Nun ist sie da. Sollen das die Hausärzte mal schaukeln, wir haben ja unsere fachspezifischen Leitlinien untermauert mit soliden Studien zur Erhöhung der Lebenserwartung, werden vielleicht manche Spezialisten unter uns Ärzten denken.

Natürlich ist es die ureigenste Tätigkeit der sogenannten Generalisten, sich um dieses Thema zu kümmern und das nicht erst seit Erscheinen dieser neuen Leitlinie. Aber bisher hatte jeder nach eigenen Erkenntnissen und Gewissen gehandelt, oft von den Fachärzten kritisiert, manchmal belächelt.

Dieses Handeln ist mitunter so komplex, das viel Zeit investiert werden muss, bei multimorbiden Patienten mit Polymedikation schwerwiegende Wechselwirkungen auszuschalten, und zusammen mit dem Patienten genau die Balance zwischen medizinischer Notwendigkeit und ausreichender Lebensqualität zu finden. So werden wir dem Patienten manchmal mehr Jahre zum Leben, aber oft auch den Jahren mehr Leben geben können.

Es bringt unser Bemühen um die bestmögliche Therapie der Patienten aber kein Stück weiter, wenn diese Problematik allein bei den Hausärzten hängen bleibt. Dies bewirkt das ständige Zerren um die Hoheit der Medikation.

Nun sehen wir Hausärzte uns durch diese Leitlinie in unserer Tätigkeit nicht nur unterstützt, sondern können die Therapiediskussion mit konkreten Fakten befruchten. Ein Erfolg der Leitlinie „Multimedikation“ setzt jedoch zwei Bedingungen zwingend voraus:

  1. Kenntnis und Anwendung aller Ärzte im ambulanten wie im stationären Sektor
  2. Zeitnahe Übermittlung der Entscheidungsgründe für eine Therapieänderung abweichend zu den bestehenden krankheitsbezogenen Leitlinien.


Dafür benötigen wir Hausärzte den aktuellen Stand der Medikation aller den Patienten behandelnden Fachärzte. Das setzt die zeitnahe Information bei Therapieänderung und deren Begründung voraus.

Die Fachärzte, ob stationär oder ambulant, sollten vom Hausarzt immer die aktuelle Zusammenstellung der Gesamtmedikation erhalten. Hierbei wären kurze Begründungen zum Abweichen von krankheitsbezogenen Leitlinien nützlich (z.B. abgesetzt wegen Sturzneigung, umgestellt wegen Unverträglichkeit, Wechselwirkung mit Präparat X).

Am besten wird das gelingen, wenn wir unseren Patienten einschärfen, dass neben ihrer Versichertenkarte immer eine aktuelle Medikamentenliste vorgehalten werden muss. Packen wir es an, zum Wohle unserer Patienten und zum Wohle einer reibungsarmen Zusammenarbeit unter den Kollegen. Dass wir das alle gemeinsam schaffen werden, davon überzeugt ist DM Stefan Andrusch.

Die Leitlinie steht kostenfrei zum Download bereit unter:www.pmvforschungsgruppe.de/pdf/03_publikationen/multimedikation_ll.pdf