der Gedanke zugrunde, ein Netzwerk aufzubauen, das in allen Phasen der Behandlung und Betreuung geriatrischer Patienten die richtigen Partner aktiviert, sie je nach Bedarf sinnvoll und effizient miteinander verzahnt und den Patienten eine wohnortnahe Diagnostik und Therapie inklusive rehabilitativer Angebote bietet. Das Netzwerk ermöglicht eine abgestufte, auf die individuelle Situation des jeweiligen Patienten zugeschnittene  Herangehensweise in:
•    Geriatrischen Zentren an Krankenhäusern
•    Geriatrischen Tageskliniken
•    Geriatrischen Schwerpunktpraxen
Geriatrische Zentren an den Krankenhäusern der Landkreise und kreisfreien Städte bilden die Spitze der Versorgungsstruktur. Sie kooperieren bei Diagnostik und Therapie mit anderen Strukturen eines Netzwerkes, das u.a. aus Psychologen, Neurologen, geriatrischer Tagesklinik, Rehasportgruppe, Selbsthilfegruppe, Hausärzten und Angehörigen besteht. Die gemeinsame Nutzung von Ressourcen ist sehr sinnvoll. (s. Abb. 2)

Abb. 2: Struktur der geriatrischen VersorgungEine kritische Phase der Behandlungs- und Versorgungskette ist der Übergang von der stationären Versorgung in das häusliche Umfeld. Sowohl das umfassende und sektorübergreifende Entlassmanagement ist hier gefragt als auch die Auswahl geeigneter ambulanter Angebote.

Ein wichtiger Baustein in der Möglichkeit der Weiterbehandlung ist die teilstationäre geriatrische Versorgung zur Vermeidung bzw. Verringerung von Pflegebedürftigkeit. Sie wird jedoch nicht in allen Geriatrischen Zentren vorgehalten. Die teilstationäre bzw. tagesklinische Behandlung als Bindeglied ist nach dem SGB V eine Form der Krankenhausbehandlung. Den täglichen Transport zum Krankenhaus und nach Hause organisiert die Klinik. Neben multidimensionalen diagnostischen Maßnahmen einschließlich des geriatrischen Assessments werden multidisziplinäre Komplexbehandlungen mit teamintegrierten Einzel- und Gruppentherapien durchgeführt. Speziell geschulte Pflegekräfte arbeiten mit den Patienten daran, ein Höchstmaß an Selbständigkeit zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

Bindeglied zwischen den Geriatrischen Zentren und den Hausärzten sind die beiden geriatrischen Schwerpunktpraxen in Klötze/Kalbe und Schönebeck. Sie arbeiten geriatrisch-diagnostisch und koordinierend-rehabilitativ, kooperieren eng mit den Geriatrischen Zentren und übernehmen Aufgaben im Sinne einer multiprofessionellen Weiterbehandlung. Die geriatrischen Schwerpunktpraxen arbeiten selbst ebenfalls innerhalb einer vernetzten Struktur mit multiprofessionellen Teams, bestehend aus niedergelassenen Ärzten, in der aktivierenden Pflege Tätigen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, dem Sozialdienst und weiteren Partnern.

Eine Schlüsselposition haben die Hausärzte. Sie versorgen dauerhaft Patienten mit geriatrischen Krankheitsbildern und leiten bei Bedarf auf der Grundlage der Ergebnisse eines geriatrischen Basisassessments (EBM GOP 03360) die Patienten in Schwerpunktpraxen bzw. klinische Zentren weiter. Ihre Aufgaben liegen vor allem auch in der frühen Erkennung solcher Erkrankungen und der Nachsorge nach stationärer oder ambulanter geriatrischer Komplexbehandlung. Die Hausärzte können für bestimmte Aufgaben bei der Diagnostik und Betreuung an besonders qualifizierte Praxisassistentinnen (z.B. VERAH) delegieren.

KVSA
(Quelle: PRO, Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt,
Nrn. 6-8/2013, Das Geriatriekonzept Sachsen-Anhalts)